Maria Scharwieß und Heidi Frielinghaus spielen ungewöhnliche Instrumente
Musik auf dem Gemshorn und Dudelsack
Karden. Was die beiden Musikerinnen Maria Scharwieß und Heidi Frielinghaus als Instrumente mit in die altehrwürdige Stiftskirche St. Castor brachten, war schon sonderbar: Gemshörner, mehrere Dudelsack-Varianten, kleinste Sackpfeifen wie Hümmelchen und spanische Gaita legten die beiden Damen aus Berlin vor den Altarraum ab und dann begann ein Konzert der Extraklasse.
Die 72-jährige Kantorin Maria Scharwieß intonierte, als sie durch den Mittelgang in die Kirche schritt auf einer original Great Highland Bagpipe im Zusammenspiel mit der Stumm-Orgel den „Skye Boat Song“. Anschließend erklang auf dem kleinen Gemshorn - meisterhaft gespielt von Heidi Frielinghaus - eine Volksweise aus dem Mittelalter.
Weitere Werke aus Spanien, Norwegen, Ungarn und Schottland, die dank der hervorragenden Akustik von St. Castor ein Hörgenuss erster Güte wurden, reihten sich im Anschluss nahtlos aneinander.
Was die beiden versierten Künstlerinnen boten, war einfach schön und manchmal für Kirchen etwas exotisch, denn neben der Orgel, einem Keyboard, der Violine und verschiedenen Flöten kamen Kuhhörner, Hümmelchen, Sackpfeifen und eine Rahmentrommel zum Einsatz.
Die studierte Kantorin, Komponistin und Chorleiterin Maria Scharwieß bedient die unterschiedlichen Dudelsäcke und anderen Instrumente ebenso souverän wie ihre Kollegin Heidi Frielinghaus. Beide Künstler engagieren sich seit Jahren in Berlin, wo Heidi Frielinghaus als ehemalige Ärztin beispielsweise noch heute Einwandererfamilien bei der Integration hilft. Maria Scharwieß war lange Jahre Kantorin in der Evangelischen Nathanael-Kirchengemeinde in Berlin-Schöneberg. Sie ist neben ihrer Berufung als Kirchenmusikerin viel beachtete Jazz- und Folk-Interpretin. Die gebürtige Ostpreußin gibt mit ihrer Freundin seit Jahren regelmäßig Konzerte, die manchmal etwas ausarten, wenn die virtuose Organistin in die Tasten greift und Jazz- und Blues-Elemente in klassische Stücke einbaut.
„Zweyerley Pfeifferey“ sorgte in jedem Fall in Karden für eine gut besuchte Veranstaltung, deren Reiz mal in den leisen und klaren, manchmal aber auch in den imposanten und lauten Tonfolgen der Stücke lag, die vom Mittelalter bis in die Neuzeit reichten.
