Allgemeine Berichte | 25.10.2019

11. Netzwerkwerkkonferenz des Kreisjugendamts in Wirges

„Vom Wunder der Befruchtung bis zum Wundern in der Pubertät“

Rund 170 Pädagogen ließen sich über Aspekte kindlicher und jugendlicher Entwicklung informieren

Rund 170 Pädagogen verfolgten die Netzwerkkonferenz. Fotos: WR

Westerwaldkreis. Großes Interesse weckte die 11. Netzwerkkonferenz des Kreisjugendamtes des Westerwaldkreises: Rund 170 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, darunter Schulleiter/innen, Kita-Leiter/innen, Sozialarbeiter/innen, Hebammen, Lehrer/innen und Erzieher/innen, sowie mehrere Vertreter der Kommunalpolitik, folgten der Einladung des Kreisjugendamtes zur 11. interdisziplinären Netzwerkkonferenz in das Bürgerhaus nach Wirges. Landrat Achim Schwickert als höchster Vertreter des WW-Kreises, begrüßte die Besucher und unterstrich die Bedeutung dieser Veranstaltung. Seinen Dank richtete er an die Organisatoren vom Kreisjugendamt und an Peter Köster, der als Referent für die Konferenz gewonnen werden konnte.

Björn Krause, Organisator der Netzwerkkonferenz und Kinderschutzkoordinator des Kreisjugendamtes, stellte anfangs die Arbeit des Kreisjugendamtes und den Stand der Netzwerkarbeit dar. In den Mittelpunkt seiner Ausführungen erklärte Björn Krause die Zusammenarbeit zwischen Kreisgesundheits- und Kreisjugendamt. Kritisch betrachtet wurde die Zunahme der Meldungen des Gesundheitsamtes nach dem Landesgesetz zum Schutz von Kindeswohl und Kindergesundheit (LKindSchuG) von 36 im Jahr 2015 auf 80 anno 2018 an das Kreisjugendamt. Die Abgabe an das Kreisjugendamt hat zu erfolgen, wenn durch Intervention des Gesundheitsamtes die Durchführung der Früherkennungsuntersuchung U4 bis U9 nicht gewährleistet ist. Das Kreisjugendamt folgt dem gesetzlichen Auftrag, in diesen Fällen, durch rechtzeitige Förderung und Hilfe, den Kindern einen wirksamen Schutz vor Misshandlung, Missbrauch und Vernachlässigung zu gewähren, und die Risiken von Fehlentwicklungen zu minimieren. Beim Gesundheitsamt erfolgte ebenfalls eine erhebliche Steigerung der Meldungen zur Früherkennungsuntersuchung von 1084 (2014) auf 1621 (2018). Als großen Fortschritt bezeichnete Björn Krause die Vernetzung zwischen Jugendhilfe und Schule im Westerwaldkreis bis hin, dass das Jugendamt zu Schulleiter- oder Bezirksdirektorenkonferenzen eingeladen wurde.

Als Referent für die Netzwerkkonferenz konnte Peter Köster aus Roetgen gewonnen werden, der sich seit vielen Jahren mit Belastungen beschäftigt, die in der Kindesentwicklung ihren Ursprung haben. Peter Köster leitet Studienseminare, bildet Lehrkräfte aus, und arbeitet als Coach, unter anderem für Pflegeeltern.

(Früh-)Kindliche Bindungs- und Entwicklungsprozesse

Bei seinem Referat in Wirges widmete sich Peter Köster dem Thema „(Früh-)Kindliche Bindungs- und Entwicklungsprozesse aus dem Blickwinkel der Hirnforschung und Neurobiologie“. Erzieher und Pädagogen stellen immer häufiger eine anstrengende Beziehungsarbeit mit Kindern und Jugendlichen fest. Die zunehmenden Verhaltensauffälligkeiten fordern immer mehr Raum, Zeit und Kraft in der täglichen Arbeit. Dabei werden in zunehmendem Maße diese Auffälligkeiten als psychische Widerstandsfähigkeit, Konzentrationsstörungen, oder als ADHS diagnostiziert. Die Ursachen für diese Auffälligkeiten sind vielschichtig, sie werden neben den Erziehungsaspekten auch dem Konsum digitaler Medien bereits in der Kleinkindzeit zugeschrieben. Mangelnde Bindung innerhalb einer Familie ist eine weitere gravierende Ursache für die erwähnten Probleme.

