Klavierkonzert in der Marienkirche
„Weihnachtliche Abendmusik zum Jahresschluss“
Bad Breisig. „Weihnachtliche Abendmusik zum Jahresschluss“ hatten die Organisatoren angekündigt, und da der Orgel-Virtuose Sven Scheuren als Interpret feststand, war das Langschiff der Marienkirche nahezu voll besetzt. Es ist halt ein nahezu „urgewaltiges“ Musikerlebnis, den gerade erst in den Rang eines bestallten Kantors in Köln aufgestiegenen Organisten auf der Niederbreisiger Orgel, des dem Stil des norddeutschen Barock entsprechenden Instruments der Extraklasse, zu erleben. Sven Scheuren, der unbestrittene Sachkenner, wird nicht müde, dieses von Rowan West gebaute Instrument als „die beste norddeutsche Barock-Orgel im ganzen Rheinland“ zu benoten. Es macht ihm augenscheinlich überragende Freude, auf diesem Instrument zu musizieren. Das drückt sich bei dem weihnachtlichen Konzert, bereits in der zum Auftakt intonierten furiosen „Norddeutschen Toccata, zum Weihnachtsfest“ aus, in die der Organist bereits Passagen einschlägiger Motive fantasievoll und mit großer Könnerschaft einbaut. Die große Bandbreite seines organistischen Könnens beweist die folgende „Weihnachtsfantasie über Kling, Glöckchen...“ Zunächst perlend, über die höheren Register, dann variierend über Tonmalereien im Klang von Flöten, Trompeten- und Schalmeien - zauberhafte Klänge, mit atemlosem Zuhören genossen. Nach einer verbalen Begegnung mit dem Text des alten Kirchenliedes „Es ist ein Ros entsprungen“ durch die Gemeindereferentin Christel Fassian-Müller folgt zu diesem Lied das eindrucksvolle „Barocke Choralvorspiel“, eine über vielerlei Variationen und alle Register ausgedehnte Orgel-Fantasie. Zauberhafte Tastenläufe rund um die historische Tonfolge! „Freut euch, ihr Christen !“, fordert die Gemeindereferentin in der Ankündigung der weltweit gesungenen weihnachtlichen Lobpreisung „Adeste fideles“. Sven Scheuren flicht um diese wunderschöne Melodie ein Kranz fantasievoller Orgel-Variationen: Mal als Hymne, mal als Marsch, mal rhythmisch, mal fast im Polka-Tempo - im Grunde: Einfach schön und „unter die Haut gehend“. Ganz anders die im Geist des Rokoko verspielte „Hommage an Mozart“ über das Lied „O Tannenbaum“. Verspielte Harmonien im Stil des Salzburg-Wiener Genies.
Hübsche Triller und auch Klänge, die an eine Spieluhr erinnern. Aber: Mozart kann nicht nur tänzerische Motive - er kann durchaus auch MOLL - wie Sven Scheuren in Variationen nachweist. Übrigens: Wenn Wolfgang Amadeus eine Orgel solcher Qualität wie die „West“-Orgel zur Verfügung gehabt hätte - er hätte sie sicher „mit Kusshand“ gespielt.
So bleibt es dem glücklichen Kantor aus der Kölner „St. Marien in der Kupfergasse“ überlassen, den „Tannenbaum“ grandios - mit mozartlichem Lametta, mit verspielten Glitzerkugeln und Glöckchen zeitgemäßer Kompositionskunst zu schmücken. Den Gegensatz im Programm bietet der Konzert-Organist in der Folge mit der „Fantasia sopra“ zum Lied „Zu Bethlehem geboren...“. Sven Scheuren lässt die rauschende Vielfalt fantasievoller Variationskunst über alle Register, die Manuale und das Pedalwerk der Orgel von Sankt Marien erleben. „Wer die überragende Qualität dieses Instruments mit dem heutigen Konzert noch nicht begriffen hat, dem ist nicht mehr zu helfen ...“, lenkt er nachher die Begeisterung über das Konzerterlebnis weitgehend auf das Instrument ab. Aber der Zusammenklang macht es: Ein grandioser Interpret auf einer Orgel der Sonderklasse, unterstrichen noch einmal durch eine furiose Fantasie über „O du fröhliche...“ und ein „Musikalisches Silvesterfeuerwerk“ über alle großen, mittleren und kleinen Orgelpfeifen, dass sich das Gewölbe der barocken Kirche abzuheben droht.
Christel Fassian-Müller ist es zu danken, dass sie mit einem höchst inhaltsvollen, des Nachdenkens werten Gedicht an den eigentlichen Hintergrund des Christfestes erinnert: Musik, wie wir sie heute erlebt haben, ist unfassbar schön, was der reiche Beifall beweist. FA
