Ensemble der Möntenicher Hofnarren begeisterte beim „Frühlingserwachen“
Weiße Damenschlüpfer und schwarz gebrannte Gaumenfreuden
Möntenich. Nach zwei Jahren unfreiwilliger Abstinenz war beim Open-Air-Ensemble der Möntenicher Hofnarren wieder Spielzeit angesagt, was einmal mehr Theaterfreunde aus nah und fern anlockte. Die fühlten sich im ländlichen Anwesen von Familie Loch mit bewährter Naturbühne im rustikalen Outfit pudelwohl und zeigten sich erwartungsfreudig auf den ersten Vorhang. Der fiel heuer unter dem Titel „Frühlingserwachen“ mit dem Zusatzhinweis auf eine gute Nachbarschaft. Die hatte in der Handlungsfolge allerdings ihre liebe Mühe, dem im Vorfeld prognostizierten positiven Miteinander gerecht zu werden. Mit ein Grund dafür waren neben der kurzweiligen Handlung die mit versierten Darstellern exzellent besetzten Parts, die sich für ihre tollen Spaß- und Lacherfolge beim Publikum Bestnoten verdienten. Allen voran die beiden Textstylisten Marita Theobald und Walter Gilles, die für eine extravagante und besonders amüsante Inszenierung bereits im Vorfeld sowie neben der Bühne verantwortlich zeichneten. Ein toller Augen- und Ohrenschmaus für die von Beginn an begeisterten Theaterbesucher, die sich während des Spielverlaufs ein ums andere Mal die Lachtränen aus dem Gesicht wischen mussten. Willkommener Garant hierfür war unter anderem der ländlich provokative Wortwitz bei den in Eifeler wie Pfälzer Platt geführten Dialoge, in denen sich Nadine Labonte und Tanja Knieper besonders hervortaten. Auf die Spitze getrieben von ihren Spiel-Ehepartnern Stefan Gilles und Achim Jischke tangierte man beim ländlich derben Verbalaustausch auch schon hin und wieder mal die Zone unterhalb der Gürtellinie, wo sich mit zwei weißen Feinripp-Damenschlüpfern die eigentlichen Hauptdarsteller zunächst mit einem Aufmerksamkeitsdefizit abfinden mussten. Das änderte sich aber schnell, als sie zum örtlichen Maibaumschmuck aufstiegen, angebracht durch unbekannte Täter/innen.
Als Aufmacher der Geschehnisse stellte Single-Frau und Dorftratsche Stephanie Brachtendorf den Inkognito-Besuch des Trierer Bischofs in Aussicht, nachdem sie mit Single-Freundin und Labertasche Elke Jung im Schlepp, Auszüge aus einem offiziellen Telefongespräch mitbekommen hatte. Zunächst zeigte man sich vonseiten der oben genannten Ehepaare eher ungläubig, und dennoch organisierten die beiden arbeitsscheuen und wehleidigen Herren des Hauses, Hans-Peter und Ernst-Wolfgang, analog ihren Ämtern im Pfarrgemeinderat, einen musikalischen Sekt- und Chips-Empfang für den Bischof. Der entpuppte sich letztlich als jugendlicher Motorradfreak Stephan „Bischof“, alias Benedikt Hammes, der mit seinem gleichgesinnten Kumpel Klaus (Dominik Johann) per Krad vorfuhr und sich als künftiger Nachbar vorstellte. Jetzt nahm die Geschichte so richtig Fahrt auf, wobei der in großen Mengen schwarzgebrannte Schnaps im Keller von Hans-Peter eine wichtige Rolle spielte. Zunächst war bei den neuen Nachbarn aber die Party-Night mit laustarkem AC/DC-Sound und reichlich Bier angesagt, dem Ernst-Wolfgang, alias Achim Jischke, mit vollaufgedrehten Helene-Fischer-Songs Paroli bieten wollte. Dann kam diese Nacht, wo die beiden Ehemänner im Anschluss an eine Preisskatveranstaltung und ihre Gattinnen nach einer offensichtlich ausufernden Party bei den neuen Nachbarn, tags darauf allesamt einen Filmriss beklagten. Mit den am Maibaum hängenden Damenunterhosen konfrontiert, gingen Männlein wie Weiblein auf Spurensuche hinsichtlich einer eigenen Beteiligung. Die gipfelte bei den Damen im Nachzählen der eigenen Unterwäsche, nachdem sie von ihren Gatten dazu aufgefordert worden waren. Doch auch die hatten ein schlechtes Gewissen, verbrachten sie nach dem Preisskat doch noch alkoholschwangere Stunden mit den Dorftratschen. Am Ende wendete sich dann fast alles zum Guten, als die vermissten weißen „Liebestöter“ am eigenen Körper entdeckt und damit jeglicher Verdacht ausgeräumt wurde. Aber da war noch das Finale, bei dem sich die beiden neuen Nachbarn als Steuerfahnder für Schwarzbrennerei outeten.
TE
Die scheinbaren Hauptdarsteller des Lustspiels hängen noch zum Trocknen auf der Wäschespinne.
Benedikt Hammes und Dominik Johann reisen als scheinbare Motorradfreaks in der neuen Nachbarschaft an.
