Allgemeine Berichte | 28.03.2022

Kompetentes Handwerkerteam schuf zwei Wohneinheiten durch Restaurierung der alten Adler Brauerei Niedermendig

Wohnen im Glanz der Jahrhundertwende

Stephan Retterath -7.v.links- und Andreas von Wissmann –rechts daneben- mit dem fachkundigen Team vor der alten Adler Brauerei.  Fotos: FRE

Mendig. Die Adler Brauerei war eine der ältesten Großbrauereien Kölns und zugleich eine der ältesten Aktienbrauereien Deutschlands. Von 1862 an war das Wohn- und Sudhaus der Adler Brauerei Niedermendig im Privatbesitz von Carl Pütz. Davon zeugt heute noch eine Inschrift auf dem Torbogen des Gebäudes unweit der Brauerstraße.

1872 wurde dann die Köln-Niedermendiger Aktienbrauerei in Köln gegründet. Diese hatte zwei Brauereibetriebe, einen in Köln, in der Thürmchensgasse und einen in der alten Brauergemeinde Niedermendig. Die in der Kriegszeit notwendig gewordene Metallablieferung brachte den Niedermendiger Betrieb zum Erliegen und von dieser Zeit an wurde die Kundschaft aus Niedermendig von Köln aus bedient.

Nachdem das Gebäude inzwischen von der Firma F.X. Michels erworben worden war, verkaufte das Unternehmen den Komplex in den 1930er Jahren an die Mendiger Familie Zellner. Ende 2020 stand das inzwischen in mehrere Erbteile aufgeteilte Gebäude samt dem größten Teil des umliegenden Geländes erneut zum Verkauf. Während bereits erste Verhandlungen mit einem Mendiger Dachdeckerunternehmen geführt wurden, stieß man auf ein Vorkaufsrecht der Firma F.X. Michels. Als Andreas von Wissmann, Geschäftsführer der F.X. Michels GmbH davon Kenntnis erhielt, beschloss die Firma im Frühjahr 2021 spontan, das Anwesen wieder zu kaufen, obgleich dieses sich in einem akut sanierungsbedürftigen Zustand befand. Mit dem Ziel, hier bezahlbaren Wohnraum der etwas anderen Art zu schaffen, wandte Andreas von Wissmann sich an den Dipl.-Restaurator Stephan Retterath und bat ihn, die komplette Sanierung des vom Verfall bedrohten Objektes zu übernehmen. Für Retterath, dessen Firma ebenso wie die F.X. Michels GmbH in der Mendiger Brauerstraße angesiedelt ist, bedeutete dies eine Herausforderung, die er nur allzu gerne annahm. Schließlich stand für ihn von Anfang an fest, dass er den Auftrag gemeinsam mit einem ebenfalls fachkundigen und höchst kompetenten Handwerkerteam aus der Region ausführen würde, mit dem er schon häufig zusammengearbeitet- und sehr gute Erfahrungen gemacht hatte. Ob es sich um den Dachdeckermeister und Lehmbauer Volker Fiebiger aus Thür handelte oder um den Mendiger Metallbauer Daniel Schmitt, dessen Schlosserei sich in Plaidt befindet, Michael Liebhardt (Beleuchtung) oder um Werner Geilen und Peter Müller - jeder hat auf seinem Gebiet eine optimale Leistung erbracht!

Wenngleich die alte Adler Brauerei nicht unter Denkmalschutz steht, war es für die Spezialisten selbstverständlich, die im Frühjahr 2021begonnenen Arbeiten nach den Vorstellungen des Denkmalschutzes auszuführen.

Nachdem das von Müll und Unrat überfüllte Sud- und Wohnhaus auf den annähernd bauzeitlichen Stand zurückgebaut worden war, begann der originalgetreue Ausbau in die Zeit um die Jahrhundertwende mit dem Ziel, zwei Wohneinheiten auf jeweils zwei Ebenen in der Größenordnung von insgesamt 220 qm zu schaffen. Angefangen von den mit Kalkfarbe gestrichenen Gewölbedecken über klimafreundliche mit einer Kalkschicht überzogene Lehmwände, ausgesuchte Steinzeug-Fliesen nach historischer Vorlage, freigelegte bauzeitliche Dielenböden und Basaltplatten bis hin zu vollständig neu eingebauten und mit Leinölfarbe gestrichenen Fenstern und Türen sowie der damaligen Zeit angepassten Stahlarbeiten– beim Betrachten des atemberaubenden Schmuckkästchens fällt der Blick immer wieder auf kleine, äußerst sensibel ausgesuchte antiquarische Schmuckstücke und man fühlt sich in eine völlig neue, bzw. alte Welt versetzt.

Zu den vielen Highlights zählt neben einem intelligenten Beleuchtungssystem, welches jeden Bogen und Winkel mit stilsicher ausgewählten Lampen und gläsernen Deckenschächten ins rechte Licht setzt, eine von bestechender Schlichtheit geprägte sanitäre Einrichtung, für die ein vermutlich ehemaliger Kohlekeller genutzt- und in das offene Gesamtkonzept harmonisch eingefügt wurde.

Nach den Worten von Stephan Retterath soll in den kommenden Jahren auch der Außenbereich noch attraktiv und stilgerecht gestaltet werden.

Dass es sich bei dem Kauf des stark in Mitleidenschaft gezogenen Objektes um eine beispiellose Entscheidung der Firma F.X. Michels handelte, muss an dieser Stelle wohl nicht näher erläutert werden. Die meisterhafte Sanierung der alten Adler Brauerei in Niedermendig ist jedoch eine Hommage an die Mendiger Geschichte und beweist einmal mehr, wie wichtig der Erhalt historischer Gebäude und damit auch traditioneller Handwerkskunst ist. Chapeau!

FRE

(v.r.) Stephan Retterath, Andreas von Wissmann und Volker Fiebiger in einer der beiden denkmalgerecht sanierten Wohneinheiten.

(v.r.) Stephan Retterath, Andreas von Wissmann und Volker Fiebiger in einer der beiden denkmalgerecht sanierten Wohneinheiten.

Stephan Retterath -7.v.links- und Andreas von Wissmann –rechts daneben- mit dem fachkundigen Team vor der alten Adler Brauerei. Fotos: FRE

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