Allgemeine Berichte | 13.07.2016

Das Forstamt Adenau informiert

Wald dient dem Hochwasserschutz

V.li. die drei Förster Markus Noack, Jürgen Wagner-Küpper und Andreas Zedler auf Waldboden mit und ohne Wasserspeicherfunktion.privat

Adenau. Jäger, Jagdgenossenschaften und Förster sind gefordert, damit der Wald auch in Zukunft seine Aufgaben für die Bürgerinnen und Bürger der Verbandsgemeinde Altenahr erbringen kann. Jedes Kind lernt es in der Schule: Wald und der Waldboden ist ein hervorragender Wasserspeicher. Bis zu 200 Liter Wasser nimmt der Waldboden pro Quadratmeter auf. Im Idealfall ist der Oberflächenabfluss selbst bei Starkregenereignissen fast null.

Wald bremst das Wasser

Wie der Wald hierbei hilft, zeigt folgende Aufzählung: Ein gestuftes Blätter- und Nadeldach mit einer gegenüber der eigentlichen Landfläche vielfachen Oberfläche bindet Niederschläge und lässt den Überschuss gebremst auf den Waldboden gelangen. Zeitgleiche Verdunstung lässt bereits bis zu 70 Prozent der Wassermenge zurück in die Atmosphäre gelangen, bevor sie überhaupt den Boden erreicht. Eine reichhaltige Strauch- und Krautschicht bremst den Wasserfluss. Moose und die Humusschicht wirken wie ein Schwamm und lassen das Niederschlagswasser durch Poren und feinste Kanäle im Waldboden in tiefere Schichten gelangen. So wiederum filtert Bodenschicht um Bodenschicht den Regen und lässt ihn irgendwann als sauberes Quellwasser wieder zu Tage treten.

Verbandsgemeinde Altenahr ist zu fast 80 Prozent bewaldet

Die Verbandsgemeinde Altenahr ist mit einer Fläche von 154 Quadratkilometer zu fast 80 Prozent bewaldet. Deshalb kommt dem Wald eine entscheidende Rolle im Schutz vor Hochwasser zu. Die Wasserspeicherfähigkeit dieser Fläche käme theoretisch einem Regenrückhaltebecken von mehr als 20 Millionen Kubikmetern gleich. Bildlich gesprochen entspricht das bei einem 20 Meter hohen Damm einer Wasserfläche von weit über 100 Hektar.

Die drei in der Verbandsgemeinde Altenahr zuständigen Förster Jürgen Wagner-Küpper, Markus Noack und Andreas Zedler vergleichen das beschriebene Optimum mit der Realität in ihren Revieren. Gemeint ist nicht die natürliche Schwankungsbreite in der Beschaffenheit der hiesigen Waldböden, sondern vielmehr der Umstand, dass es in vielen Gebieten deutlich besser sein könnte.

Überhöhte Wildbestände sind ein gravierendes Problem

Ein gravierendes Problemfeld sind große Flächen mit weit überhöhten Wildbeständen. „Wo jegliche Bodenvegetation aufgefressen wird, gibt es keine Bremswirkung des Wasserflusses“, erklärt Förster Wagner-Küpper. Zugleich haben die Rudel von Rot-, Muffel- und Schwarzwild in den steilen Hängen wie auf Viehtriften ein Humus-Steingemisch losgetreten – ein heftiger Gewitterguss und ein großflächiger Geröllabgang rauscht talwärts. „Fast jedes Jahr muss die Straßenmeisterei tonnenweise den Schutt von der Straße zwischen Kesseling und Staffel schaufeln“, berichtet Markus Noack, „und das passiert auch an anderen Stellen Jahr für Jahr“. Andreas Zedler resümiert: „Irgendwann bleibt in den Hängen nur noch der nackte Fels; das ist eine gewaltige Bodenwertvernichtung, die absolut irreparabel ist. Und der verbliebene Wald ist dann halt inkontinent, der kann’s Wasser nicht mehr halten.“

Jagdgenossenschaften und Jäger in der Verantwortung

In der Verantwortung sehen die drei neben den Jägern auch die Jagdgenossenschaften, die mit den Jägern die Vertragsbedingungen aushandeln. „Jagdgenossenschaften sollten sich auch als Hochwasserschutzgemeinschaften verstehen und mit den Jägern zusammen wirksame Konzepte entwickeln und umsetzen“, so die drei Forstmänner des Forstamtes Adenau..

Das Optimum von Wasserspeicherfähigkeit des Waldes ist das Ergebnis naturnah bewirtschafteter Wälder mit weitgehendem Verzicht auf Kahlschläge. Förster Zedler sieht da noch einen erheblichen Nachholbedarf im Kleinprivatwald. Während auch hier in den vergangenen Jahren die Nadelholzbestände dank der hohen Nachfrage der Industrie durchforstet werden konnten, stehen viele Laubwälder dicht auf dicht. Es fehlt mangels Licht fast komplett eine Strauch- und Krautschicht.

„Der Brennholz-Boom der vergangenen Jahre, der sich jetzt wegen des billigen Heizöls deutlich verflacht hat, ist im Kleinprivatwald noch nicht angekommen. Dabei schlummert hier noch eine große Ressource. Diese zu nutzen, wäre gleichzeitig ein großer Beitrag zum Hochwasserschutz“, erklärt Zedler. Er denkt dabei an Holznachfrage durch kommunale Energieprojekte. „Bei der Aufzählung der Synergieeffekte an lokaler Wertschöpfung reichen meine beiden Hände nicht mehr aus.“

Weiter Informationen zum Thema Wald unter www.adenau.wald-rlp.de. Pressemitteilung des

Forstamtes Adenau

V.li. die drei Förster Markus Noack, Jürgen Wagner-Küpper und Andreas Zedler auf Waldboden mit und ohne Wasserspeicherfunktion.Foto: privat

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