Allgemeine Berichte | 02.09.2019

Außerdisziplinäre Ausstellung und Austauschplattform „Composting the universe“ im B-05 eröffnet

Was auf einem Komposthaufen wachsen kann

Wolfgang Steele, Netzwerk, 2019: Der Künstler Wolfgang Steele platzierte Keramikpilze auf glasierten Schirmen, die durch ein abstraktes Gewirr aus Nussbaumleisten verbunden sind. Der sichtbare Pilz ist nur der Fruchtkörper, das eigentliche Lebewesen das Mycel. Ausdehnung und Beschaffenheit entzieht sich oft der Vorstellungskraft. Ein Sinnbild des gesamten natürlichen Systems, das wir Menschen nur ansatzweise verstehen. Fotos: GBA

Horressen. Unter dem Titel „Composting the universe“ präsentiert das Kunst- und Kulturzentrum noch bis zum 12. Oktober in sieben Bunkern freitags ab 17.00 Uhr, samstags ab 14.00 Uhr, und sonn- und feiertags ab 11.00 Uhr Installationen, Skulpturen, Filme und weitere Werkformate von 23 internationalen Künstlerinnen und Künstlern. Die Ausstelllung wurde nach einem kurzen Grußwort der frischgewählten neuen Ersten Kreisbeigeordneten und Stadtbürgermeisterin Gabi Wieland im Rahmen einer Vernissage vor dem Café B-05 eröffnet.

Zwischen Katastrophe und Paradies

„Wenn wir nicht bis 2025, also in 6 Jahren, C02-neutral werden, ist die Menschheit akut von der Ausrottung bedroht. Sie rottet sich selbst aus, wie sie es mit so vielen anderen Tierarten vor ihr gemacht hat.“ Mit dieser düsten Prognose der durch einen Youtube-Channel bekannten britischen Aktivisten „Extinction Rebellion“ skizzierte Johanna Blees vom Organisationsteam der außerdisziplinären Ausstellung und Austauschplattform „Composting the universe“ die Zukunftsängste vieler Menschen, denen sie in ihren Worten zur Eröffnung drei Gedankenexperimente entgegensetzte. Zunächst lud sie die Vernissage-Besucher ein, sich die Exponate nicht in meinem Bunker vorzustellen, sondern in einem Labor. „Ja, wir befinden uns auf einem Testgelände. Hier werden Prototypen möglicher Zukünfte getestet. Jedes Kunstwerk ist auf seine Weise so ein Prototyp, eine Annäherung an die katastrophalen oder vielleicht ja doch paradiesischen Zustände, die in der Zukunft auf uns warten.“

Neue Bilder gefordert

Als Mitarbeitende in der Zukunftsforschung zeigte sich Blees immer wieder über verarmte Zukunftsbilder überrascht. Diese seien entweder „komplett kontaminiert wie in den Cyberpunk-Filmen der 80er Jahre“ bildeten „die sterile, hypertechnisierte Atmosphäre eines Labors ab. „Welches von beidem uns dann konkret begegnet, hängt meist davon ab, in welcher Gesellschaftsschicht sich das jeweilige Szenario bewegt“, analysierte Blees. „Zwischen postatomarer Wüste und glänzend poliertem Genlabor allerdings gibt es nichts“, kritisierte Blees. Dieser eine krasse Gegensatz ersticke die Vielfalt der möglichen Zukünfte unter seinem übermächtigen, tausendfach reproduzierten Bild. „Neue Bilder müssen her“, forderte Blees.

Fruchtbarer Boden statt Angst

Als zweites Gedankenexperiment bot Blees den Vernissage-Besuchern das Bild des Komposthaufens an, das namensgebende Bild für die Ausstellung („Composting the Universe“). Dabei lud sie dazu ein, Mikroben tief unten in einem Kompost zu zersetzen. „Wir zersetzen die Gegenwart in ihre Einzelteile und schauen, was davon einen brauchbaren Nährboden abgeben könnte. Fruchtbaren Boden für verschiedenste Zukünfte, die man sich tatsächlich vorstellen möchte, die ausnahmsweise mal keine Angst machen“, wünschte sich Blees.