Peter Köster spannte in seinem spannenden Vortrag den Bogen von den vorgeburtlichen Einfluss-und Entwicklungsfaktoren bis hin zur Pubertät, dabei ging er ständig auf die Entwicklungsprozesse des Gehirns und die unterschiedlichen Kindheits- und Jugendphasen ein. Sehr ausgiebig befasste Peter Köster sich mit der Entwicklung des Babys im Mutterleib. Er stellte fest, dass die Bindung zur Mutter bereits in der 9. Woche im vollen Gange ist, während die Stimme der Mutter verinnerlicht wird. Gleichzeitig können negative Einflüsse wie Rauchen, Alkohol, Stress, Umwelteinflüsse oder Gewaltanwendungen durch die Placenta nicht herausgefiltert werden, zum Baby vordringen und dann seine Entwicklung beeinträchtigen.

Die Bindung zwischen Mutter und Kind wird nach der Geburt durch das Stillen stark intensiviert. Ablenkungen wie Smartphone-Benutzung oder Fernsehen stören diesen Bindungsaufbau beim Stillen als wichtigen Baustein für die weitere Entwicklung des Kindes. Aus einer innigen Mutter-Kind-Beziehung heraus werden nach der Geburt auch die weiteren Entwicklungsschritte wie Laufen und Sprechen enorm gefördert, und bilden die Grundlagen bis in die Lebensphase Pubertät.

Peter Köster: „Eine gute und sichere Bindung ist die Basis für die Ausbildung positiver ‚innerer Haltungen‘, wie Offenheit und Neugierde. Diese Haltungen beeinflussen maßgeblich das eigene Wissen und Können.“ Mädchen haben andere Pubertätsphasen als Jungen, da die biologische Uhr anders als bei Jungen tickt, durch die Hormonausschüttung verändert sich ebenfalls die Pubertät bei Mädchen. „Pubertät ist … wenn Lehrer ätzend und Eltern peinlich werden“. Interessant waren auch die Ausführungen von Peter Köster zur aktuellen Frage, warum Schüler/innen morgens so müde und aufnahmeunfähig sind. Wenn Jugendliche sich eigentlich in eine Ruhephase begeben sollten, tritt häufig die „Blaulicht-Phase“ ein. Durch den Betrieb von Handy oder TV wird vom Gehirn das blaue Bildschirmlicht verarbeitet. Zur Vorbereitung der Schlafphase benötigt der Körper Melatonin, die Ausschüttung wird jedoch durch die Verarbeitung des blauen Bildschirmlichtes gestört. Die Folge sind schlechter Schlaf und Müdigkeit.

Auch auf das Suchtverhalten von Jugendlichen wurde eingegangen. Greifen sie zu Drogen oder Alkohol, wird vor allem in der Pubertät die Ausschüttung von „Glückshormonen“ begünstigt. Durch Alkohol werden die Glücksgefühle um bis zu 200 % gesteigert und das Belohnungszentrum stimuliert. Verlangt das Gehirn weiter nach Belohnung, entstehen Süchte, denen Jugendliche leicht erliegen.

Das sachlich, und verständlich vorgetragene Referat von Peter Köster, fesselte die Zuhörer/innen und wurde mit viel Beifall bedacht. In der Paus, und nach dem Referat bildeten sich viele Gruppen, die das eben Gehörte nochmals gemeinsam erörterten.

Peter Köster währendseines interessanten Referats.

Peter Köster während seines interessanten Referats.

Rund 170 Pädagogen verfolgten die Netzwerkkonferenz. Fotos: WR

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