Männerchor „Heimatklang“ Lieg bat zum Konzert in der Hunsrückhalle
„Schlager-Frühling“ begeisterte alle
Gleichzeitig wurde in dem rührigen Ort das 250-jährige Bestehen der Pfarrkirche „St. Goar“ gefeiert
Lieg. Bei strahlendem Sonnenschein und viel guter Laune konnte der Männerchor „Heimatklang“ in der Hunsrückhalle zu seinem „Schlager-Frühling“ befreundete Gesangsvereine begrüßen. Aber damit nicht genug: An diesem Wochenende beging die Pfarrgemeinde „St. Goar“ in Lieg ihr 250-jähriges Kirchenjubiläum mit einem bunten Programm für Alt und Jung. Durch das Konzert moderierte der Vorsitzende des Männerchors, Heinz Zilles, der kurzweilig die einzelnen Interpretationen kommentierte. Die Gastgeber starteten mit „Grüß euch Gott, alle miteinander“, um mit „Heimweh“ und dem rassigen „Chianti-Lied“ gute Laune pur zu versprühen. Mit fröhlichen Melodien, aber auch Gassenhauern und besinnlichen Weisen begeisterten der Gesangverein Uhler, der MGV Löf, der Kirchenchor Petershausen, der MGV Ediger-Eller, der Münsterchor aus Münstermaifeld und die Chorgemeinschaft Müden mit ihrer Gitarrengruppe. Die „Hunsrückmusikanten“ aus Lieg zeigten nach so viel Gesang klasse Stimmungs- und Unterhaltungsmusik. Aber der eigentliche Anlass neben dem Gesang war an diesem Wochenende das 250-jährige Jubiläum der Pfarrkirche „St. Goar“. Im feierlichen Festgottesdienst, musikalisch umrahmt vom Männerchor „Heimatklang“ Lieg, wies der Vorsitzende des Pfarrgemeinderates, Werner Esch, auf das besondere Ereignis hin. Er erinnerte an die Zeit der Kurfürsten und des Kirchenbaus, die viele Opfer von den früheren Liegern verlangten. „Bis heute hat sie unvermindert Bestand, unsere Pfarrkirche“, betonte er dabei. Auch Pastor Hermann Josef Floeck unterstrich die große Bedeutung der Kirche „als Mittelpunkt des Dorfes, die etwas von der Schönheit des Barock atmet als heilsamer Kontrastpunkt am Sonntag gegen die große Armut in der Woche über“.
In gelungener Manier
In seinen Mundartführungen zeigte Bernd Schneider in gelungener Manier das Innenleben und die reiche Geschichte des Gotteshauses: Ein Vorgängerbau ist bereits über 550 Jahre alt. In einem Visitationsbericht von 1569 wird eine Kapelle als Filiale von Lütz unter dem Patronat des heiligen Goar genannt. Auch in den weiteren Niederschriften von 1656 und 1657 wird eine solche Kapelle zitiert, finanziert von der Ortsgemeinde, in der Gottesdienste gefeiert werden. Die heutige Kirche wurde zuerst einmal ohne Turm bereits vor 250 Jahren, also 1764, erbaut, berichtete Bernd Schneider, wobei der Westturm erst sechs Jahre später, also 1790, entstand. Es war noch die Zeit der Kurfürsten, als man die Steine im Frondienst in mühseliger und schweißtreibender Manier mit Kuhfuhrwerken aus der immer noch bekannten Gemarkung „Im Leichen“ durch die Einwohner herankarrte. Der Sand für den Mörtel stammte aus den Bachtälern des Lütz- und des Dünnbaches. „Es ist unvorstellbar, unter welchen Bedingungen und Opfern unsere Vorfahren ihre Kirche mitten im Dorf erbauten, das wäre heute niemandem mehr zumutbar“, machte Bernd Schneider während seiner Führungen deutlich. Die ersten Renovierungen waren 1869 erforderlich, leider ohne nennenswerten Erfolg. 1873 bekam das Gotteshaus einen neuen Innenanstrich, die Bänke wurden repariert und geölt. Die Kanzel mit der Kommunionbank und den Altären erstrahlte ebenfalls in neuem Glanz. Zudem erhielten die Kanzel und die Altäre eine frische Vergoldung.
Kurze Lebensdauer
Die Ortsgemeinde Lieg übernahm die Kosten, da die Kirche diese nicht aufbringen konnte. Doch leider hatten Renovierungen eine kurze Lebensdauer. Es war durch die Jahrhunderte immer ein schwieriges Unterfangen, das notwendige Geld für diese Arbeiten aufzubringen, denn die Menschen waren bitterarm und das Geld knapp.
Auch mit Stiftungen und privaten Spenden versuchte man sich zu helfen. Aber irgendwie ging es trotz aller Probleme immer weiter. Ein großer Fortschritt war auch die Installation der Stromleitungen in der Kirche. In den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts erfolgten die Ausmalungen des Gotteshauses und weitere wichtige Maßnahmen. Einschneidend war auch der Beschuss durch die alliierten Truppen im März 1945, bei dem das Dach einen Treffer erhielt. Der Sonntagnachmittag aber galt der Begegnung bei Kaffee und Kuchen, bei Tanzvorführungen oder ganz einfach bei einem guten Gespräch.
