Sommerfest der Lebenshilfe in Sinzig als Nachmittag der Begegnung und des Austauschs
„Wir wollen wieder zusammen sein“
Sinzig. Es war ein Nachmittag der Begegnung, des Austauschs und des Miteinanders. Die Lebenshilfe im Kreis Ahrweiler feierte fünf Jahre nach der Flut ihr erstes Sommerfest an ihrem Domizil in Sinzig, just dort, wo sich im Juli 2021 ein Bild der Verwüstung bot. Das Lebenshilfehaus an der Pestalozzistraße wurde in den vergangenen Monaten komplett saniert und neu gestaltet. Auch das Außengelände wurde vollständig neu angelegt. Das Sommerfest bot daher eine die Gelegenheit, den Standort wieder als lebendigen Ort der Begegnung zu erleben.
So feierten denn Menschen mit Behinderung mit Mitgliedern, Familien, Freunden und Unterstützern und unterstrichen damit die Stärke ihrer Gemeinschaft. Rund 100 Menschen im Kreis Ahrweiler werden von der Lebenshilfe betreut, die Hälfte davon in Wohneinrichtungen in Hohenleimbach und Rolandseck. Und dass fünf Jahre nach der Flut, die im Lebenshilfehaus zwölf Todesopfer forderte, genau dort gefeiert wurde, ging auf Andrea Münz als Sprecherin der Bewohner zurück: „Wir wollen wieder zusammen sein.“
Gedenkstätte geplant
So sagte denn Ulrich van Bebber als Kreisvorsitzender der Lebenshilfe auch bei der Eröffnung: „Es bedeutet uns viel, dass wir heute hier wieder unser Sommerfest feiern. Mit diesem Haus verbinden uns viele Erinnerungen: schöne und positive, aber seit der Flut auch sehr schmerzliche. Wir wissen, dass die Trauer und die Erinnerung an die Menschen, die wir verloren haben, immer bleiben wird. Sie gehören zu diesem Ort, und dafür soll es hier auch künftig Raum geben. Vor dem Haus werden wir deshalb eine Gedenkstätte errichten. Ihre Gestaltung wird in einer offenen Arbeitsgruppe besprochen.“
Den Stellenwert der Lebenshilfe im Kreis Ahrweiler unterstrichen durch ihre Teilnahme für die Stadt Sinzig der Beigeordnete Volker Thormann, für die Stadt Remagen sein Pendant Andrea Georgi und die SPD-Landtagsabgeordnete Susanne Müller als Vorsitzende der Stiftung „Helfen hilft“, die die Arbeit der Lebenshilfe für Menschen mit Beeinträchtigung unterstützt. Den Landesverband mit seinen 29 Orts- und Kreisgruppen vertrat Sven Friedrich. Landesweit werden laut Friedrich 6000 Menschen von seiner Organisation in Wohneinrichtungen oder ambulant betreut.
Daumen drücken
Einer von ihren ist Thorsten Baltes aus Wassenach, der in der Übergangswohneinrichtung in Rolandseck lebt. Der 38-Jährige erntete beim Sommerfest besonderen Beifall. Denn Thorsten Baltes hat erst im Juni bei den Special Olympics Nationale Spiele im Saarland eine Goldmedaille im Bowling geholt und berichtete von seinem Wettkampf: „In zwei Jahren werde ich wieder für die Lebenshilfe antreten und noch mehr Gold holen.“ Da drücken alle die Daumen. Vielleicht hilft ja auch ein neues Sportdress, für das Baltes von Kreisgeschäftsführer Frank Scheider einen Gutschein bekam.
Und auch ansonsten will die Lebenshilfe hoch hinaus. Das Außengelände ist weitgehend gestaltet. Im kommenden Jahr soll dann noch ein Hochseilgarten entstehen: acht Meter hoch. Dafür dankte van Bebber beim Sommerfest der Stadt Sinzig und Bürgermeister Andreas Geron, „die das Projekt baurechtlich ermöglicht und unterstützt haben“. Auf eines darf man jedenfalls gespannt sein, denn der Kreisvorsitzende kündigte an: „Im Vorstand haben wir übrigens bereits beschlossen, dass wir Vorstandsmitglieder als Erste hinaufmüssen.“ – Die Lebenshilfe ist nach der Katastrophe wieder im Aufwind. GS
Das Zusammensein stand beim Sommerfest der Lebenshilfe im Vordergrund. Foto: GS
Beim Sommerfest: (von rechts) Thorsten Baltes, Ulrich van Bebber, Volker Thormann, Andrea Münz, Susanne Müller und Andrea Georgi. Foto: GS