Hamburger Comedian Glenn Langhorst krönte die Großmaischeider „LiteraTour“ im Wasserturm
Warum bei der Frauensuche der Adamsapfel eine Rolle spielt
Großmaischeid. Literarisches Schreiben ist kein Spaziergang. Lesen kann es schon sein. Das bewiesen wieder mal die Kulturschaffenden in Großmaischeid mit ihrer „LiteraTour“ 2018, einem literarischen Spaziergang der besonderen Art, zehn Lesungen an vier Orten. Und zwar sehr exklusiven Orten: Gelesen wurde im „Mückenplausch-Gärtchen“, in „Hiltruds grüner Oase“ und in „Anke und Peters Gartenidylle“. Und zu guter Letzt, hoch über Großmaischeid im historischen Wasserturm, trug der Hamburger Humorist Glenn Langhorst aus seinem Werk „Frau zum Mitreißen gesucht“ vor. „Vielleicht ein neuer Karl Valentin?“ hatten die Wassertürmer den Stargast mit Vorschuss-Lorbeeren überhäuft. Nicht ganz zu unrecht.
Den Auftritt des Nordlichts im Westerwald erklärt der Mann von der Waterkant so: „Barbara Seelk hat mich entdeckt und gefragt, ob ich mir das vorstellen könnte, im Rahmen dieses literarischen Events aufzutreten. Ich habe sofort zugesagt. Das ist eine super Location hier.“ Seine Kunst bezeichnet Langhorst als Stand up-Comedy: „Ich erzähle über mein Leben. Dinge, die ich erlebe, durch mich gefiltert, bringe ich auf die Bühne. Das Programm ‚Frau zum Mitreißen gesucht´ ist in der Zeit entstanden, als ich, überraschend für mich selber, Single war und wieder plötzlich auf diesen freien Menschenmarkt geschmissen wurde.“ An der Stelle des Gesprächs mit „BLICK aktuell“ lacht eine junge Frau neben dem Künstler, es ist, wie sich herausstellt, seine aktuelle Ehefrau Sibylle und der lebende Beweis dafür, dass Glenn das Single-Dasein erfolgreich überwunden hat. Gemeinsam haben die beiden auch schon ein Programm geschrieben mit dem Titel „Mister und Miss Verständnis“. Oh je, da bahnt sich schon der nächste Problemkreis an…
Dabei war die Single-Zeit schon ereignisreich genug. Opa Langhorst wollte den kleinen Glenn verkuppeln. Dabei ging die Gartenlaube in Flammen auf und erreicht wurde nur, dass die Auserwählte (vom Opa) den Feuerwehrmann geheiratet hat, aber nicht Glenn. Und, noch so eine Erfahrung des Singles auf Frauensuche: „Man sollte immer auf Adamsäpfel achten. Den die haben nur Männer, und Frauen haben keine!“ Hier scheint der frauensuchende Glenn auch schon unangenehme Erfahrungen gemacht zu haben, vermutlich mit falschen Identitäten. Doch die Gefahr ist wohl in Großmaischeid deutlich geringer als im weltoffenen Hamburg.
Ein Film vom Ende aus betrachtet, ergibt einen ganz neuen Film
Dafür allerdings lässt der Comedian das Publikum teilhaben an seiner Leidenschaft, langweilige Filme rückwärts zu gucken, wodurch diese neue, überraschende Inhalte vermitteln. „Pretty Women“ zum Beispiel von hinten nach vorne gesehen führt zu der Erkenntnis, dass Richard Gere seine Julia Robertson zur Prostitution zwingt. Oder das „Der weiße Hai“ ein Film ist, in dem ein Fisch so lange Menschen ausspuckt, bis die am Ende an der Küste eine Strandbar eröffnen.
Den pädagogischen Hintergrund der Maischeider „LiterTour“ findet der berufsmäßige Spaßvogel Langhorst toll, denn, so sagt er: „Leider verschwinden Bücher, Zeitschriften und Zeitungen immer mehr. Deshalb ist es gut, wenn mit solchen Veranstaltungen auf den Wert des Lesens aufmerksam gemacht wird und den Genuss, den man dabei empfinden kann.“
Dazu beigetragen haben diesmal: Barbara Seelk, Petra und Thomas Böhm, Susanne und Georg Jochim, Katherine Cadel, Jutta Schlösser, Sabine Zurek und Regine Engel. Gelesen wurde aus den Werken: Die Roggenmuhme, Nachtzug nach Lissabon, Dschungelkind, Was man von hier aus sehen kann, Als Schisser um die Welt, Eine Trillion Euro, Die Geschichte der Baltimores, Hilde – mein neues Leben als Frauchen, Selbstbeherrschung umständehalber abzugeben.
Pleiten, Pech und Pannen: Die Erlebnisse des aus Hannover stammenden Hamburgers Glenn Langhorst waren an Selbstironie kaum zu überbieten.
