Open-Air-Theater in Möntenich
Hinterlistige Kurschatten werden rechtzeitig enttarnt
Möntenicher Hofnarren überzeugen ein begeistertes Publikum
Möntenich. „Morgens Fango - abends Tango!“ Unter diesem Motto fahren die beiden Floriansjünger Oswald Krause (Achim Jischke) und Emil Lautenschläger (Christian Heimes) schon seit 20 Jahren nach Bad Füssing, um hier ihre dreiwöchige Männerkur zu verbringen. Doch heuer ist alles anders. Im Open-Air-Theaterstück der Möntenicher Hofnarren „Wenn einer eine Reise tut“, herrscht bereits im ersten von drei Akten, nach dem Script von Regina Rösch, Krisenstimmung bei den beiden Kururlaubern, die sich aktuell um die schönsten Tage im Jahr betrogen sehen. Grund hierfür ist die erklärte Absicht ihrer beiden Göttergattinnen Helga Krause (Nadine Labonte) und Betty Lautenschläger (Margret Gilles), dass es diesmal für Krauses in die Karibik und für Lautenschlägers auf eine Kreuzfahrt ins Mittelmeer geht. Für die Wehrleute Oswald und Emil Grund genug, sich am Vorabend der Abreise, im Rahmen einer Feuerwehrübung, noch einmal zwecks Frustbewältigung so richtig die Kante zu geben. Zusammen mit Feuerwehrkamerad Max Kaiser (Horst Gilles) ziehen sie in den späten Nachtstunden, mit jeweils geschätzten 2,3 Promille, durchs bereits schlafende Möntenich und hadern mit schwerer Zunge und „Hin-und-Her-Schuhen“ (schwanken) mit der neuen Urlaubssituation. Alsbald trollen sich Oswald Krause und Max Kaiser Richtung Heimat, während Feuerwehrchef Emil Lautenschläger von seiner ins Nachtgewand gehüllten Angetrauten Betty angetroffen und unter massiven Schimpfkanonaden nach Hause eskortiert wird. Nur wenige Stunden später treffen die beiden Urlaubspaare dann an der örtlichen Bushaltestelle ein, wo sich Oswald zum Vergnügen des Publikums und unter Aufsicht seiner strengen Helga, zunächst mal einem kompletten, urlaubstauglichen Klamottenwechsel unterziehen muss. Seine ablehnenden Flüche und der markerschütternde Befehlston aus Helgas Sprachorgan rufen dabei die so geweckte Katharina Jungbauer (Katharina Gödert) auf den Plan, die am geöffneten Fenster ihrer Küche kopfschüttelnd den seltsamen Auftritt von Krauses verfolgt und in der Folge auch für den mit seiner Gattin eintreffenden Emil auf Nachfrage Kaffee kocht. Nachdem sich Helga und Betty noch auf Katharinas Toilette erleichtert haben, sollte jeden Moment der Bus zum Flughafen eintreffen. Doch bevor dieser in die Szene einfährt, lassen die beiden Damen vom Land noch eine für Oswald und Emil unliebsame Überraschungsbombe platzen: „Karibik und Mittelmeer sind passé - wir fahren mit nach Bad Füssing!“ Bereits nach einer von drei Kurwochen gehen den Möntenicher Landeiern die Fitness-Exkursionen vor Ort gehörig auf den Sack, denn weder bei den Herren der Schöpfung noch bei ihren Angetrauten stellt sich, mangels Freizeitangebot, ein gewünschter Kurerfolg ein. Dies ändert sich aber schnell, als sich am Anreisetag der zweiten Woche sogenanntes „Frischfleisch“ im bayerischen Kurhotel von Ernst und Rosi Loch einstellt. Chantal Obermaier (Tanja Knieper) und Jacqeline Niedermüller (Stephanie Sürth) entpuppen sich als zweimal „blondes Gift“ für Oswald und Emil, während sich Helga und Betty von den scheinbaren Adeligen Ferdinand van Cartier (Stefan Gilles) und Adalbert von und zu Stadelhofen (Dominik Johann) umgarnt sehen. Das bis dahin schon höchst amüsante Geschehen nimmt jetzt noch einmal richtig Fahrt auf, bevor die beiden Blondinen ebenso wie die Herren Adeligen als Kurgast-Abzocker enttarnt werden, wozu unter