Allgemeine Berichte | 10.04.2024

Internationaler Tag der gewaltfreien Erziehung am 30. April

Wenn das eigene Zuhause kein sicherer Ort ist!

Der regelmäßige Austausch der Arbeitsgruppe sorgt für gegenseitiges Verständnis der Arbeit und gezieltere Maßnahmen zugunsten der Betroffenen. Foto: Kreisverwaltung / Nicole Chemnitz

Westerwaldkreis. „Ein Klaps auf den Po hat noch niemandem geschadet.“ „Der Papa hat der Mama Aua gemacht.“ „Die Mama schimpft nur noch mit mir.“ – Physische und auch psychische Gewalt gegen Kinder kann sich sehr unterscheiden und reicht von als Kleinigkeiten dargestellten Vorfällen bis hin zu offensichtlichen Verletzungen. Doch jegliche Form von Gewalt, auch das Beobachten von Gewalt zwischen den Eltern, hat Folgen, die sich ein Leben lang auf Kinder auswirken können. Den Internationalen Tag der gewaltfreien Erziehung am 30. April nimmt deshalb die Unterarbeitsgruppe „Kinderschutz“ des Runden Tisches gegen Gewalt in engen sozialen Beziehungen zum Anlass, um auf das Thema aufmerksam zu machen.

„Noch immer erfahren unzählige Kinder täglich Gewalt. Dabei ist es egal, ob Kinder direkt Opfer sind oder aber die Gewalttaten gegenüber ihren Müttern miterleben“, sagt Christina Schumacher vom Frauenhaus Westerwald. Sie leitet die Unterarbeitsgruppe, bei der unterschiedliche Träger ihre Angebote und Maßnahmen vernetzen sowie über die Auswirkungen der Gewalt auf die Kinder aufklären und sensibilisieren. Ziel der Unterarbeitsgruppe ist es, maßgeblich zum gesunden Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen beizutragen. Nur so können von Anfang an gute Startchancen und Chancengleichheit für jedes Kind geschaffen und bei der praktischen Umsetzung einer gewaltfreien Erziehung unterstützt werden.

„Bei uns gab es immer viel Streit. Ich konnte noch nicht einmal meiner besten Freundin davon erzählen.“ (Mädchen, 7 Jahre)

Kinder, die in einem gewaltvollen Klima groß werden, stehen ständig unter Druck, etwas Falsches zu tun oder zu sagen. Sie fühlen sich dazu verpflichtet, vor Anderen Geschehnisse geheim zu halten oder zu rechtfertigen. Hinzu kommt oft die Angst um eines der Elternteile oder die Familie an sich und ein extrem hoher Loyalitätskonflikt. Dieser Stress über einen langen Zeitraum wirkt sich auf die Entwicklung und die Gesundheit der Kinder aus und dient später oft als Muster für eigene Beziehungen.

„Sagen Sie Mama und Papa bitte, dass sie aufhören sollen zu schreien.“ (Mädchen, 12 Jahre)

„Diesen Kreislauf gilt es zu durchbrechen“, sagt eine Mitarbeiterin des Kinderschutzdienstes und ergänzt. „Hilfe zu suchen und anzunehmen, ist keine Schwäche. Im Gegenteil: Dieser Schritt ist mutig und ein Zeichen großer Stärke.“ Kinder müssen motiviert und informiert werden, sich einer Person in ihrer Umgebung anzuvertrauen, zum Beispiel den Schulsozialarbeiterinnen und Schulsozialarbeitern oder Mitarbeitenden der Kinder- und Jugendarbeit. Dafür müssen aber auch flächendeckend – vor allem in den Sozialräumen, in denen sich Kinder aufhalten –, Fachkräfte zur Verfügung stehen, damit eine gute Erreichbarkeit gewährleistet ist. Dies scheitert häufig schon daran, dass die Finanzierung auf Spenden angewiesen ist oder nur im Rahmen zeitlich begrenzter Projekte erfolgt.

„Am liebsten würde ich mehr zu Papa gehen, aber das traue ich mich nicht, weil ich meine Mama nicht traurig machen möchte.“ (Junge, 11 Jahre)

Gewaltfeie Erziehung ist ein Recht der Kinder und Jugendlichen, das seit dem 1. Januar 2001 im Paragraf 1631 des Bürgerlichen Gesetzbuches festgeschrieben ist. „Leider erleben wir viel zu häufig, dass dieses Recht durch Erwachsene missachtet wird“, erklärt die Vertreterin des Jugendamtes im Westerwaldkreis und ergänzt: „Dieses Problem zieht sich durch alle sozialen Schichten und ist unabhängig von einer ethnischen Zugehörigkeit. Besonders bei Trennungs- und Scheidungsstreitigkeiten der Eltern werden die Kinder als Spielball oder Druckmittel gegen den jeweils anderen Elternteil ausgenutzt.“

Der häufige Wunsch der Kinder – trotz der Trennung beide Elternteile lieb haben zu dürfen – gerät aus dem Blickfeld der Erwachsenen. Die Kinder befinden sich in einem ständigen Loyalitätskonflikt und verspüren den Druck, sich für ein Elternteil entscheiden zu müssen. Gegenüber den Mitarbeitenden des Allgemeinen Sozialen Dienstes äußern sie nahezu immer den Wunsch, dass die Streitigkeiten der Eltern endlich ein Ende nehmen sollen. Durch Umgangs- oder Sorgerechtsverfahren der Eltern vor Gericht werden Kinder teilweise über mehrere Jahre hinweg immer wieder den Streitigkeiten und Drucksituationen ausgesetzt und haben kaum die Möglichkeit, zur Ruhe zu kommen. „Es wäre wünschenswert, wenn die Rechte der Kinder und Jugendlichen auf eine gewaltfreie Erziehung bei den Eltern mehr Beachtung finden als deren eigene Bedürfnisse und Befindlichkeiten“, betont die Vertreterin des Jugendamtes.

Klar ist aber auch: Die Veränderung muss bei den Erwachsenen stattfinden!

Kinder und Jugendliche können sich an die „Nummer gegen Kummer“ unter 116 111 wenden. Ganzjährig steht rund um die Uhr das bundesweite Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ unter der Telefonnummer 116 016 zur Verfügung. Das Beratungsangebot ist anonym, kostenfrei, barrierefrei und in 18 Fremdsprachen verfügbar. Aber auch vor Ort im Westerwaldkreis finden Betroffene Hilfe und Unterstützung, Anlaufstellen gibt es unter www.westerwaldkreis.de/frauen-gleichstellung.html. Pressemitteilung des

Westerwaldkreises

Der regelmäßige Austausch der Arbeitsgruppe sorgt für gegenseitiges Verständnis der Arbeit und gezieltere Maßnahmen zugunsten der Betroffenen. Foto: Kreisverwaltung / Nicole Chemnitz

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