Allgemeine Berichte | 06.01.2020

Priesterverfolgung durch die Nationalsozialisten

Vor 80 Jahren begann die Verfolgung der Niedermendiger Priester

Mendig. Schon im November 1940 wurden Pfarrer Joseph Bechtel und sein Kaplan Peter Schlicker von der Pfarrei St. Cyriakus von den Nazis verhört und dann am 9. Januar 1941 in sogenannte „Schutzhaft“ genommen, um dann vier Wochen später in das KZ Dachau eingeliefert zu werden.

Pfarrer Bechtel war am 20. September 1929 nach Niedermendig gekommen und geriet schon wenige Jahre später in die Überwachung durch die NSDAP.

Immer wieder geriet er mit den Nationalsozialisten aneinander, weil er zum Beispiel am 9. November 1935 entgegen der Beflaggungs-Anordnung zum Gedenktag an den Hitler-Ludendorff-Putsch von 1923 die Kirche nicht mit der offiziellen Hakenkreuzfahne beflaggt hatte. Mit Wirkung vom 31. August 1937 wurde ihm die Erteilung des Religionsunterrichtes in der Schule verwehrt. Am 10. November 1937 wurde das Jugendheim geschlossen und 316 Bücher aus der Pfarrbücherei beschlagnahmt. Besonders verübelten die Nazis auch, dass er sich immer wieder dafür einsetzte, dass der mit einer jüdischen Frau verheiratete Dr. Paul Olbertz, Chefarzt des katholischen St. Nikolaus-Krankenhauses bleiben sollte. Höhepunkt der Vorwürfe gegen ihn und seinen Kaplan war der Vorwurf der Gestapo wegen angeblicher Beeinflussung eines Sterbenden, wodurch beide sich der „Volksgemeinschaft unwürdig gemacht hätten“.‘ Im Konzentrationslager Dachau muss vor allem Joseph Bechtel Furchtbares im Hungerjahr 1942 durchgemacht haben, sodass sein Zustand unerträglich wurde und er am 12. August 1942 an Hungertyphus verstarb. Sein Kaplan Schlicker konnte zwar 1945 noch am Gründonnerstag seine Entlassung aus dem KZ erleben, starb aber nach drei Wochen an den Folgen der langen Haft am 19. April 1945.

Noch Ende 1944 hatte der Kaplan aus dem KZ Dachau geschrieben: „In dreieinhalb Jahren habe ich mich den Verhältnissen angeglichen. Entscheidend für das Durchhalten ist die seelische Einstellung und Haltung! Körperliche Stärke schafft es nicht! Was der Mensch mit seiner Willenskraft zu leisten vermag, habe ich in diesen Jahren erfahren!“

Heinz Lempertz, Mendig

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