Amüsante Komödie „Mensch sein muss der Mensch“ des Theatervereins Dohr 2011 e.V
Leiche war nur eine Schaufensterpuppe
Auf der Polizeiwache Freedensee geht es drunter und drüber
Dohr. Polizeimeister Hannes Wilke schiebt als Leiter der Polizeiwache vom Örtchen Freedensee offensichtlich eine ruhige Kugel. Denn wie man schnell erkennt, regelt er Maßnahmen der Anzeigenaufnahme und der Strafprozessordnung im Alleingang, ohne hier den korrekten Dienstweg einzuhalten. Vielmehr widmet er sich lieber dem Telefonschach mit seinem Kollegen Polizeimeister Theo von der Nachbardienststelle in Burghausen. Zudem outet sich Wilke neben seinen oben genannten Unzulänglichkeiten als durstige Schnaps-Drossel. Sein Untergebener, Polizeioberwachtmeister Karl Benthin, betrachtet die Eskapaden seines Chefs mit Argwohn und entschließt sich schließlich zu einer anonymen Beschwerde in Form eines Schriftstückes an das übergeordnete Polizeipräsidium.
Merkwürdige Begebenheiten auf dem Polizeirevier
Derweil kommt es auf dem Polizeirevier von Freedensee zu einigen merkwürdigen Begebenheiten. Zum einen kann der Hühnerdieb Sebastian Knoop dingfest gemacht werden, welcher der Dienststellen-Putzfrau Emma Wiggers jene Tiere aus dem Garten entwendet hat. Zum anderen erscheint Gemeindearbeiter und Wilke-Spezi Martin Stingel in der Amtsstube, um mit Kumpel Hannes ein paar Schnäpse zu heben. Geliefert wird das Schnaps-Paket jeweils von Stingel-Tochter Friedel, die nicht nur die Bedienstete des örtlichen Gastwirtes ist, sondern sich überdies in Oberwachtmeister Karl Benthin verguckt hat. Pastor Petersen bittet in der Folgeszene um die Unterstützung von Hannes Wilke für ein neues Gemeindehaus. Hannes Wilke vertröstet den Seelsorger, unterstützt er doch insgeheim den Ausbau des örtlichen Sportplatzes. In der Folge platzt ein bildhübscher Nackedei in der Person von Hanne Kleinschmitt ins Bild und bittet um Hilfe bzgl. neuer Garderobe. Dass die Hilfesuchende in Wirklichkeit Kriminalkommissarin ist und von Polizeirat Dirks zur Überprüfung des Beschwerdebriefes über Hannes Wilke entsandt wurde, bleibt vorerst noch geheim.
Als Gemeindediener Stingel kurz darauf noch eine weibliche Leiche im Seeschilf von Freedensee findet, scheint das Chaos auf der Polizeidienststelle komplett. Um einen größeren Polizeieinsatz und die damit verbundene Ermittlungsarbeit zu vermeiden, bittet Polizeimeister Hannes den Gemeindediener die aufgefundene Leiche per Boot zum anderen Ufer in den Zuständigkeitsbereich von Polizeimeister Theo zu rudern. Drei Flaschen Schnaps soll er dafür als Entlohnung erhalten. Heimlich wendet sich Stingel in der Sache derweil an den Burghausener Polizeimeister - und bekommt von diesem prompt fünf Flaschen Schnaps versprochen, wenn er denn die Tote vor Ort belässt. Kurz vor dem furiosen Finale der amüsanten Komödie unter dem Titel „Mensch sein muss der Mensch“ laufen dann alle Fäden sowie alle Beteiligten in der Amtsstube zusammen und versuchen zu retten, was zu retten ist.
Da kommt ihnen die Bergung der Leiche entgegen, die in Wirklichkeit eine Schaufensterpuppe ist und Polizeioberwachtmeister Karl Benthin entschuldigt sich bei Hannes Wilke für sein Denunziantentum. Letzterer kommt mit einem Verweis davon, denn Kommissarin Hanne Kleinschmitt hat sich zwischenzeitlich zu erkennen gegeben. Alles also Friede, Freude, Eierkuchen, denkt sich der erfreute Theatergast. Doch weit gefehlt. Unmittelbar vor dem letzten Vorhang äußert sich Hühnerdieb Sebastian Knoop dann noch einmal mit einer Frage, die allen Beteiligten scheinbar das Blut in den Adern gefrieren lässt: „Und was mach ich jetzt mit der echten Leiche...?“
Besetzung glänzt mit toller Leistung
Eine überaus spannende aber gleichwohl kurzweilige Geschichte, die vor der letzten Szene einiges erahnen lässt, aber im Grunde doch nichts preisgibt. Szenenapplaus gab es für alle Bühnenakteure, die mit Charme und Selbstvertrauen ihren jeweiligen Part beeindruckend meisterten. Allen voran Peter Lauxen, der den Polizeimeister Hannes Wilke mit der Hingabe eines „Beamten auf Urlaub“ spielt und mit seiner Gestik alle Zuschauer restlos begeistert. Mirko Röhr erfreut als untergebener Oberwachtmeister und hinterlistiger Duckmäuser mit Karrieregedanken. Den Gemeindediener Martin Stingel gibt Jürgen Schäfer in Form eines schlitzohrigen Trottels, der dennoch genau weiß was er will und letztendlich auch bekommt.
Polizei-Putzfrau Emma Wiggers ist eine Paraderolle für Helene Maas, die darin nicht nur komplett aufgeht, sondern diese auch mit der Ausstrahlung einer Profi-Putze glaubwürdig und höchst amüsant verkörpert. Das Seelsorger nicht immer steif daherkommen müssen zeigt Günter Erdmann als Pastor Petersen. Ergebene Gottesfurcht und leckerer Schnaps lassen sich laut ihm hervorragend in Einklang bringen. Ein Augenschmaus ist Ines Grundmann als Stingel-Tochter Friedel, die mit Ausstrahlung und Wortgewandtheit schnell zum Sonnenschein der gesamten Aufführung wird. Resolut und sicher der Auftritt von Tanja Schäfer als Kommissarin Hanne Kleinschmitt. Ihr würde man auch in der Realität die knallhart ermittelnde Kriminalbeamtin abnehmen. „Last but not least“, Ingo Köhler als Regisseur und dreister Hühnerdieb Sebastian Knoop. Ihm kommt seine langjährige Bühnenerfahrung zugute die ihm erlaubt, praktisch in jede Rolle zu schlüpfen. Auch diesmal erfreute er mit einer willkommenen Spitzenleistung.
Polizeimeister Hannes Wilke sieht seine Felle davon schwimmen, denn Hühnerdieb Sebastian Knoop reicht offizielle Beschwerde ein.
