Allgemeine Berichte | 02.07.2019

Der Schulgarten in Koblenz-Metternich

Wenn es in der Schule blüht und summt…

Der Schulgarten in Metternich.Foto: privat

Metternich. Da wird gegärtnert, gejätet, entdeckt, gerechnet, ausprobiert und auch regeneriert und gematscht. In Koblenz-Metternich gehört der Schulgarten seit 2009 zum Schulalltag. Dieser besondere Lernort, der sogenannte „Eulengarten“, bietet ein immenses Potential an pädagogischen Möglichkeiten und zum Entspannen.

Initiiert und geplant wurde der Eulengarten vom gelernten Gärtner und studierten Landschaftsplaner Dipl.-Ing. Rudolf Kohns. Durch sein persönliches Engagement wird diese grüne Oase gepflegt und weiterentwickelt. Bei der Führung durch den Schulgarten wird deutlich, wie sehr er sich für die Sache engagiert: Schülerinnen und Schüler für die Natur zu begeistern.

Natur zum Anfassen

Die Schülerinnen und Schüler der Schulgarten-AG erfahren wie Pflanzen und Tiere leben, sich fortpflanzen und entwickeln. Für viele Kinder ist das eine verloren gegangene Alltagserfahrung. Konnten beziehungsweise mussten sie „früher“ noch auf dem Feld oder im heimischen Garten mitarbeiten, ist dies heute die Ausnahme. Der Wandel in gesellschaftlichen und familiären Rahmenbedingungen führt dazu, dass Kinder weniger Möglichkeiten haben, sich Grundlagenwissen für Prozesse in der Natur anzueignen.

So leitet der Schulgarten wieder zum Erfassen der Natur an. Der Garten vermittelt den Schülerinnen und Schülern Wissen über Gartenbau und Botanik. Sie können aktiv Teil der Naturprozesse werden. Zum einen können sie nachvollziehen, wie Lebensmittel entstehen und warum zum anderen respektvoll damit umgegangen werden muss. Gelegenheit dazu bietet ihnen das beachtliche Pflanzensortiment des Eulengartens mit Trauben, Äpfeln, Beerenobst, Kartoffeln, einer Kräuterschnecke sowie Stauden und Sommerblumen.

Die eigens für den Schulgarten konstruierten Hochbeete verfügen über eine Tröpfchenbewässerungsanlage. Sie erleichtert die Arbeit des Gießdienstes ganz besonders bei extremer Trockenheit und in den Sommerferien. Am liebsten aber versorgen die Schülerinnen und Schüler ihre Pflanzen eigenhändig aus Gießkannen mit dem nötigen Nass und entnehmen dazu aus einem Wasserfass das vom Dach der Gerätehütte gesammelte Regenwasser.

Rudolf Kohns unterstützt die Lehrkräfte im Rahmen des Unterrichts dabei, den Schülerinnen und Schülern die Bedeutung aller Glieder des Biotops zu vermitteln. So wird ganz schnell aus dem merkwürdigen Regenwurm der städtische Mitarbeiter Max, der mit seinem Bruder Maximilian tagaus tagein den Boden bearbeitet und fruchtbarer macht. Und wer kann dann den Regenwurm noch merkwürdig finden? Bei diesen Anekdoten spürt man, wie viel Freude der ehemalige leitende Mitarbeiter des Garten- und Friedhofsamtes an seinem Ehrenamt hat. „Der Schulgarten soll ein Schülerbiotop sein“, erklärt er. Das gesunde Zusammenleben von Menschen, Tieren und Pflanzen steht im Mittelpunkt seiner Philosophie. Der Mensch braucht die Natur auch zum Regenerieren. Der Schulgarten bietet die Rahmenbedingungen für Lernende und Lehrende diese besondere Freiraumqualität zu nutzen.

Der Eulengarten ist nicht nur Heimat für wilde Insekten, wie zum Beispiel die seltene schwarzblaue Holzbiene, sondern beheimatet auch zwei Bienenvölker, die von einem Hobbyimker bewirtschaftet werden und der daneben den Schülerinnen und Schülern die Lebens- und Arbeitsweise seiner Bienen veranschaulicht.

Der besondere Platz vor der Sonnenuhr lädt mit Blick auf die historisch anmutende Säule zum Philosophieren ein. „Carpe diem – Nutze den Tag“ steht mit großen Lettern auf der Säule. Diese Aufforderung nimmt sich der Macher Kohns selbst zu Herzen. Er nutzt den Tag. So engagiert er sich nicht „nur“ an der Grundschule Oberdorf, sondern bringt sich seit 2012 an der IGS Koblenz in das Planungsteam Schüler-Park ein, zu dessen Gesamtkonzept selbstverständlich ein Schulgarten gehört. Das Projekt wird zurzeit gebaut.

Das Interview führte Julia Kübler stellvertretende Vorsitzende der Kirmesgesellschaft Metternicher Eule e.V. 1920.

Der Schulgarten in Metternich.Foto: privat

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