Das CCO-Fastnachtsmuseum besteht seit 25 Jahren
Wie aus einer Bananenkiste ein richtiges Museum wurde
Corona macht geplanten Jubiläumsfeiern einen Strich durch die Rechnung
Lahnstein. Genau 25 Jahre ist es her, seit der Vorstand und einige Aktive und Freunde des CCO im Innenhof des Lahnsteiner Martinsschlosses standen und die Eröffnung des ersten Fastnachtsmuseums am Mittelrhein feierten. „In Koblenz waren die Karnevalisten damals noch am überlegen, ob ein solches Museum entstehen sollte. Und somit waren wir damals die Ersten“, verkündete CCO-Vorsitzender Helmut Hohl im Jahre 2017 stolz, als er die zahlreichen Gäste zum damaligen 2x11. Geburtstagsfest begrüßte. „Und in diesem Jahr wollten wir an gleicher Wirkungsstätte das Silberjubiläum feiern. Doch leider hat uns die Corona-Pandemie diesen Plan durchkreuzt“, bedauert der CCO-Vorsitzende heute. Dennoch zog der Vereinsvorstand aus Anlass des Silberjubiläums eine positive Bilanz. Und Eva Bonn, die Zweite Vorsitzende und „Museumsdirektorin“ des Fastnachtsmuseums, konnte bei der Gelegenheit in launigen Worten sozusagen aus dem Nähkästchen plaudern.
Bei einem Schlossfest am 14. September 1996 unter Schirmherrschaft von Schlossbesitzer Dr. Johannes Romberg hatte Ehrenmitglied Rudi Reif gemeinsam mit dem damaligen Präsidenten des RKK-Regionalverbandes, Peter Schmorleiz, das rote Band zur Museumstür durchgeschnitten.
„Die Idee entstand Anfang der 1990er-Jahre, als wir in unseren Archivkisten stöberten“, erzählt Eva Bonn. Leider seien schon in den 1970er Jahren viele historische Schätze und Artefakte aus der Lahnsteiner Fassenacht im Sperrmüll gelandet, bedauert sie, „aber es gab ja noch unsere vielen Zeitzeugen, wie beispielsweise Albert Krebs, der sich über das Interesse der jungen Generation an der Geschichte des CCO gefreut hat.“ Durch die zahlreichen Treffen und gute Gespräche mit diesen Zeitzeugen war also nicht nur die Artikelserie Lahnsteiner Karnevalisten“ für die Vereinszeitung „Narrenkappe“ entstanden, die auch schon zwei mal als Buch herausgegeben wurde, sondern durch die zahlreichen Fotos, Orden und andere Gegenstände aus den frühen Jahren der Fassenacht entstand die Idee, das CCO-Vereinsarchiv professionell auszubauen und der Öffentlichkeit zu zeigen. 1994 trug das CCO aus Anlass seines 60-jährigen Jubiläums all dies für eine Ausstellung im Pfarrzentrum zusammen. „Wir dachten, na ja, es werden hoffentlich ein paar Leute die Ausstellung besuchen“, erinnert sich Eva Bonn. „Tatsächlich kamen in drei Tagen mehr als 1000 Besucher, die an jedem Foto klebten, an jeder Erinnerung. Von da an stand fest: Das alles müsste eigentlich in einem Lahnsteiner Fastnachtsmuseum dauerhaft ausgestellt werden. Ein Museum, das die Erinnerungen an ein jahrhundertealtes Traditionsfest dokumentiert, denn immerhin sind“ so die Recherchen der CCO-Archivarin und Zweiten Vorsitzenden, „historische Spuren des sogenannten Fastnachtstreibens in Lahnstein bis ins Jahr 1583 nachzuweisen. Dass die Familie Romberg den gotischen Saal im Martinsschloss für die Sammlung zur Verfügung stellte, war ein Glücksfall. In einem solch ehrwürdigen Gebäude ausstellen zu dürfen, das immerhin 722 Jahre besteht, ist ein gutes Gefühl!“, sagt Eva Bonn heute.
Doch nicht nur Schlossbesitzer Romberg, auch viele weitere Personen haben das Fastnachtsmuseum in den 25 Jahren mit tollen Ideen und eigenem Einsatz tatkräftig unterstützt. So auch die Familie Münch, die seit 17 Jahren den sogenannten Museums-Pin, ein Anstecker aus Metall, mit Lahnstein-Motiven herausgibt, dessen Erlös zur Finanzierung der Miete einen großen Beitrag leistet. „Die Finanzierung ist uns Gott sei Dank über all die Jahrzehnte beinahe kostendeckend gelungen. Ein paar Dellen gab es, als Vater Rhein uns doch zu sehr mochte und uns sechsmal in den 25 Jahren besuchte – wobei er 1998 die größten Schäden hinterließ“, so Eva Bonn. Bei Hochwasser galt es dann, beinahe alles auszuräumen, die Ausstellung in Privatwohnungen der CCO-Mitglieder zwischenzulagern und anschließend komplett wieder aufzubauen.
