Heilige Messe zur Verabschiedung des Deutschen Ordens aus Rheinbach
„Wir brauchen jetzt Brücken!“
Rheinbach. „Ausgerechnet dieses Evangelium heute, das von den Talenten! Das war meine erste Reaktion, als ich mich auf die heutige Predigt vorbereitete“, gab Weihbischof Ansgar Puff bei der Heiligen Messe anlässlich der Verabschiedung des Deutschen Ordens aus der katholischen Pfarrei St. Martin in Rheinbach offen zu. Man könne dieses Evangelium so leicht missverstehen, gerade am Tage eines Abschieds. So, als ginge es um eine Abrechnung oder um die Frage, wie viel jemand geleistet habe. Doch um beides gehe es nicht, machte der Weihbischof in der bis zum letzten Platz gefüllten Pfarrkirche klar. Hinter dem Gleichnis stehe vielmehr die Frage, ob man die „Unternehmensphilosophie“ seines Chefs verstanden habe und ihm tatkräftig nacheifere. Wobei der „Chef“ niemand anderes als Jesus Christus sei, dessen Vorbild die Anhänger des christlichen Glaubens auch in ihrem eigenen Leben umsetzen sollten. Auch der habe alles weggegeben und alles riskiert, um alles zu gewinnen. Anstatt nur den Besitzstand zu wahren, sei es besser, ein Risiko einzugehen, um letztlich die Währung Gottes zu mehren, „und das ist die Liebe“.
Keine Angst vor Unterschieden
Für die Situation in Rheinbach gelte jetzt ganz besonders ein Papstwort, das Papst Franziskus anlässlich des 25. Jahrestages des Mauerfalles gesagt habe: „Sucht die Einheit und habt keine Angst vor Unterschieden – wir brauchen Brücken und keine Mauern.“ Er bat die Rheinbacher Pfarrgemeinde ganz herzlich darum, jetzt Brücken zueinander zu bauen und vorhandene Mauern einzureißen – die Mauern der Furcht und des Misstrauens. „Und suchen Sie in Konflikten einen etwas anderen Stil“, riet er den Gläubigen.
Konflikte lösen
Konflikte könne man nicht per E-Mail lösen, so der Weihbischof. Vielmehr müsse man sich persönlich treffen, sich in die Augen schauen, einander zuhören und miteinander reden. Man müsse sich dann am Ende nicht unbedingt einig werden, es gelte aber der Grundsatz, dass man sich stets gegenseitig respektiere. „Helfen sie auch Pfarrverweser Hermann Josef Zeyen, dass er Brücken bauen kann – aber überfordern Sie ihn nicht“, wünschte er sich weiter. Dessen Aufgabe sei ohnehin schon schwer genug. „Verlangen Sie nicht, dass alles so weitergeht wie vorher. Auch diese Mauer im Kopf gehört eingerissen.“
Dank für die Arbeit der scheidenden Pfarrer
Zum Abschluss seiner Predigt dankte Weihbischof Ansgar Puff auch den scheidenden Pfarrern des Deutschen Ordens, Pater Damian Hungs, Pater Dieter Lieblein und Pater Clemens Maria Pieper, für ihren pastoralen Dienst in den vergangenen zwei Jahren. Er wisse, dass es keine leichte Zeit für sie gewesen sei in den letzten Monaten, „aber ich schätze eure Arbeit und danke euch“. Schon zu Beginn der Abschiedsmesse hatte er die Gottesdienstbesucher zur Versöhnung aufgerufen. Er sei mit der Hoffnung auf einen Neuanfang nach Rheinbach gekommen. Dabei müsse allerdings auch jeder selbst sich die Frage stellen: „Was habe ich getan, um die Konflikte zu lindern?“ Doch mittlerweile gehe es um etwas ganz anderes, deshalb plädierte er an die Rheinbacher Katholiken: „Jeder möge sich fragen, was zu tun ist, damit die Einheit zurückkehrt?“
Niemals geht man so ganz
Bei einem anschließenden Stehempfang im Pfarrheim lobte Katharina Bienentreu namens des Pfarrgemeinderates die gute Arbeit der scheidenden Ordensleute, was sich auch daran ablesen lasse, dass sich so manche Neukatholiken hätten taufen oder firmen lassen. Dekanatsrats-Vorsitzender Lorenz Dierschke äußerte den Wunsch, die vielen Emotionen in der Kirchengemeinde mögen zu einem positiven Aufbau genutzt werden. Für das Schlusswort griff noch einmal Pater Damian Körper bewegt zu Mikrofon und dankte für die hervorragende Messfeier. Er habe in Rheinbach viele großartige Menschen kennengelernt, „die werde ich sicherlich nicht nur im Herzen mitnehmen.“ Ansonsten halte er es ganz mit der Kölner Sängerin Trude Herr und versprach: „Niemals geht mal so ganz.“
