Peter Nüesch zu Gast im Hotel-Café Germania
Erschreckendes und Amüsantes zum Thema Abfall
Festspiel-Intendant Peter Nüesch referierte über „Mensch und Müll“
Cochem. „Zeige mir Deinen Abfall und ich sage Dir, wer Du bist“, war eine jener Kernaussagen von Peter Nüesch, Intendant der Mayener Burgfestspiele, als er auf Einladung der Kreisverwaltung Cochem-Zell (Umweltberatung) ein Gastspiel gab.
Dies in den Räumlichkeiten vom Hotel-Café Germania mit dem Titel: „Mensch und Müll“. Zwar sollte es laut angekündigtem Programm offiziell eine Lesung werden, doch ließ es der versierte Schauspieler zu einer humorvollen „Stand-up-Präsentation“ allererster Güte werden. Nur wenige Sätze zitierte er dabei aus seinen mitgeführten Aufzeichnungen und konzentrierte sich mehr darauf sein absolut fundiertes Wissen per Mimik, Gestik und oftmals höchst amüsanter Propaganda an den Mann bzw. die Frau zu bringen. Die zeigten sich von so viel professioneller Bühnenpräsenz positiv überrascht und sparten in der Folge auch nicht mit Beifallsbekundungen.
Inhaltlich hielt Peter Nüesch jeweils den Finger auf die Stellen, wo es bezüglich der aktuellen Welt-Abfallentwicklung richtig wehtat. Angefangen von der „Wegwerf-Gesellschaft“ über die „Verpackungsindustrie“ bis hin zur „Lebensmittelentsorgung“ durch jeden Einzelnen, prangerte Peter Nüesch Denk- und Handlungsfehler im Bezug auf den Müll an, der nach seiner Ansicht, bei ständig angestrebtem Wirtschaftswachstum, irgendwann den kompletten Planeten bedecken wird.
„Die Verpackung steigert laut Hersteller angeblich den Wert des Inhalts - sind wir denn verrückt“, fragte Peter Nüesch seine Zuhörer. „Tonnenweise werden die Briefkästen mit Werbeflyern gefüttert, die in der Regel eh kein „Schwein“ liest“, führte der Vortragende weiterhin aus und ergänzte, dass an seinem Briefkasten ein Aufkleber mit der Aufschrift angebracht ist: „Bitte werfen Sie alle Werbeprospekte direkt in den Mülleimer!“ „Beim Wachstum des heutigen Müllbergs kommt nicht einmal das Selbstbewusstsein von Horst Seehofer mit“, bemerkte Peter Nüesch lächelnd, was ihm einmal mehr einen Zwischenapplaus des Publikums einbrachte. Seine Erlebnis-Schilderung über das Essen in einem Fast-Food-Restaurant wurde für die Zuhörer zu einem amüsanten Déjà-vu. Kennen doch schließlich die meisten Leute jene berühmten Einzelverpackungen solcher Anbieter.
Für Peter Nüesch war dies besonders erwähnenswert, weil nach dem Essen mehr auf dem Tisch lag als zu Beginn der Burger- und Fritten-Mahlzeit. „Särge aus Karton“, nannte Peter Nüesch die oftmals unnützen Verpackungen jener Fast-Food-Ketten und hatte für das Essen „to go“ und seinen Verpackungsmüll ein vernichtendes Urteil übrig. „Müll in Sachen Wertstoff wird mittlerweile von den meisten sauber getrennt - eine Bekannte von mir hat sich neulich von ihrem Mann getrennt“, fuhr Peter Nüesch fort und begab sich mit dieser Ansage wieder in den humorvollen Bereich seiner Ausführungen.
Aber auch mahnende Worte blieben am Ende beim Zuhörer haften. So stellte er abschließend klar, dass man allein mit den weltweit weggeworfenen Lebensmitteln die gesamte Menschheit ernähren könnte und es keine Hungersnot mehr gäbe. Eine informative und sehr amüsante Veranstaltung mit einem brillanten Peter Nüesch.