„Unsere Bemühungen gehen dahin weiter, unser Fastnachtsmuseum lebendig zu halten und die vielen kleinen Mosaiksteinchen, die über Jahrzehnte und gar Jahrhunderte das bunte Fest der Narretei und unserer Stadt prägten, zu sammeln und zu archivieren, um auch den nächsten Generationen damit die Flamme unseres närrischen Festes weiterzureichen“, sagt Eva Bonn.
Magnetwirkung wurde erreicht
Das Bestreben über all die Jahre, eine Magnetwirkung zu erzielen, wurde erreicht. Das CCO bekommt auch heute noch immer wieder Exponate und Unterlagen angeboten, die sonst vielleicht im Müll gelandet wären. So konnten unter anderem die Originalprotokolle der damaligen Oberlahnsteiner Carnevalsgesellschaft aus dem auslaufenden 19. Jahrhundert gerettet werden. Besondere Exponate wie die Original-Prinzenfahne aus dem Jahre 1900, die Prinzenuniform von 1938, die Präsidentenkette aus dem Jahr 1936 oder das Gründungs-Protokoll-Buch des Vereins sind nur einige Beispiele. Auch Kuriositäten wie das „älteste noch lebende Kamellebonbon“ oder gar die durchgetanzten Ballettschuhe eines Funkenmariechen oder die „Fleischworscht“ des „Lohnschdener Jung“ Karl Krämer, gehören ebenfalls zur Sammlung. Aus anfänglichen 100 katalogisierten Orden hiesiger Vereine wurden bis dato rund 1.800 Stück. Die Sammlung im heutigen Museumsraum und im Vereinsarchiv sind das Ergebnis der letzten 25 Jahre. „Vor 1996 passten noch alle Überbleibsel der Vergangenheit gerade mal in eine Bananenkiste. Heute gehört zur Sammlung noch ein umfangreiches Archiv über alle Lahnsteiner Karnevalsvereine, das ein ganzes Zimmer füllt und zum Teil schon im Stadtarchiv ausgelagert ist und mittlerweile ein großes Filmarchiv – hier sind besonders die Filmaufnahmen der Rosenmontagszüge aus den 1930ern bis 1960ern Jahre als Kleinod zu erwähnen“, so Eva Bonn.
Eva Bonns besonderer Dank gilt heute all ihren Wegbegleitern und dem rührigen Museumsteam mit Karl-Heinz Hatterscheid, Hans-Walter Mallmann und Irmgard Karbach, ohne die die bisherige regelmäßige Öffnung des Museums für Besucher an Sonntagen nicht hätte angeboten werden können. „Viele Jahre half hier auch Otto Kachel mit. Und ohne Albert Krebs, der von Anfang an mich in meiner Idee mit großem Engagement unterstützte und noch im Alter von neunzig Jahren Museumsdienste übernahm, wären wir wohl nie soweit gekommen“ so Eva Bonn. „Der Familie Romberg sei ein großes Danke ausgesprochen für die Verbundenheit zu unserem Museum und dass wir in ihren Mauern unser Museum nunmehr schon seit 25 Jahren beherbergen können, denn Fastnacht ist Heimat und unsere Heimatstadt Lahnstein wäre ohne unsere Fastnachtsvereine um ein großes Stück ärmer“ fasst die überzeugte Karnevalistin zusammen.
Sie und ihr Team sowie der gesamte Vorstand des Carneval Comités Oberlahnstein bedauern, dass „Corona-bedingt“ das Museum in dieser Saison geschlossen bleiben muss und will die Zeit der Schließung dazu nutzen, die Ausstellung weiter attraktiv zu gestalten, denn auch die Zeit „nach Corona“ wird kommen und dann wird das kleine aber feine Museum wieder viele Gäste aus nah und fern empfangen.
Pressemitteilung CCO
Dieses Foto aus dem Jahr 2018 zeigt das Team, das sich ums Lahnsteiner Fastnachtsmuseum kümmert (v.l.n.r.) Irmgard Karbach, Karl-Heinz Hatterscheid, Eva Bonn, Hans-Walter Mallmann, Otto Kachel. Foto: CCO