Komische Lyrik und höherer Blödsinn mit Herbert Reichelt
Von verführten Dichtern und streikenden Fußbällen
Wachtberg-Berkum. Wer komische Lyrik mag, für den ist der Wachtberger Autor Herbert Reichelt längst kein Unbekannter mehr. Im Rahmen der diesjährigen Wachtberger Kulturwochen hatte er erneut zu einer Lesung aus seiner Gedichtsammlung eingeladen.
Im Wein Cabinet Briem in Berkum fanden sich zahlreiche Freunde dieses besonderen Humors ein … zu, wie die Lesung angekündigt war, Gedichten über die „Tücken des Alltags und höherer Blödsinn“. Als avisierter Überraschungsgast setzte sich Erwin Ruckes ans E-Piano. Er sei der Pausen-Clown für zwischendurch, witzelte er, damit Reichelt auch mal Zeit zum Luftholen habe. Seine kurzen Improvisationen bereicherten dann auch aufs Angenehmste den Abend, den Reichelt mit Auszügen aus dessen im letzten Jahr erschienenen Buch „Pfleimenbäume und andere Gedichte“ und dem voraussichtlich im September herauskommenden „Kuss des Delta“ bestritt.
Unter Mensch und Tier
Gleich zu Beginn wurde es im wahrsten Sinne des Wortes poetisch, ging es doch im ersten Gedicht um einen in einem Café sitzenden Poeten.
Eigentlich dort um zu dichten, waren die köstlichen Kuchen und Torten dann doch zu verlockend, sodass das Gereimte weniger ‚dicht‘, sondern eher ‚schlicht‘ geriet. Immer wieder ein Vergnügen … Reichelts lyrische Auseinandersetzung mit dem Aufbau eines Billy-Regals, ebenso seine kleine Liebeserklärung an Anja Börsenqueen, die, ach wie dumm, nie im Vorfeld schon die Börsenkurse kundtut, und – auch beim wiederholten Hören ein absolutes Highlight – seine „Trauerrede von Klawede“. Lustig ging es bei Reichelt dann bei einem eigentlich ernsten Männerthema zu, dem Fußball. Da verweigerte sich der Ball doch plötzlich vor dem Eckigen und wollte nur noch ins Runde rein. Die Spiele blieben fortan torlos, der Ball will ja ins Rund … und denkt: „Na und?“ Gar tierisch lustig wurde es mit dem Gedicht über eine betrunkene Made oder – auch wenn’s einen traurigen Vorfall beschrieb – mit einem über eine Amsel, die von der Katze gefressen wurde … und so „war der Song Contest am Ende für die Katz‘.“
Über Kreuz und quer
Wahrlich verworrene, nein geschüttelte Gedichte präsentierte Reichelt auch. „Schwer wawa“ klang es da nach dem Zufallsprinzip willkürlich zusammen gestellt. Ganz anders dagegen sein Sonett als Doppel-Akrostichon, bei dem die Anfangsbuchstaben der Zeilen von oben nach unten und die Endbuchstaben von unten nach oben gelesen ein Wort ergeben. Zu meisterlicher Höhe geriet dann ein weiteres Sonett, dem Reichelt die Form eines Multi-Akrostichons gab … alle Wörter untereinander ergeben jeweils Wörter und diese führen in einer bestimmten Auf- und Abführung gelesen letztendlich zu einem zum Sonett passenden Satz. Höherer Blödsinn für Fortgeschrittene! (Weitere Fotos auf www.wachtberg.de).
Pressemitteilung der
Verbandsgemeinde Wachtberg
