„Der Gelähmte und die kranken Schwestern“ waren nach 25 Jahren wieder zu Gast in Höhr-Grenzhausen
„Wo Feuer war, ist immer noch Glut“
Fulminantes Bühnencomeback der Kultband aus den Neunzigern im Jugend- und Kulturzentrum „Zweite Heimat“
Höhr-Grenzhausen. Die Kultband „Der Gelähmte und die kranken Schwestern“ rockten am vergangenen Freitag die Bühne des Jugend- und Kulturzentrums Zweite Heimat (JUZ) in der Kannenbäckerstadt Höhr-Grenzhausen. Bereits beim Intro „Vor der Laterne“ war klar: auch wenn die Jungs oder vielmehr die „kranken Schwestern“ rund um den Frontsänger Rolf Weber alias „Der Gelähmte“ ein paar Jährchen mehr auf dem Buckel haben – verändert hat sich nichts. Abgefahrene Texte, coole Performances, krasse Outfits, aber vor allem eine rundum geniale Bühnenshow mit der unverwechselbaren Stimme von Weber präsentierte die Kultband der Neunziger bei ihrem Revival in Höhr-Grenzhausen.
Vor 25 Jahren war die Band regelmäßig auf den Bühnen Höhr-Grenzhausens zu sehen, damals hauptsächlich im Rock-Café zur Tenne. Aber auch Open Air im Schwimmbad und auf der Höhrer Kirmes, die zu dieser Zeit in den Händen des Vereins „Kindergeburtstag“ lag, präsentierten sie seinerzeit ihr Repertoire. Einige der ehemaligen Kirmesveranstalter zog es an diesem Abend natürlich auch ins JUZ und schossen nach dem erfolgreichen Gig noch ein gemeinsames Erinnerungsfoto.
Mit im Gepäck hatten sie all ihre „Babies“, sprich ihre alten Erfolgssongs, angefangen von „Sex at the floor“, „Profikiller“ und „Mofa“ über „Es tut so weh bis ich dich kotzen seh‘“ bis hin zur legendären Hymne „Standlicht“. Da staunten Weber und seine kranken Schwestern nicht schlecht, als das Publikum lautstark und nach über zwei Jahrzehnten textsicher jeden Song mitsang. Es gibt eben Dinge im Leben, die vergisst du nie.
Gut zwei Stunden lang beamte die Funkpunkband die Gäste an diesem Abend zweieinhalb Jahrzehnte zurück. Geprägt war die mit viel Witz gespickte Show von dem ganz speziellen Humor Webers, der es sich nicht nehmen ließ, ein paar Spielchen mit dem Publikum zu spielen. So hatte er einen Songkoffer dabei, aus dem ausgewählte Stücke gespielt wurden, die er zuvor nach eigener Aussage mit der Band am Telefon einstudiert hatte. So kamen die Gäste beispielsweise in den Genuss eines neuen Songs namens „Raubtierplanet“. Zum Schluss des offiziellen Programms bedankte sich der Gelähmte mit den Worten: „Ihr wart ein hammer Publikum. Vielen Dank. Bis in 25 Jahren.“
Zugaberufe ließen jedoch nicht lange auf sich warten. So kramte der Gelähmte mit seinen kranken Schwestern einen Song raus, den sie zuvor nur einmal gespielt haben. „Wir haben vor 30 Jahren für einen jungen Mann, der 19 Jahre alt war und an Leukämie gestorben ist, ein Lied gespielt. Das Letzte, was er in seinem Leben hatte, war, mit uns auf Tour zu gehen. Wir haben ihm dieses Lied gewidmet. Als er gestorben ist, haben wir es ein einziges Mal gespielt und dann nie wieder. Aber für heute Abend ist es genau das Richtige.“ Dieses Lied heißt „You can’t help somebody““, erklärte der Frontmann der Band dazu. Mit diesem Stück zeigte die Band ein anderes Gesicht. Neben den sonst lauten Tönen präsentierten sie damit eine leise, feinfühlige und nachdenkliche Seite.
Es wurde viel gelacht im JUZ, die guten alten Zeiten wurden rausgekramt. Bereitwillig ließen sich die begeisterten Gäste auf eine Zeitreise von der Band mitnehmen und feierten mit den Musikern ihr Comeback. Der ganz besondere Stil und die unverwechselbare Bühnenpräsenz ist es, was Rolf, Jocky, Alex, Baggy und Mätthi ausmachen. Ihre Leidenschaft zur Musik bescherte dem Publikum an diesem Abend bewegende Momente. Abschließend nahm sich Weber die Zeit zu einem kleinen Interview.
Rolf, wie ist das für dich, nach 25 Jahren wieder nach Höhr-Grenzhausen zu kommen und hier auf dieser Bühne zu stehen?
Der Gelähmte: Das ist fantastisch. Ich habe mich gewundert, dass die Leute nach 25 Jahren immer noch die Texte können. Da bist du als Künstler schon sehr zufrieden und weißt, du hast alles richtig gemacht, wenn du nicht so lange weg gewesen wärst. Wir haben die Lieder damals mit viel Spaß und Freude komponiert und gespielt. Das war unser Lebensgefühl, dieses leicht anarchistische, links angehauchte Flair, das wollen wir auch beibehalten. Das ist unser Markenzeichen.
Wie bist du auf die Idee gekommen, die Jungs nach so langer Zeit wieder zu kontaktieren, damit ihr noch einmal zusammen auf die Bühne geht?
Der Gelähmte: Das war ein Herzenswunsch von mir. Es mussten zunächst einige Dinge geklärt werden. Letztendlich hat es hingehauen, wir haben uns zusammengesetzt. Wir haben gemerkt: Da ist immer noch was da. Wo Feuer war, ist immer noch Glut.
Wie sieht eure Zukunft aus?
Der Gelähmte: Die Zukunft ist ganz spannend. Ich frage die Jungs, ob sie mitmachen wollen. Wenn sie dann Zeit haben, sagen sie ja.
Kommt ihr noch einmal nach Höhr-Grenzhausen, bevor die nächsten 25 Jahre vorbei sind?
Der Gelähmte: Ich hoffe doch. Wir werden auf jeden Fall von uns hören lassen und in der Region noch einmal abrocken.
Wie eh und je präsentierte sich Rolf Weber im Wikinger-Outfit bei dem Song „Pipi“.
Heimspiel in Höhr-Grenzhausen für den Gelähmten und die kranken Schwestern.
In skurrilen Outfits präsentierte sich der Gelähmte seinen Fans.
Wie in alten Zeiten rockte die Band die Bühne.