anderem das Personal des hoteleigenen Wellnessbereiches, mit Masseur Harry Gruber (Peter Sesterhenn) und Fitnesstrainerin Susi Weber (Johanna Gilles) maßgeblich beiträgt. Resümierend ein 5-Sterne-Erlebnis für die Lachmuskulatur der Zuschauer, die sich nicht nur an der kurzweiligen Handlung und dem erfrischenden Spiel der Darsteller ergötzen, sondern vor allem an den oftmals deftigen Mundart-Interpretationen der Protagonisten ihre helle Freude haben. Ein besonderes Lob verdienen beim neuen Stück der Hofnarren auch die fernsehtaugliche Requisite nebst Bühnenbild, bei denen die Verantwortlichen mit viel Einfallsreichtum und schnellen Handgriffen aus einer ländlichen Bushaltestelle ein bayerisches Hotel mit offenem Wellnessbereich zaubern. Ein Augenschmaus für alle Theaterfreunde. Die Darsteller: Achim Jischke hat die Figur des Oswald Krause vermutlich inhaliert, denn er verkörpert diesen Country-Macho - vor der Gattin aber unterwürfiges Landei, mit Perfektion. Da sitzt jede noch so kleine Pointe, und er überzeugt überdies mit vollem (!) Körpereinsatz. Über einen ebensolchen kann man sich auch bei Nadine Labonte, die seine Gattin Helga spielt, begeistern. Ihr trefflich trainiertes Mundwerk ist mit rustikaler Präzision allgegenwärtig und bietet jenen ländlichen Charme, der dem Theaterfreund eine wohlige Gänsehaut über den Rücken jagt. Margret Gilles gibt als Betty Lautenschläger die Gattin von Emil und läuft in ihrer Rolle als kratzbürstige Landpomeranze zur Hochform auf. Als bekennende Hungerharke mit wenig Sinn für Körperpflege, weiß sie absolut zu überzeugen und zum Ende hin gar zu überraschen. Emil, hervorragend verkörpert von Christian Heimes, will mit Saufkumpel Oswald mithalten, scheitert aber auf köstliche Weise immer wieder an seinen hausgemachten Ängsten vor dem Versagen oder dem eigenen Weib. Die beiden Kur- Blondinen Tanja Knieper und Stephanie Sürth (Chantal und Jacqeline) würden auch als hinterlistige Schwestern durchgehen, die es mit Ausstrahlung, Outfit und herrlich aufgesetztem Charme auf die Geldbörsen der männlichen Kurgäste abgesehen haben. Dabei geizen sie nicht mit weiblichen Reizen und Tanja Knieper begeistert überdies als Original Pfälzer Labertasche. Hut ab auch vor der schauspielerischen Leistung von Stefan Gilles und Dominik Johann, die sich als noble Vertreter des Geldadels vorstellen und als Ferdinand van Cartier und Adalbert von und zu Stadelhofen versuchen, weibliche Hotelgäste auf die vornehme Art auszunehmen. Grobschlächtig, mit Pranken wie ein kanadischer Holzfäller, präsentiert sich Peter Sesterhenn als Masseur Harry Gruber, der mit besagten Händen wahre Wunder - vor allem an weiblichem Fleisch vollbringt.
Fesch, frisch und verschlagen spielt sich Johanna Gilles als Fitnesstrainerin Susi Weber in die Herzen der Theaterbesucher und weiß mit einem betörenden Lächeln Bühnenakteure wie Publikum zu verzaubern. Katharina Gödert ist die keifende Tusse vom Bauernhof auf den Leib geschrieben, die am Fenster, mit Blick auf die örtliche Bushaltestelle, einfach alles mitbekommt und hinterfragt. Last but not least, Max Kaiser, alias Horst Gilles. Auch in seinem eher kurzen Part als Feuerwehrmann unter Alkoholeinfluss, lässt er überzeugend Hintergrundwissen und Training erkennen. TE
Vor der Fahrt in den Urlaub haben die Möntenicher Floriansjünger noch eine Übung mit anschließendem Löscheinsatz an der Theke durchgeführt.
Warten auf den Urlaubsbus. Direkt im Anschluss lassen Helga und Betty eine unerwartete und unliebsame Überraschungsbombe platzen.
