Allgemeine Berichte | 12.06.2017

„Theater im Tunnel“ eröffnet die Spielzeit 2017 wieder mit „Die Brücke“

Weltgeschichte am Originalschauplatz in Erpel erleben

Auch nach weit über 125 Aufführungen hat das Schauspiel über die Rheinüberquerung der Amerikaner nichts von seiner Anziehungskraft verloren

Lediglich als Schall und Rauch entpuppt sich der Versuch, die Ludendorffbrücke zu sprengen.-DL-

Erpel. Mit ziemlicher Gänsehaut verlassen zur Zeit wieder Besucher den ehemaligen Eisenbahntunnel, der hinter den Zwillingstürmen an der B 42 unter der Erpeler Ley hindurchführt. Grund für die aufgerichtete Körperbehaarung und die kleinen Erhebungen der Hautoberfläche an Armen und Beinen ist zumindest nicht ausschließlich die Temperatur, die in dem Tunnel konstant bei nur 13 Grad liegt. Maßgeblich beigetragen zu dem unbehaglichen Frösteln hat vielmehr das Theaterstück „Die Brücke“, das zur Zeit wieder am Originalschauplatz aufgeführt wird. Verfasst hat es Walter Ullrich, der Leiter des Kleinen Theaters in Bad Godesberg und Intendant der Landesbühne Rheinland-Pfalz, nach Rolf Palms Tatsachenroman „Die Brücke von Remagen“.

Erpeler Bürger erlebten im Tunnel schreckliche Stunden

Die Idee, mit der Rheinüberquerung der Amerikaner am 7. März 1945, an dem viele Erpeler Bürger im Tunnel schreckliche Stunden erlebten, Zeitgeschichte genau dort zu zeigen, wo sie sich abgespielt hat, war Walter Ullrich und dem damaligen Bürgermeister von Erpel, Edgar Neustein, 2005 bei einer Lesung zur Gedenkfeier „60 Jahre Ende des Zweiten Weltkriegs“ im Erpeler Bürgersaal gekommen.

Während der Theaterfachmann das Buch bühnenreif umschrieb, scharte der Orts-Chef Bürger um sich, mit denen er den Kunst- und Kulturverein „ad erpelle“ gründete, um den Tunnel in einen imposanten Theaterraum umzugestalten. „Damit wollen wir einen Beitrag leisten, deutsche Geschichte lebendig zu erhalten, sodass die Schrecken von Krieg und Zerstörung nicht vergessen werden, da so Impulse für eine friedliche Zukunft gesetzt werden“, umschrieb Edgar Neustein die Intention der Aufführungen, die im September 2006 im Schlosstheater in Neuwied und im Oktober am Originalschauplatz selbst Premiere gefeiert hatten.

Am Freitag voriger Woche startete nun die Spielzeit 2017 mit der 127. Aufführung der „Brücke“, die immer noch für ein volles „Haus“ sorgt. Am Sonntagnachmittag war jedenfalls kein Platz mehr frei im Zuschauerraum, als Hanno Dinger durch den ehemaligen Eisenbahntunnel schritt und sich als Karl Heinz Timmermann, geboren in Frankfurt, nicht in Kentucky, sondern am Main, vorstellte. Anhand einer großen Karte beschrieb der deutschstämmige Amerikaner die Lage aus Sicht einer kleinen Vorhut der neunten US Panzerdivision.

Eine Einnahme der Brücke war eigentlich nicht vorgesehen

Von Meckenheim aus hatte sie sich Richtung Rhein vorgearbeitet, um vom Waldschlösschen am Apollinarisberg oberhalb von Remagen aus die zu der noch völlig intakten Ludendorffbrücke nachrückende Division zu sichern. Von einer Einnahme oder gar einer Rheinüberquerung stand nichts in den Befehlen von General Omar Bradley, dem Oberbefehlshabers der zwölften US-Heeresgruppe. So sollten eigentlich alle rechtsrheinischen Orte zwischen Neuwied und Bonn nach dem Montgomery-Plan per Bombenteppichen dem Erdboden gleich gemacht werden, um eine ungefährdete Rheinüberquerung zu gewährleisten.

Es war Timmermanns Entscheidung, von der linken Rheinseite aus den Angriff auf den Erpeler Brückenkopf zu beginnen. Da wissen Hauptmann Wilhelm Bratge (Heiko Haynert), Brückenkommandant Karl Friesenhahn (Karl-Heinz-Dickmann) und der Brückenmeister, Feldwebel Jakob Kleebach (Stefan Krause) längst, was noch immer nicht laut ausgesprochen werden darf, zumindest nicht vor Major Hans Scheller (Matthias Kiel): Die Lage ist aussichtslos – und der Endsieg nicht mehr als eine zynische Durchhalteparole. Da sie nicht wissen, wie weit die Amerikaner schon vorgerückt sind, bitten sie Frau Busch (Hildegard Neustein), ihre Verwandte in Remagen anzurufen.

