Heimatverein Alt-Ahrweiler bot unterhaltsamen Mundartabend mit Nikolausbesuch
Vom kreiselnden Baum bis zum kopflosen Hirten
Das gemeinschaftlich gesungene „Oos Ahweile Platt, dat kreit me net satt“ war die ideale Einstimmung für den Mundartabend des Heimatvereins Alt-Ahrweiler
Ahrweiler. Zweimal im Jahr tagt die sogenannte Plattakademie. Und zumal, wenn sie es November tut, erwärmt sie das Herz der Mundartfreunde, die auch diesmal wieder frühzeitig in Bell’s Restaurant plus Wintergarten strömten. Tommy Geller, der die gesamte Veranstaltung musikalisch akzentuierte, war startklar am Piano. Rainer Sturm, der durch den Abend führte, gab das Zeichen zum Einsatz. Darauf erklang, gemeinschaftlich gesungen, „Oos Ahweile Platt, dat kreit me net satt“, die ideale Einstimmung für den Mundartabend des Heimatvereins Alt-Ahrweiler.
Obwohl - es muss nicht immer genau der Dialekt aus dem Städtchen im Mauerrund sein. Zum Auftakt sagte Sturm nämlich Kölsche Krätzjer an. Von einem turbulenten Hausputz aus der Domstadt, noch dazu an einem Sonntag und garniert von geschwätzigem Besuch, wusste Christel Fritzen zu berichten. Hingegen offerierte Fred Fritzen seine Kölsche Tön, indem er Ludwigs Uhlands Sängerfluch übersetzte. Das Pult verließ er nicht, ohne zuvor einem Seitenhieb auf die Neuenahrer loszulassen: „Heilwasser trinkt man, wenn man muss, aber der Rude aus Ahrweiler ist ein Genuss“. Als nach ihm Magret Nischalke an der Reihe war, wandte sie sich als Einzige in freier Rede ans Publikum und ließ es an ihren Überlegungen über „Oos Zeit“ teilhaben. Sie wunderte sich: „Keiner hat Zeit, dabei gibt es Zeit zebaschte“. Sie riet, sich Zeit für die Familie zu nehmen. Man sagt, früher hätten die Leute mehr Zeit gehabt. „Wat ene Quatsch“, so Nischalke, die als zeitlose Erkenntnis dagegenhielt: „Der eine gewinnt se, dem andere verrinnt se.“
Unterhaltsam durch Abwechslung
Die Plattakademie-Abende wären längst nicht so unterhaltsam, wenn nicht Erzählen und Musik immer im Wechsel stünden. Tommy Geller begleitete engagiert auf dem E-Piano und sang Bläck Fööß und von Bap Lieder „op Ahrweile Platt“.
Zudem bewegte er mit seiner Dialektversion von Charles Aznavours Klage „Du lässt Dich gehn“. Abwechslungsreich auch die Stimmungen und Themen der Wortbeiträge. Lothar Pötschke unterbreitete Vergangenes in Bachemer Dialekt: von Kindern, die zu fünf Groschen Maiglöckchen verkauften bis zu jungen Männern, die bei der Kirmes nach den „schönste Fraulück“ ausschauten, um selbigen „knietiefen“ Hunger zu gestehen und von ihnen zuhause verpflegt zu werden. „Kerle met Undersetz waren im Vorteil, do stonden die Fraue drop“, war zu erfahren. „Einen Rückblick in „Oos 68er“ lieferte Johanna Gies samt Erinnerung an „Die Glocke“, „sone Art Disko“, wo es Polizeirazzien gab: „Denen ging es um Dealer“.
Zweispurig erlebte sie die musikalische Welt damals mit den Auftritten beim legendären Woodstock-Festival 1969 einerseits und daneben die „Heile-Welt-Musik, die keinem wehtut“. Peter Kaspar gab eine Geschichte von Hans Boes wieder, während Marlies Jammel Besinnliches mit „Ahrweiler im Advent“ und Nikolausbräuchen der ebenfalls verstorbenen Marianne Slater beisteuerte.
Gefährliches Fest
Natürlich geriet auch Weihnachten in den Blick, allseits bekannt als Fest des Friedens und der Liebe, für viele das schönste Fest des ganzen Jahres. Doch die Besucher der Plattakademie wurden über das Gefahrenpotenzial belehrt. Brunhild Dörr schilderte, wie die freudig begrüßte Neuheit eines sich drehenden Weihnachtsbaumes als Schleuder entpuppte. Vater löste die Sperre am Ständer, die Musikwalze ließ „o, du fröhliche“ erklingen. So weit, so gut, bis der Baum schließlich immer schneller kreiselte und Kugeln, Raketen gleich durch den Raum schossen.
Ungemach schwante den Zuhörern ebenso gleich zum Beginn von Karl Heinens Brief an die „Leev Tant Billa“. Wenn eine Krippe zwischen Apfelkisten im Keller feststeckt und in den dritten Stock soll, kann ein solches Unterfangen schon einmal schiefgehen. Dass Vater beim Heben des Schatzes hinfiel und Mutter der alleinigen Verantwortung für den Stall von Bethlehem auch nicht gewachsen war, außerdem ein Hirte den Kopf verlor und infolgedessen der Haussegen schief hing, all das bekam die leef Tant Billa zu lesen.
Sogar der Nikolaus mit Hans Muff im Gefolge (Udo Groß und Udo Willerscheid) beehrte die Versammlung nicht nur mit Weckmännern, sondern auch mit anheimelndem Verzäll.
Unter anderem war von der wundersamen Verwandlung einer „Baum-Krücke“ die Rede, die dank eines kreativen Kognak-Genießers mithilfe von Karnevalsorden zwischen Engelshaar zu einem schönen Christbaum wurde. Mit „Weihnachten Alaaf“ lieferte er auch noch den passenden Motto-Ruf dazu.
HG
Peter Kasper (r.) und Margret Nischalke.
Karl Heinen las den Weihnachtsbrief an Tante Billa vor.
Nikolaus, Udo Groß, las aus seinem goldenen Buch vor. Neben ihm steht Carlos, der ihm solange den Bischofsstab hält.
