In der Kita Kunterbunt, Münstermaifeld ist das Bastelfieber ausgebrochen
Von der Klopapierrolle zum Flugzeug
Münstermaifeld. Ist das Kunst oder kann das weg? Diese Frage wird häufig spaßeshalber dann gestellt, wenn Dinge ohne ein bestimmtes Ordnungsprinzip herumstehen oder scheinbar keinen Nutzen haben. Nein, in diesem Fall kann das nicht weg! Es sieht zwar etwas wüst im Malraum des U3-Bereichs der Kita Kunterbunt aus, aber das hat seinen Sinn. Denn hier haben Kinder – ohne dass es ihnen wirklich bewusst war – an wichtigen Kompetenzen gefeilt und Erfahrungen auf den verschiedensten Ebenen gesammelt.
Sie haben Selbstwirksamkeit in ihrem Tun erfahren, in ihrer Kreativität Lösungsstrategien und Gestaltungsmöglichkeiten entwickelt, motorische Fähigkeiten erlernt und geübt, sogar erste physikalische Erkenntnisse erlangt, ihre eigene Sprache verfeinert und die Werke von anderen wertschätzen gelernt – und das mit Klopapierrollen, Kartons, Pappen, Stöcken, Joghurtbechern und Eierkartons. Wie das geht? Alles begann mit der Frage zweier Jungs: „Können wir was basteln?“ Die Rückfrage der Erzieherin „Was möchtest du denn machen?“ oder „Was für ein Material brauchst du dafür?“ öffnete für die beiden die Tür in ihren eigenen Ideenreichtum und natürlich in den Materialraum. Sobald alle Materialien ausgewählt waren, legten die kleinen Baumeister auch schon los. Die Erzieherin war dabei lediglich die Assistentin und arbeite auf Anweisung mit der Heißklebepistole. Der einsetzende Schaffensprozess zog auch bald andere Kinder an: „Was macht ihr da?“ oder „Darf ich auch basteln?“ wurde mit der Einladung zum Mitmachen beantwortet. So manches Kind hat den ganzen Vormittag in der „Kreativhöhle“ verbracht. So viel Konzentration und Ausdauer ist nur durch das Begeisterungsmoment möglich. Und das waren die Kinder: hoch motiviert an ihrem Werk! Manche Kinder wussten schon sehr genau, was es zum Schluss werden sollte: „Ich baue ein Flugzeug,“ oder „Ich mache ein Puppenhaus!“ Andere haben erst am Ende für sich beschlossen, was sie gebaut haben: „Das ist eine Station, wo Menschen rein können,“ oder „Das ist eine Brücke mit einer Blume drin.“ Wieder andere haben sich während des Schaffens neu entschieden, so dass aus einer Rollbahn plötzlich eine Wasserrohrleitung geworden ist. Doch zu guter Letzt war jedes Kind sehr stolz auf sein Bauwerk und hat es selbstbewusst im Erzählkreis – wie ein Künstler in einer Vernissage – den anderen vorgestellt.
Basteln ist also nicht nur ein Arbeiten nach Vorlage oder ein netter Zeitvertreib, sondern eben auch essenziell in der Selbstentwicklung eines jeden Kindes, denn jedes Kind ist ein Potential-Entfalter.
