Allgemeine Berichte | 16.09.2022

Autorenlesung mit Stephan Wahl brachte schwere Themen zur Sprache

Wütender Imperativ und verzweifeltes Bitten

Stephan Wahl ringt um Worte gegen die Sprachlosigkeit.  Copyright:©Annette Krumpholz, KEB

Niederlahnstein. Es ist Herbst geworden - und der zeigt sich an diesem Mittwochabend von seiner ungemütlichen, nassen und gewittrigen Seite. Sehr passend für die Lesung von Stephan Wahl. Der katholische Pfarrer, den viele vom „Wort zum Sonntag“ kennen, liest auf Einladung der Katholischen Erwachsenenbildung Westerwald-Rhein-Lahn (KEB) in der Kirche St. Barbara aus seinem jüngst erschienenen Buch.

„Erwarte von mir keine frommen Sprüche“ heißt es, in der Unterzeile werden „Ungeschminkte Psalmen“ angekündigt. Und genau die bekommen die rund 30 Zuhörerinnen und Zuhörer an diesem Abend auch. Wahl, der seit einigen Jahren in Jerusalem lebt, war lange Zeit im Bistum Trier in unterschiedlichen Funktionen tätig. Gemeindepfarrer war er und auch Chef der Bistumskommunikation. Mit den Nöten und Sorgen der Menschen kennt er sich also bestens aus, auch aus eigenem Erleben. Bei der Flutkatastrophe im Ahrtal im vergangenen Jahr hat er einen Cousin verloren.

Sein Leben in Jerusalem habe ihm gezeigt, dass die Menschen jüdischen Glaubens sich in einen direkteren Dialog mit Gott begeben, als wir es hier kennen, sagt er. Sie klagen an, sie hadern, sind zornig. Aber sie bitten und danken auch im offenen Zwiegespräch. Ebenso will er es angehen mit seinen Psalmen. So eröffnet er die Lesung mit einem Text über die Flut und das Empfinden ein Jahr danach. „Die Zeit heilt alle Wunden – meine klaffen immer noch“, heißt es da. Drängend sind seine Worte, die er direkt an Gott richtet. Häufig sind sie keine freundlich formulierte gemeinte Bitte, sondern vielmehr ein dröhnender Imperativ.

Auch den sexuellen Missbrauch durch katholische Geistliche bringt er zur Sprache – mit schockierenden, deutlichen Worten fordert er von Gott Strafe für die Täter und Genugtuung und Hilfe für verwundete Seelen. Wahl tischt dem Publikum teils schwer Verdaubares auf: Umweltzerstörung, Krieg, Depression sind die Themen des Abends. Aber auch von zärtlich-romantischer Liebe, dem Zauber von Ostern und Pfingsten ist die Rede. Mal sind die Texte, die teils deutlich autobiografische Momente zeigen, radikal und wütend, dann wieder tröstlich und wärmend.

Wunderbar passend ergänzt Jan Martin Chrost mit seinem Orgelspiel. Er ist Bezirkskantor im Bezirk Rhein-Lahn, Organist und Chorleiter in Bad Ems. Die virtuosen, üppigen Klänge lassen mit einer wilden Kakophonie das Chaos der Ahr-Flut vor dem inneren Auge entstehen. Auch die zarten, liebevollen Seiten der Texte unterstreicht Chrost mit eleganten, fedrig-leichten Tönen, die an hüpfende Herzen erinnern. „Das war wie Filmmusik, man spürte richtig die Schöpfungsgewalten“, klingt es am Ende des Abends aus dem Publikum. Und eine Besucherin fasst zusammen: „Das war schon harter Tobak heute. Aber gut und aufrüttelnd“.

Die Erlöse des Buchs „Erwarte von mir keine frommen Sprüche“ (Echter Verlag) spendet Stephan Wahl einer caritativen Organisation in Jerusalem, die sich um Jugendliche kümmert.

Pressemitteilung

Katholische Erwachsenenbildung im Bistum Limburg

Stephan Wahl ringt um Worte gegen die Sprachlosigkeit. Copyright:©Annette Krumpholz, KEB Foto: ANNETTE_KRUMPHOLZ

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