Verführerische, romantische Angst

Denn Angst scheine angesichts der alarmierenden Nachrichten aus dem Amazonas, von den Polkappen und sogar vom tiefsten Grund des Meeres ein unvermeidliches Gefühl, wenn es um die Zukunft gehe. „Gerade für meine Generation, die gedenkt, in dieser Zukunft noch ein paar Jahrzehnte zu leben. Angst kann sehr verführerisch sein, sehr romantisch. Man kann sich in sie hineinfallen lassen und dann eine ganze Weile nicht wieder herausfinden. Das ist mir persönlich diesen Sommer passiert“, offenbarte Blees dem Auditorium vor dem Café B-05.

Mehr als Bambuszahnbürsten, Hafermilch und Linsenaufstrich

„Mich ließ dieses hoffnungslose Szenario vor allem mit dem verzweifelten Verlangen zurück, irgendetwas zu tun. Also mehr als Bambuszahnbürsten und Hafermilch und Linsenaufstrich. Mehr als meinen kleinen Tropfen auf einen bereits verdammt heißen Stein.“ Panikartig habe sie dann 200 Euro in die „Neutralisierung“ ihrer letzten beiden Langstreckenflüge investiert. Neutralisierung bedeute in dem Fall: Bäume pflanzen. „Kleine Setzlinge auf der ganzen Welt verteilen, in der Hoffnung, dass es etwas bringt. Dass der Sauerstoff, den diese kleinen Bäumchen später einmal produzieren, erträgliche Zukünfte für alle und nicht nur ein paar Privilegierte ermöglicht.“

Keimlinge aus Kunstwerken

Als drittes Gedankenexperiment warb Blees zur Imagination eines Komposthaufens ein, der ein ganzes Gewächshaus ernähre. „Ein Gewächshaus voller zarter Pflänzchen von Möglichkeiten. Diese Keimlinge stammen von den Kunstwerken. Sie eröffnen uns Perspektiven auf die Welt, wie sie uns heute umgibt und morgen umgeben könnte. Denn wer Perspektiven hat, hat auch Handlungsspielraum. Und handeln ist - ganz sicher, immer - das beste Mittel gegen Angst“, war sich Blees sicher.

Als symbolischen Dank für die organisatorische, finanzielle und sonstige Unterstützung verschenkte Blees mehrere Bäumchen. „Wir hoffen, dass Sie handeln, indem Sie sie einpflanzen. Lasst uns schauen, was auf solch einem Komposthaufen so alles wachsen kann.“

Johanna Blees vom Organisationssteam der Ausstellung gab viele Denkanstöße.

Johanna Blees vom Organisationssteam der Ausstellung gab viele Denkanstöße.

Simone Kessler, Many stars shine: Zu Beginn ist das Video dunkel, dann wird es von kleinen leuchtenden Punkten abgelöst. Eine Person brennt mit einem Lötkolben so viele Löcher in den Globus, dass dieser sich schließlich im Licht auflöst.

Simone Kessler, Many stars shine: Zu Beginn ist das Video dunkel, dann wird es von kleinen leuchtenden Punkten abgelöst. Eine Person brennt mit einem Lötkolben so viele Löcher in den Globus, dass dieser sich schließlich im Licht auflöst.

Simone Kessler, Endzeit, 2019: In Plastikbeuteln vakuumverpackt sind die fleischig anmutenden Stücke Grubenton, die die Künstlerin Simone Kessler aus der Umgebung des B-05 entnommen hat. Ca. 30 Millionen Jahre ist der Boden alt. Die recycelte Tonerde ist durch die neuzeitliche Plastikhaut in ihrem feuchten Abbauzustand konserviert.

Simone Kessler, Endzeit, 2019: In Plastikbeuteln vakuumverpackt sind die fleischig anmutenden Stücke Grubenton, die die Künstlerin Simone Kessler aus der Umgebung des B-05 entnommen hat. Ca. 30 Millionen Jahre ist der Boden alt. Die recycelte Tonerde ist durch die neuzeitliche Plastikhaut in ihrem feuchten Abbauzustand konserviert.

Wolfgang Steele, Netzwerk, 2019: Der Künstler Wolfgang Steele platzierte Keramikpilze auf glasierten Schirmen, die durch ein abstraktes Gewirr aus Nussbaumleisten verbunden sind. Der sichtbare Pilz ist nur der Fruchtkörper, das eigentliche Lebewesen das Mycel. Ausdehnung und Beschaffenheit entzieht sich oft der Vorstellungskraft. Ein Sinnbild des gesamten natürlichen Systems, das wir Menschen nur ansatzweise verstehen. Fotos: GBA

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