Karl Hermann Amthauer ist seit einem Jahr Bildungsreferenten des Eine-Welt-Vereins Linz
Vorträge und Workshops über fair gehandelte Produkte für Schüler und Erwachsene
Linz. Seit einem Jahr sind Menschenrechtsverletzungen, Hungerlöhne und Preisdumping in den Ländern der sogenannten Dritten Welt sowie fair gehandelte Waren das bevorzugte Thema von Karl Hermann Amthauer. Der Grund: Der ehemalige Pädagogen, der bis zu seiner Pensionierung Deutsch und Sozialkunde an der Berufsbildenden Alice-Salomon-Schule unterrichtet hat, ist Bildungsreferent des Vereins Eine-Welt Linz. Zusammen mit dem Vorsitzenden Hans-Joachim Schmitz zog er Mitte voriger Woche im Eine-Welt Laden in der Rheinstraße 3 nach zwölf Monaten eine erste Bilanz.
„Wir haben uns die Aufgabe gestellt, Schüler und Jugendliche, Erwachsene und Senioren durch Veranstaltungen und Filmabende rund um das Thema ‚Fair Trade“ zu informieren sowie ihnen Publikationen und Erklärungen zu den Themen ‚Leben, Wirtschaften und Gerechtigkeit in der Einen Welt‘ an die Hand zu geben“, so Hans-Joachim Schmitz. Darüber hinaus unterstütze der Verein Entwicklungsprojekten Dritter in der „Einen Welt“ etwa von „Brot für die Welt“, „Misereor“ oder Aktionen des Martinus-Gymnasiums und berate Veranstalter von Verkaufsbasaren mit Produkten des Fairen Handels. „Von den ehrenamtlichen Vorstandsmitgliedern sowie den Vereinsmitgliedern kann nicht erwartet werden, dass sie diesen umfangreichen Aufgabenkatalog umsetzen. Hier bedarf es eines, besser noch mehrerer Bildungsreferenten, die dieses Aufgabengebiet abdecken“, erklärte der Vorsitzende. Entsprechend froh sei der Verein, im Vorjahr mit Karl Hermann Amthauer eine Person gefunden zu haben, die sich äußerst engagiert und qualifiziert sowie mit viel Freude diesem Aufgabengebiet widme. „Nach einem Jahr haben wir mit Freude feststellen können, dass unser Bildungsreferent schon sehr viel erreicht hat, berücksichtigt man vor allem, dass wir vor einem Jahr bei Null angefangen haben“, so das überaus positive Fazit von Hans-Joachim Schmitz.
Karl Hermann Amthauer hat in seine ersten zwölf Monaten Kontakte zu Vereinen, Senioren, Bildungseinrichtungen, vor allem aber zu Schulen wie etwa dem Martinus-Gymnasium Linz oder der Römerwallschule in Rheinbrohl hergestellt. „Dort habe ich in den 4. und 6. Klassen über fair gehandelte Waren im Sinne des globalen Lernens informiert, aber ohne mit erhobenen Zeigefinger das bisherige Kaufverhalten der Schüler zu kritisieren. Wenn man als Missionar auftritt, blocken Jugendliche direkt ab“, zehrte der Bildungsreferent von seiner Erfahrung als Pädagoge. Der „faire Handel“ lebt aber vom Mitmachen. Da reicht es nicht, dass man ihn gut findet, vielmehr muss man beim Einkauf auch für die entsprechenden Produkte entscheiden.
„Ich habe natürlich auch alle Gemeinde-Cafés in der VG Linz, das Antonius-Stift, die evangelische Frauenhilfe Linz, die kfd Rheinbreitbach und die Gewerkschafts-Senioren der IG BCE Rheinbrohl besucht und dort in Workshops und Vorträge über generell gängiges Konsumverhalten - muss es immer ein neues Handy sein oder billige, unter unwürdigen Bedingungen hergestellte Kleidung - und über das Thema fair gehandelte Produkte etwa am Beispiel Kako informiert“, berichtete Karl Hermann Amthauer. Mehr bewirken, vor allem auf längere Sicht, könne man aber natürlich bei Schülern. Langfristig Erfolg habe bei diesen aber nur, wenn das Umfeld, also das Elternhaus, vor allem aber auch die Schulen mitspielen würden. „In denen ist das Thema fairer Handel zwar angekommen, wird aber insgesamt gesehen doch noch zu zögerlich im Unterricht behandelt. Da würde ich mir noch erheblich mehr Zuspruch wünschen“, so der Bildungsreferent.
Dessen Arbeit wurde bislang vom Entwicklungspolitischen Landesnetzwerk Rheinland-Pfalz als Minijob gefördert worden ist. Diese finanzielle Unterstützung wurde jetzt noch bis Mitte nächsten Jahres verlängert. Danach müssen wir sehen, wie es mit der Bildungsarbeit unseres Vereins weitergeht“, so Hans-Joachim Schmitz. Zwar würde die Akzeptanz fair gehandelter Waren auch durch den nationalen Aktionsplan zunehmen, der Unternehmen zum Einkauf fair gehandelter Produkte verpflichte, bis jedoch das Ziel erreicht sei, dass sich Menschen in Entwicklungsländern den Lebensunterhalt durch fair gehandelte Produkte aus eigener Kraft sichern können, sei noch ein langer Weg zurückzulegen. „Wir müssen lernen, globaler zu denken“, so der Bildungsreferent. Und wenn schon nicht im Sinne der Menschlichkeit, dann nicht zuletzt in eigenem Interesse, wie die aktuelle Flüchtlingssituation aus afrikanischen Ländern belegt. Ein Umdenken, das dann auch in konkreten Handlungen mündet, setze bei der Bevölkerung eine Wissenserweiterung und das damit verbundene Verständnis für andere Völker, deren Kulturen sowie Lebensweisen voraus. „Und dafür ist die engagierte Arbeit von Bildungsreferenten der Eine-Weltvereine unerlässlich“, betonte Hans-Joachim Schmitz. DL
