Rheinbach liest e.V und die evangelische Gemeinde berichten
Was für ein herrliches Paar
Rheinbach. Julia und Nito Torres verzaubern ihr Publikum in der Gnadenkirche mit dem zeitlosen Mark-Twain-Kleinod „Das Tagebuch von Adam und Eva“.
Mit einer gehörigen Portion Selbstironie und einer Kapitänsmütze auf dem Kopf klettert Nito Torres als Adam auf ein Höckerchen, um mit Eva (dargestellt von seiner deutlich größeren Gattin Julia) einigermaßen auf Augenhöhe zu sein. Und dann überlässt er erst einmal Ihr das Wort, die von einem Tag auf den anderen sein paradiesisches Dasein im Garten Eden auf den Kopf stellt. Dieses Wesen mit den langen Haaren redet nämlich ohne Unterlass, gibt allen Dingen Namen und zeigt Interesse an den verbotenen Früchten (Adam: „Das gibt Ärger!“). Welch köstliches Unterfangen, dem störrischen Adam dabei zuzusehen, wie er in dem plappernden Störenfried nach und nach die reizvolle Gefährtin entdeckt und das Pronomen „Wir“ akzeptiert. Herrlich sind die twainschen Pfeilspitzen, wenn er beispielsweise Eva im Tagebuch über Adam urteilen lässt: „Er besitzt eine Menge Wissen, doch das meiste davon sind Irrtümer.“
Die beiden Siegburger Künstler, sie Schauspielerin und Theaterpädagogin, er Schauspieler, Sänger und Comedian, harmonieren so wunderbar miteinander und veredeln den großartigen Text von 1926 durch brillantes Collagieren in einen indirekten Dialog, der die Zuschauer immer wieder schallend lachen lässt. Das Lachen der Selbsterkenntnis! So treffend und humorvoll wie der Schöpfer von Tom Sawyer und Huckleberry Finn die männlichen und weiblichen Eigenschaften und die Sicht aufeinander erfasst, braucht man keinen Eheberater mehr. Adam und Eva raufen sich zusammen - und wie!
Keine der 60 Minuten ist langweilig. Das Stück behält Tempo, ist stets geistreich und witzig. Gegen Ende kommt es zu gegenseitigen Liebeserklärungen, die man selten schöner gehört hat. Ach, und dieses Finale, im Tagebuch lapidar mit „40 Jahre später“ eingeleitet. Die nach so vielen Pointen unvermutete Wehmut angesichts der Endlichkeit des gemeinsamen Lebens, bringt nämlich noch einmal eine ganz andere - bewegende - Note in das Kammerspiel. Bei Julias-Evas Schlusslied von Nito-Adam auf der Gitarre begleitet, spürt man den Wunsch des Publikums, dass dieser Moment noch lange verweilen möge.
Pfarrer Dr. Diethard Römheld bedankte sich bei den beiden Künstlern: „Sie haben es gerade geschafft meine Frau zu Tränen zu rühren.“ Die rund 100 Gäste spendeten lang anhaltenden warmen Applaus für das sympathische Paar aus Siegburg.
Gerd Engel, vom Mitveranstalter Rheinbach liest e.V., war froh, dass die Idee der szenischen Lesung in einem Kirchenraum so gut funktioniert hatte. „Der Veranstaltungskalender der evangelischen Gemeinde ist enorm voll, deswegen wurde aus dem Herbsttermin das Frühjahr. Aber das lange Warten hat sich gelohnt. Mark Twains Adam und Eva haben richtig gut hierhin gepasst und Julia und Nito ein großes und großartiges Publikum gefunden.“
