Allgemeine Berichte | 26.11.2019

5. AG-Tag der katholischen KiTas beschäftigte sich mit dem Thema Bildung für Kinder

„Wir brauchen Visionen, Ideen, Flausen und Wahrheiten“

Referent des Tages war der Philosoph und Autor Bertrand Stern.Foto: privat

Bad Neuenahr. „Der Ernst des Lebens“, die erste Fremdsprache ab 3, der tägliche Schulzwang– schon nur wenige Schlagworte legen offen, dass das Bildungsverständnis dieser Tage überdacht werden muss. Damit setzten sich knapp 200 ErzieherInnen der katholischen Einrichtungen im Dekanat Ahr-Eifel im evangelischen Gemeindehaus Bad Neuenahr auseinander. Sie, wie viele Lehrer, meistern tagtäglich die Gratwanderung zwischen einer steigenden Erwartungshaltung von Gesellschaft und Eltern, was Kinder bereits können sollten, und ihrem entwicklungspsychologischen Fachwissen, was Kinder tatsächlich in welchem Alter brauchen, um gut und zu aufrechten Menschen heranzureifen. Als eine eindrückliche Einstimmung in dieses komplexe Thema diente der Kinofilm „alphabet“ des Regisseurs Erwin Wagenhofer. 2012 entstanden, ist er Teil einer sozialkritischen Trilogie über gesellschaftliche Entwicklungen. Darin reist der Österreicher um die Welt und zeigt die ungeheuerlichen Auswüchse von falschverstandenem Bildungsverständnis auf– besonders lang die Sequenz aus China. Dort werden nicht Menschen herangezogen, sondern Wettbewerbsmaschinen, die Urkunden und Abschlüsse sammeln. Kinder verbringen die längste Zeit pro Tag in der Schule und vor Prüfungen findet sich hier die höchste Selbstmordrate unter Jugendlichen. Zugleich propagiert das PISA-Komitee China als Vorbild. Diesen aufwühlenden Bildern stellt der Regisseur positive Beispiele gegenüber, wie es auch anders geht. Er zeigt Menschen, die ohne das System Schule die Chance hatten, sich zu entfalten und innerlich zu reifen, und lässt Fachleute zu Wort kommen. Als Referent des Tages konnte der Philosoph und Autor Bertrand Stern gewonnen werden. Er lud in zwei Impulsvorträgen die TeilnehmerInnen ein, ihr eigenes Verständnis von Bildung zu reflektieren und zu schauen, welches Menschenbild sie dabei umtreibt. Stern gilt als Bildungsfachmann und nimmt eine sehr kritische und entschiedene Haltung ein. Für ihn verletzt die Schulanwesenheitspflicht bereits das Grundgesetz, das die Würde des Menschen garantiert. Er sieht im System Schule ein veraltetes preußisches Relikt, das Kreativität, eigenständiges Denken und Walten und Wachsen verhindert. Darin geben ihm Interviewpartner in „alphabet“ recht. Der bekannte Hirnforscher Gerald Hüther fordert ein Umdenken in Sachen Bildung. Personalschefs bedeutender Institutionen sehen die aktuellen Entwicklungen kritisch. Für die Teilnehmerinnen dieses Fortbildungstages bot die Auseinandersetzung in den Teams der Kindertagesstätten und im Plenum die Gelegenheit, ganz grundlegend auf das eigene Tun zu schauen und den Alltag in den Einrichtungen zu reflektieren.

Seit fünf Jahren veranstaltet die pastorale Begleitung des Dekanats Ahr-Eifel, Pastoralreferent Markus Hartmann, gemeinsam mit VertreterInnen der 14 katholischen Kindertagesstätten solche Fortbildungstage. Hierbei kamen bislang unterschiedliche Formate zum Tragen. Sie dienen der Begegnung, dem Austausch, ermöglichen aber auch intensive Beschäftigung mit grundlegenden Themen.

Pressemitteilung

Dekanat Ahr-Eifel

Referent des Tages war der Philosoph und Autor Bertrand Stern.Foto: privat

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