Vorbereitungen laufen
Ebernacher Wandertag
Sportlehrer bereitet Großereignis vor Teilnehmer mit unterschiedlichen Wünschen
Kloster Ebernach. Ein Tag in freier Natur mit einem sportlichen Programm, dessen Anforderungsprofil man nach den eigenen Ansprüchen und Bedürfnissen auswählen kann. Dazu Kaffee und Kuchen und Eintopf: Die Mischung stimmt immer beim Ebernacher Wandertag, den der Behinderten- und Rehabilitationssport-Verband Rheinland-Pfalz e.V. (BSV) in Kooperation mit Special-Olympics Rheinland-Pfalz e.V. ausrichtet. Und so darf man auch in diesem Jahr sicher sein, dass mehr als 1000 Menschen mit geistiger Beeinträchtigung am 28. Mai mit von der Partie sind.
Dieses Jahr stehen erstmals vier Routen mit deutlich verschiedenem Schwierigkeitsgrad zur Auswahl. Die kürzeste Wanderstrecke bleibt in jedem Jahr gleich, weil sie auch für Rollstuhlfahrer geeignet sein muss und es unter diesem Aspekt in den Weinbergen an der Mosel keine Alternative zur bewährten Streckenführung gibt. Neu ist aber die vierte Strecke. Diese bietet für die ambitionierten Wanderer eine neue Herausforderung. Hier ist eine gute Kondition, absolute Schwindelfreiheit und Trittsicherheit von Nöten. Und auch die mittlere (8 bis 12 Kilometer) und die lange Strecke (12 bis 15 Kilometer) werden jedes Mal neu ausgetüftelt. Das ist seit fünf Jahren einer der Jobs von Benni Schmidt vom Kloster Ebernach.
Akribische Vorbereitungen
Der 31-jährige Sportlehrer bereitet die Wanderungen akribisch vor: „Wenn ich eine neue Strecke ausgearbeitet habe, dann teste ich sie in der Praxis mit Bewohnern von Kloster Ebernach. So kann ich besser einschätzen, welche Steigungen und Gefälle zu den bestimmten Streckenbeschreibungen passen.“ Benni Schmidt achtet immer darauf, dass eine Strecke anspruchsvoll, aber nicht zu schwierig ist. „Niemand soll über- oder unterfordert werden“. Das Organisationsteam des Wandertags besteht zum größten Teil aus den Vorstandsmitgliedern des hausansässigen Sportvereins, der BSG Fortuna Ebernach. Das Team sorgt dafür, dass die mehr als 1000 Teilnehmer sicher durch die landschaftlich wunderschön gelegenen Weinberge wandern können.
Der logistische Aufwand hierbei ist groß: Viele routinierte Wanderer sind gerne in kleineren Gruppen unterwegs. Da muss das optimale Verhältnis aus Kontrolle und Selbstständigkeit gefunden werden. Auch das Rahmenprogramm mit Kaffee- und Kuchen-Pause und dem großen gemeinsamen Essen unter freiem Himmel erfordert detailreiche Vorbereitungen. Für den Verein sind solche komplexen organisatorischen Aufgaben allerdings Routine, da sie seit Jahren ein perfekt eingespieltes Team bilden. Und auch im Freizeitbüro des Klosters kümmert sich Benni Schmidt das ganze Jahr über um die Angebote aus den Bereichen Sport, Kunst und Kultur für die Bewohnerinnen und Bewohner des Hauses und für ambulante Kunden. Dazu gehören auch eine Reihe von Ausflügen und Freizeiten - und deren Organisation lässt sich durchaus mit der Ausrichtung des Wandertags vergleichen.
Bernd geht auf die große Runde
Es hat sich in den fast zwei Jahrzehnten seit dem ersten Ebernacher Wandertag bewährt, auf die unterschiedlichen Wünsche und Ambitionen der Teilnehmer einzugehen.
Der 43-jährige Bernd wohnt und arbeitet seit 2010 in Kloster Ebernach. In der Gärtnerei hat er seinen Traumjob gefunden: „Es macht sehr viel Spaß zu sehen, wie die Pflanzen wachsen“, sagt er. Außerdem gefällt ihm die Vielseitigkeit seiner Tätigkeit: „Ich arbeite oft im Klosterladen und verkaufe da Obst und Gemüse und Blumen und Salat. Außerdem darf ich den Rasen mähen und mich im Gewächshaus um die Pflanzen kümmern.“ Sportlich aktiv ist Bernd schon seit vielen Jahren. „Ich fahre viel mit dem Fahrrad und gehe auch privat oft wandern.“ So stellt sich für ihn die Frage gar nicht, welche Strecke er beim Wandertag wählt: „Ich gehe immer auf die große Runde.“ Und die ist in jedem Jahr bis zu 15 Kilometer lang, an vielen Stellen geht es bergauf und bergab zwischen Rebstöcken. Dem gebürtigen Trierer kommt die sportliche Herausforderung gerade recht: „Bewegung macht mir einfach Freude, ich gehe auch gerne schwimmen. Und in diesem Jahr bin ich in Düsseldorf bei den Special Olympics erstmals beim Radfahren dabei. Sport ist für mich ein guter Ausgleich zu meiner Arbeit.“
Marianne hat zwar auch Spaß an Bewegung, aber sie geht nicht mit so ausgesprochen sportlichen Ambitionen an den Wandertag wie Bernd. Die 53-Jährige wohnt gemeinsam mit ihrem Freund extern, sie arbeitet in der Küche der Moselland-Werkstatt in Treis-Karden. „Ich bin schon immer beim Wandertag dabei. Ich glaube, ich habe noch keinen ausgelassen. Aber die kleine Strecke ist mir lang genug.“ Am Wandertag schätzt Marianne vor allem den geselligen Aspekt: „Man hat Kontakt zu vielen netten Menschen, man kann reden und lachen. Das ist einfach ein schöner Tag.“
