Fernweh in Wachtberg trägt Früchte
Wachtberger präsentieren Reiseeindrücke aus Europa, Afrika und Australien
Heimatverein initiierte Ausstellung „Menschen, Länder, Meere, Abenteuer“
Wachtberg-Niederbachem. Am letzten Mittwoch im Mai präsentierten im Henseler Hof in Niederbachem Altbürgermeister Hans-Jürgen Döring und Hendrik Heimbach Bilder und Eindrücke ihrer Reisen, die sie unter anderem nach Australien und Afrika geführt haben. In der Ausstellung in der VR-Bank des Ortes waren in den Wochen zuvor viele Bilder und Informationen zu den Fernreisen zu sehen gewesen. Dort fand man nicht nur originale Kleidungsstücke aus fernen Ländern, sondern viele spannende kleine und große Reisemitbringsel. Bücher von Karl May, Bernhard Grzimek und Jacques-Yves Cousteau waren ebenso zu sehen wie Veröffentlichungen weniger bekannter literarischer Globetrotter und natürlich von Wachtbergern, die ihre Reiseberichte in Heft- oder Buchform zusammengefasst hatten. Mit den Zusatzinformationen erhielten die Besucher einen Einblick in die Reisen der Wachtberger sowie in manch weniger bekannte Details zu prominenten Personen der Zeitgeschichte. Dass der berühmte Tierforscher und -filmer Bernhard Grzimek dank seiner Erfahrung beim Aufbau des Frankfurter Zoos maßgeblich mitgewirkt hat, ist recht bekannt. Dass er aber im Dritten Reich haarscharf den Schergen der Machthaber entging, weil er Lebensmittel für Verfolgte besorgt hatte, überraschte den durchschnittlich informierten Leser.
Aufbruch in unbekannte Gefilde: Heimweh ist ein Mitbringsel
Die Ausstellung sowie den Präsentationsabend organisierte der Heimatverein Niederbachem, um möglichst viele Menschen des Ortes anzusprechen und die Botschaft des Vereins in die Öffentlichkeit weiterzutragen. Die Ausstellung habe zwar „Reisen und Abenteuer“ zum Thema. Jedoch sei ein Aspekt der Reise auch immer die Sehnsucht, außerhalb der Heimat Neues kennenzulernen, erklärte der stellvertretende Vorsitzende des Vereins, Dr. Walter Töpner. Oft genug packe einen bei einer lang andauernden Reise die Sehnsucht nach der Heimat, sodass der eigentliche Wert von Heimat erst dann oder bei der Rückkehr begriffen werde. Diese Heimat zu pflegen und trotzdem Neues nicht außer Acht zu lassen, sei Ziel des Vereins. Damit der Heimatverein auch weiterhin dieses Ziel anstreben kann, wünsche man sich mehr Zuspruch aus der Bevölkerung, die man auch mit solchen Ausstellungen erreichen möchte. So habe man auch Schulklassen zur Ausstellung eingeladen, um auch jüngere Generationen zu erreichen.
Von Hessen über das Rheinland in die Welt
Im Henseler Hof berichtete Hans-Jürgen Döring vor rund 30 Zuhörern über die Abenteuer und Erfahrungen, die er und seine Frau in Australien und bei anderen Reisen erlebt und gesammelt hatten. Sein Wunsch, reisen und die Welt kennenlernen zu wollen, sei beim ersten Anblick des Rheinlandes im Alter von etwa sieben Jahren entstanden. Als gebürtiger Hesse sei er als Kind ins Rheinland gekommen und habe heute noch den imposanten Eindruck vor Augen, den die teilweise in Trümmern liegenden Städte auf ihn gemacht hatten. Ihm sei klar geworden, dass es in der Welt viel mehr geben muss, als man vorher in der eigenen Heimat kennengelernt habe. Aus diesem Grunde habe er schon früh angefangen, sich über möglichst interessante Reiseziele zu informieren.
Hans-Jürgen Döring hatte die ersten Fahrten alleine oder mit Freunden mit dem Fahrrad des Großvaters – wohlgemerkt ohne Gangschaltung durch die Vogesen – unternommen. Das sei mit Blick auf die Tatsache, dass der Krieg noch nicht allzu lange her war, nicht immer ohne Schwierigkeiten abgelaufen. So habe er in Frankreich grenznah stolz versucht, in mühevoll erworbenem Schulfranzösisch etwas zu bestellen. Das war allerdings, vorsichtig ausgedrückt, dort nicht auf sonderlich viel Gegenliebe gestoßen. Auf der Route, deren erste Stationen Bonn, Trier, Luxemburg und Metz waren, habe er mit seinen Freunden jedoch auch viele positive Erlebnisse gehabt, die gelegentliche Anfeindungen bei Weitem aufwogen.
Australien sei für ihn ein seit seiner frühen Jugend gehegter Traum gewesen, den er sich mit seiner Frau gleich zwei Mal mit jeweils sechswöchigem Aufenthalt im Wohnmobil erfüllt habe. So war er in den Jahren 2008 und 2012 in den Genuss gekommen, etliche Städte und die Tierwelt des fünften Kontinents hautnah zu erleben.
Abenteuerliche Erlebnisse in fremden Kulturen
Auch den Schulleiter der Sekundarschule in Wachtberg-Berkum Hendrik Heimbach hatte es in die Ferne gezogen. Mit einem Freund zusammen hatte er sich dreieinhalb Monate lang auf dem afrikanischen Kontinent aufgehalten, um dort ferne Länder zu erkunden.
Auf diese Weise haben die beiden Reiselustigen nicht nur die beeindruckenden Naturerlebnisse in ihre Vita eingetragen, sondern auch afrikanische Bürokratie und Fahrstile der einheimischen Bevölkerung kennengelernt. Der Bürokratie hatten sie zu verdanken, dass sie innerhalb nur eines einzigen Tages Botswana durchqueren mussten – leider ohne eigenes Fahrzeug. So lernten sie, dass Geier gelegentlich schon in Vorfreude über einem zu kreisen scheinen. Außerdem mussten sie feststellen, dass der Fahrstil in dem infrastrukturell seinerzeit nicht sonderlich erschlossenen Gebiet gelegentlich so lebensgefährlich sein kann, dass man gut und gerne über eine Möglichkeit nachdenkt, so schnell wie möglich vom Fahrzeug abzuspringen.
Diese und viele andere Eindrücke waren es ebenso wie die gezeigten Reisebilder, die den Abend im Henseler Hof sehens- und hörenswert gestalteten. Nachdenkliches, Spannendes, Neues und Heiteres fand man in den Berichten Hans-Jürgen Dörings, Hendrik Heimbachs und in den beigesteuerten Beiträgen des Publikums.
Dr. Walter Töpner und Hans-Jürgen Döring hatten zusammen mit anderen Mitgliedern und Helfern viele Materialien gesammelt. Fotos: -CEW-
Hendrik Heimbach präsentiert das Heft zur Ausstellung. Foto: Chris Weber
