Martina Kempff stellte ihren neuen historischen Roman vor
„Die Gabe der Zeichnerin“
Bei der Lesung im Hotel Germania verfolgte man Geheimnisse Karls des Großen
Cochem. Im Januar jährt sich der Todestag Karls des Großen zum 1200. Mal. Rechtzeitig zum Stichtag hat Martina Kempff, Autorin einer viel beachteten Karolinger-Trilogie, einen neuen Roman um den Frankenkaiser verfasst. Zum Jahresausklang kam sie nach Cochem, um „Die Gabe der Zeichnerin“ im Hotel Germania vorzustellen. In ihrem neuen Buch sucht Kempff das größte Rätsel zu lösen, das Karl der Große der Nachwelt hinterlassen hat. „Niemand weiß, wer den Aachener Dom gebaut hat - zu einer Zeit, als die Franken technisch nicht in der Lage dazu waren, eine derart große und weite Kuppel aus Stein zu wölben“, sagte die Autorin zu Beginn der Lesung. „Den Legenden und Sagen, die sich um Karl den Großen und die Errichtung seines Doms ranken, habe ich also eine weitere Mär hinzugefügt.“ Doch ihre abenteuerliche Idee habe der heutige Dombaumeister Helmut Maintz keinesfalls gänzlich abwegig gefunden und sie in der Folge bei ihren Recherchen zum Dombau sehr unterstützt. So viel sei verraten: In Kempffs Roman schickt Harun al Raschid, der Kalif von Bagdad, Karl dem Großen einen Baumeister. „Aber da ich immer eine Frau in den Mittelpunkt meiner Bücher stelle, hat dieser Baumeister eine Tochter“, fuhr die Autorin fort. Sie bat um einen Applaus für die Cochemerin Carolin Gilbaya, die ihr geholfen hätte, die Persönlichkeit der jungen Muslima am Aachener Hof Karls des Großen herauszuarbeiten. Ein Hauch von 1001 Nacht wehte durch das Hotel Germania, als Martina Kempff die Cochemer in den prächtigen Kalifenpalast nach Bagdad entführte. Gebannt hörten alle zu, wie der Fernhändler Isaak den Auftrag erhält, den Baumeister sicher nach Aachen zu geleiten. Hierbei nahm Autorin Kempff das Publikum mit auf eine abenteuerliche Reise ins frühmittelalterliche Aachen, wo Karl der Große alle Pläne für seinen Dom über den Haufen wirft, als er in den Sand gemalte Zeichnungen neben seiner alten Holzkapelle entdeckt. In „Die Gabe der Zeichnerin“ geht es aber nicht nur um den Bau des Aachener Doms, um Liebe und Leid der Protagonisten, sondern auch um ein weiteres - diesmal historisch verbürgtes - Geschenk des Kalifen an Karl den Großen: den weißen Elefanten Abul Abbas. Gestärkt von der gar köstlichen Schwarzwurzel-Ingwersuppe, die Germania-Chef Herbert Budweg in der Pause servierte, sorgte Martina Kempff im zweiten Teil der Lesung mit der abenteuerlichen Geschichte, wie Isaak den Dickhäuter heil von Bagdad nach Aachen brachte, für reichlich Heiterkeit. „Mehr, mehr …“, riefen die Zuschauer nach der fast zweistündigen Lesung, und so gab es noch eine kleine Zugabe: Die Zuhörer im Germania erfuhren, wie ein zu Karls Zeiten geprägter Silberdenar, den Archäologen erst vor wenigen Jahren im Fundament des Aachener Doms entdeckten, dort hinein geraten sein könnte. „Ich habe eine Reihe von Funden in meinem Roman untergebracht“, erzählte die Autorin und setzt mit einem Augenzwinkern hinzu: „Meine Leser wissen zum Beispiel, wem die beiden Skelette gehörten, die im Fundament gefunden wurden und den Historikern bis heute Rätsel aufgeben.“ Dass Martina Kempff hervorragend lesen und spannend erzählen kann, wissen die Cochemer schon lange: Seit fünf Jahren stellt die Autorin ihrer Fan-Gemeinde den jeweils neuen Roman immer Ende Dezember im Germania vor. Mit dieser Tradition wird dieses Jahr erstmals gebrochen werden, denn bereits am 20. Februar zieht es die Schriftstellerin abermals nach Cochem. Da geht es dann mörderisch zur Sache, wenn sie im Germania ihren nagelneuen Eifelkrimi „Bekehrung“ vorstellen wird. Und wie schon in den vorangegangenen fünf Krimis findet auch beim aktuellen Fall der kochenden Ermittlerin Katja Klein wieder Karl der Große Erwähnung. Ganz gleich, ob Historienroman oder Krimi: Der berühmte Frankenherrscher lässt die Autorin eben nicht los.TE