Nur ein Opfer war zu beklagen

Die weitere Geschichte nach dem missglückten Versuch, die Brücke zu sprengen, ist bekannt. Beim Angriff der Amerikaner auf den Brückenkopf auf Erpeler Seite fühlen sich die Bewohner des Ortes, die in dem dunklen und feuchten Eisenbahntunnel unter der Ley Schutz gesucht haben, wie in einer Falle. Deshalb laufen einige mutige Frauen, begleitet von Willi Feldens, mit weißen Tüchern aus dem Tunnel. Die deutsche Besatzung ergibt sich und kommt in Kriegsgefangenschaft.

Nur ein Opfer ist zu beklagen: Willi Feldens, dem wahrscheinlich seine schwarze Eisenbahneruniform zum Verhängnis geworden ist, stirbt an den Folgen eines Bauchschusses. Seine Frau Maria, im Stück seit der Premiere vor knapp elf Jahren dargestellt von Olga Yakovleva, hat die damaligen Ereignisse in ihrem Tagebuch festgehalten. Für Edgar Neustein ist dieser erschütternde Bericht eines der authentischsten Zeugnisse überhaupt.

„Walter Ullrich hat sich bis hin zu Original-Requisiten um einen hohen Grad an Authentizität bemüht“, berichtet der Vorsitzende von „ad erpele“. Lediglich die Gewehre sind jetzt Attrappen, nachdem die Polizei vor fünf Jahren die Originalwaffen aus dem Zweiten Weltkrieg beschlagnahmt hat, weil diese noch funktionstüchtig gewesen waren und das Geld, um sie unbrauchbar zu machen, immerhin 100 Euro pro Gewehr, nicht vorhanden war.

„Bei aller Realitätsbezogenheit, es geht ja auch nicht um eine Dokumentation der militärischen Aktionen. Das Schauspiel ist im Sinne historischer Dramen natürlich Fiktion“, betont Edgar Neustein. Es gehe vielmehr um das Schicksal der Menschen, die im Tunnel Schutz gesucht hatten, und derer, die ihn verteidigen sollten, um die unterschiedlichen Gefühle, Sehnsüchte und Hoffnungen.

Bittere Ironie des Schicksals

Letztendlich sollte Timmermann mit seiner Entscheidung, die Brücke einzunehmen, recht behalten. „Die Brücke ist ihr Gewicht in Gold wert“, urteilte wenig später auch General Eisenhower. Dass sie zehn Tage danach zusammenbrach und 28 amerikanische Soldaten in den Tod riss, erscheint angesichts dessen wie eine bittere Ironie des Schicksals. Walter Ullrichs Stück aber endet mit dem Appell Timmermanns, dass von deutschem Boden nie wieder Krieg ausgehen darf, nachdem er schon mit Bertolt Brecht gewarnt hatte: „Das stolze Karthago führte drei Kriege. Nach dem ersten war es noch mächtig, nach dem zweiten noch bewohnbar. Nach dem dritten Krieg war es nicht mehr auffindbar!“

Gegen Feindbilder arbeiten

Entsprechend findet man in dem Programmheft auch das Gedicht von Kurt Tucholsky „Krieg dem Kriege! Und Frieden auf Erden.“ In dem forderte der Dichter 1919: „Es darf und soll so nicht weitergehen. Wir haben alle, alle gesehen, wohin ein solcher Wahnsinn führt!“ Gerade weil man diesen Wahnsinn zumindest auf Westeuropa bezogen seit über 70 Jahren nicht gesehen hat, ist es wichtig, gegen das Vergessen, gegen Feindbilder zu arbeiten. Nichts ist dazu besser geeignet als Stücke wie „Die Brücke“, am Originalschauplatz überaus anschaulich und eindrucksvoll in Szene gesetzt.

Zu sehen ist die Aufführung noch bis Freitag, 30. Juni, jeweils mittwochs bis samstags ab 19.30 Uhr und sonntags ab 15.30 Uhr. Die Aufführungen dauern ohne Pause etwa 75 Minuten. Einige Karten, die auch als Fahrausweis im erweiterten Verkehrsverbund Rhein-Sieg gelten, gibt es noch im Vorverkauf bei bonnticket.de, Tel. (02 28) 50 20 10. Außerdem berechtigt die Theaterkarte zum ermäßigten Eintritt in das Friedensmuseum in den Remagener Brückentürmen. Nach dem „Pilatus-Evangelium“, dem „Jedermann“ und „Die Geizige“ zeigt das neue schauspiel koeln dann von Freitag, 28. Juli, bis Sonntag, 30 Juli, im Tunnel das Schauspiel „Gefährliche Liebschaften“ nach dem Briefroman von Choderlos de Laclos, einem Hauptwerk der französischen Literatur des 18. Jahrhunderts als Sittengemälde des ausgehenden Ancien Régime. DL

Um zu erfahren, wo die Amerikaner stehen, bittet Hauptmann Bratge Frau Buch, Verwandte in Remagen anzurufen.

Um zu erfahren, wo die Amerikaner stehen, bittet Hauptmann Bratge Frau Buch, Verwandte in Remagen anzurufen.

Lediglich als Schall und Rauch entpuppt sich der Versuch, die Ludendorffbrücke zu sprengen.Fotos: -DL-

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