Allgemeine Berichte | 01.10.2019

Kunstpavillon Burgbrohl

Yingmei Duan: Poesie der Begegnung

Die Besucher schauten sich alle gespannt die kleinen Videos an. Foto: privat

Burgbrohl. Kürzlich fand die Abschlusspräsentation des außergewöhnlichen Kunstprojektes von Yingmei Duan mit 30 mitgestaltenden Teilnehmer*innen aus Burgbrohl und dem ganzen Brohltal im Kunstpavillon Burgbrohl statt. Neben ihrem künstlerischen Hauptprojekt „Object Video Interactive Performance“ kurz OVIP, war Yingmei Duan seit ihrer Ankunft im Mai in die verschiedenen Aktivitäten des AIM e.V. einbezogen und hat dabei viele Menschen kennengelernt; u.a. beim Internationalen Familienfest in Burgbrohl, wo sie aus ihrem Album „chinesische Popsongs“ vorgetragen hat; beim TAG der OFFENEN TÜR der KunstWerkstatt im Kunstpavillon Burgbrohl; beim Wandern mit dem Bürgermeister; auf der Kirmes, dem Schützenfest in Lützingen und vielen privaten Einladungen. Immer hatte sie ihre kleine Kamera dabei und filmte ihre Gesprächspartner und das Lebensumfeld. Gemeinsam mit den Teilnehmer*innen wurde das Filmmaterial gesichtet und ein individuelles filmisches Portrait erarbeitet. Anfang September kristallisierte sich heraus, dass es 30 Videofilme geben wird. Diese wurden in der Ausstellung zusammen mit Objekten, die sich auf das Video und die Mitwirkenden beziehen, vor oder um den Videomonitor platziert. Gemäß dem künstlerischen Konzept von Yingmei Duan OVIP gab es dazu Mitteilungen auf Zettel, die in „ich-Form“ die Betrachter aufforderten mit dem Objekt zu interagieren.

Auf sehr ungewöhnliche Weise hat Yingmei Duan die 30 Monitore mit den Objekten thematisch arrangiert.

Im Videofilm von Arian Raphael Beck war zu sehen, wie er einen farbprächtigen Kuchen „zaubert“. Vor dem Monitor lagen bunte Süßigkeiten, die vernascht werden durften. Daneben war zu sehen wie Lena Beck in der sommerlichen Abendsonne spazieren geht und die Sonnenuntergänge in Lützingen genießt.

Auf einer Sitzbank wurde der Film mit Karl und Marliese Nebgen gezeigt - mit einer kleinen Gartengießkanne. Schmunzeln konnte man, dass auf einem alten Schulpult die beiden Filme von Eberhard und Maria Müller präsentiert wurden, die sich in der Schulzeit vor 45 Jahren begegneten. Sehr ästhetisch waren die Naturfilme von Kathi Volkert mit einem Gemälde vom Laacher See und Dieter Marczykowski, auf einer Staffelei aufgebaut und rohen Halbedelsteinen, die zum Betrachter sprachen. Simone Schneider stellte in ihrem Beitrag das Dorf Burgbrohl mit der bekannten Motivtasse vor. In einem Video zeigt Yingmei Duan die Workshops von Karin Meiner mit Kindern, die die KunstWerkstatt im Kunstpavillon Burgbrohl besuchen, zusammen mit dem Stoffesel, mit dem die Kinder gerne spielen und die Musikerin Andrea Neideck beim Trashdrumming mit grünen Regenfässer. Weitere Arbeiten im Kunstpavillon waren die filmischen Beiträge mit Petra Deus, Herbert Reinthal und Conny Rindsfüsser. Nach der Begrüßungsrede durch den Bürgermeister der Verbandsgemeinde Johannes Bell und einer kunsthistorischen Einführung durch Jürgen Kuck, führte Yingmei in einer Live-Performance durch die Ausstellung und stellte ihre persönliche Begegnung mit jedem einzelnen Teilnehmer*in vor. Man ging zum zweiten Ort der Ausstellung in die Alte Schule: dort war auf Tischen in einer Runde die Filme von Johannes Bell, Dirk Hansen und Udo Rindfüsser zu sehen, die die verschiedene Aspekte des Brohltals repräsentierten, z. B. die schöne Landschaft in der Wanderung mit dem Bürgermeister und Wanderstock, die Schulen in Burgbrohl und die traditionellen gemeinschaftlichen Zusammenkünfte, wie Kirmes,

Familien-, Kirschbaum- und Schützenfest. Neben dieser Präsentationsgruppe wurde ein Film mit jungen afrikanischen Männer gezeigt, wobei Gabriele Weber engagiert mit Yingmei bei zusammengearbeitet hat und einen Einblick in die Arbeit von PFIFFIG gibt, ein Projekt „Flüchtlinge als Fachkräfte in Firmen integrieren“ der ÖFH Bad Neuenahr. Filmisch stimmungsvoll sind die Erinnerungen von Agathe Bermel, Renate Kohns und Ilse Weiler als Geschichte des Dorflebens von Oberlützingen, sind doch alle in die Alter Schule vor Jahrzehnten unterrichtet worden. Bei dieser Filmdokumentation wurde Yingmei Duan von Sabine Bermel unterstützt und begleitet. Weitere sehenswerte Videos und Objekte waren von Katja Mathieu & Thomas Wagner, Andreas Petri, Ruth Retterath, Doreen Röder, Werner Blum, Tom Jäger, TuS Niederoberweiler e.V und Petra Weidenbach. Sehr sensibel arrangiert waren die wunderbaren Filmbeiträge von Nora Deus und Nico Gertel: einmal fiktive Kindheitserinnerungen, visuell dargestellt durch Kinderzeichnungen mit Untertitel und ein Beispiel eines kreativen Kinderlebens in der Jetzt-Zeit. Es ist hier nicht genug Platz, um jedes einzelne Filmportrait und Objekt einer eingehenden Betrachtung zu würdigen. Noch ein paar Worte aus der Einführungsrede: „Sie alle, deren Kunst hier und heute zu sehen ist, sind der Künstlerin Yingmei Duan begegnet. Jede Begegnung ist Kommunikation und Kommunikation ist auch immer zugleich „Poiesis“, denn Kommunikation ist immer etwas Geschaffenes, etwas Kreiertes. Man spricht hier vom „erweiterten Kunstbegriff“. Sinn der Erweiterung ist es, alle Menschen einzubeziehen in die Gestaltung der Welt. Niemanden auszugrenzen. Und das ist das Credo von Yingmei Duan.“

Mit einem Abschiedsessen verabschiedete sich Yingmei Duan am Samstagabend von vielen ihrer „Zusammenarbeiter*innen“, das deutsche Wort für „collaborators“, wie Yingmei Duan immer sagt.

Pressemitteilung des

AIM e.V. Kulturprojekte im

ländlichen Raum

Die Besucher schauten sich alle gespannt die kleinen Videos an. Foto: privat

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