Weihnachtliche Stimmung an Heiligabend im Matthiasstübchen
Wo Heiligabend gemeinsam gefeiert wird
Neuwied. Es waren über 70 Personen, die am Heiligen Abend um 19 Uhr im Matthiasstübchen einen Platz an geschmückten Tischen suchten; schnell stellten die Helferinnen und Helfer noch zusätzliche Tische auf, um mit Sekt und Orangensaft alle herzlich zu begrüßen. Eingeladen hatten die evangelischen und katholischen Innenstadtgemeinden Neuwieds sowie die Diakonie und die Caritas. Gekommen waren wie jedes Jahr die Besucher des „Schöppche“, einer Tagesstätte der Caritas in der Heddesdorfer Straße. Außerdem kamen Einzelpersonen und Paare, die in Gemeinschaft Weihnachten feiern wollten. „Singen und feiern kann man besser zusammen“, sagte eine ältere Dame, „und hier singen wir alle Strophen der Weihnachtslieder“, freute sie sich. Eine Frau war vom Krankenhaussozialdienst auf das Treffen aufmerksam geworden: „Ich hatte gerade eine Operation und suche jetzt ein Zimmer im Betreuten Wohnen.
Zuhause fällt mir die Decke auf den Kopf.“ Zunächst wurde die Weihnachtsgeschichte aus dem Lukasevangelium gelesen; nach einigen Weihnachtsliedern ging es zum Festessen. Die Fleischerei Friedrichs macht jedes Jahr am 24. Dezember nachmittags extra für diese Feier Überstunden und zaubert ein Menu aus Kartoffegratin, Gemüse, Fleisch- und Nachtischvariationen. Zum Essen gab es Tafelmusik mit Bastian Kowalsky am Flügel und Pastor Oskar Greven an der Violine; beide gaben anschließend ein kurzes Barockkonzert mit Musik von Telemann. Auch eine Weihnachtsgeschichte von Bertolt Brecht und die Weihnachtslieder bewirkten, dass sich spürbar eine weihnachtliche Stimmung einstellte, und das in einer bunt gemischten Gruppe von Jung und Alt, von Menschen unterschiedlichster Schicht und Nationalität, religiös und nichtreligiös. Zum Abschied gab es für jeden eine Weihnachtstüte mit Überraschungen. Eine Besucherin hatte selbst Geschenke mitgebracht. „Ich wollte mal ganz aus den üblichen Weihnachtsritualen und -strukturen raus“, erläuterte sie und blieb dann bis zum Ende beim Aufräumen und Spülen mit dem Helferkreis dabei, zu dem erstmals auch geflüchtete Menschen aus Syrien und dem Iran gehörten. „Jetzt muss ich schnell ins Bett“, verabschiedete sich eine Syrerin, als nach 23 Uhr das letzte gespülte Geschirr eingeräumt war. „ich habe morgen Frühschicht.“ Sie macht eine Ausbildung als Altenpflegerin im Josef-Ecker-Stift und die Frühschicht am 1. Weihnachtstag begann für sie um 6.30 Uhr.
Für alle Gäste gab es ein festliches Weihnachtsmenü.
