Winzerhistorie Mosel
Winzer-Freud und Winzer-Leid: Historische Ausstellung in Mesenich zur Moselweintradition
aus Cochem
Interessante Geschichte und Geschichten locken zahlreiche Besucher
Mesenich. Im Rahmen seines gleichnamigen Festes präsentierte der Mesenicher Pumpenverein diesmal eine winzerhistorische Ausstellung im alten Kellergewölbe des Brauweiler Hofs. Ortschronist Martin Arens hatte innerhalb eines Jahres einmal mehr Schriftstücke, Filmausschnitte, Urkunden, Zeitungsartikel und vor allem Fotos und Zeichnungen zusammengetragen, die das Leben und Arbeiten der heimischen Moselwinzer innerhalb der letzten 100 Jahre unter dem Titel „Winzer-Freud und Winzer-Leid“ dokumentieren. In diesem Zusammenhang ist es ihm unter anderem gelungen, alten und zum Teil verblichenen Schwarz-Weiß-Fotos mittels KI-Unterstützung wieder neues, farbiges Leben einzuhauchen.
Mit dem Winzersturm am 25.02.1926, bei dem rund 2000 Winzer das Finanzamt in Bernkastel-Kues erstürmen und verwüsten, starten die ausgestellten Exponate. Es ist eine Zeit in der trotz extremer Inflation und Missernten zudem eine hohe Weinsteuer verlangt wird und preiswertere spanische und französische Weine vom Verbraucher bevorzugt werden. Dieser Einsatz der Winzer zeigt Wirkung und die Weinsteuer wird durch die Reichsregierung abgeschafft.
In den 1930er Jahren wird den Moselorten eine deutsche Patenstadt zugeteilt, die in den nächsten Jahren nur Wein von Winzern aus diesem Moselort ausschenken dürfen. Mesenich kann sich dabei neben Minden auch über Köln freuen. Hohen Abgaben, bürokratischen Hürden und hohem Preisdruck stehen aber bis heute auch erfolgreiche Ernten, prämierte Weine und fröhliche Wein- und Winzerfeste gegenüber. Die lassen dann Rückschläge wie beispielsweise den Glykol-Weinskandal, ausgehend von gepantschten Importweinen, vielleicht irgendwann vergessen.
Wenn es um ihre Existenz ging, hielten die Moselwinzer schon immer zusammen. Das zeigt auch die gemeinsame Protestaktion vom Juli 1983, als man in Ellenz-Poltersdorf versuchte die Rheinland-Pfalz-Radrundfahrt mit zahlreichen Traktoren zu blockieren. Die Ausstellungseröffnung erfolgte im Beisein von Mesenichs amtierenden Weinmajestäten Xenia und Carolin sowie dem Vorsitzenden des Pumpenvereins, Bernhard Fuhrmann.
Dorfchronist Martin Arens ging detailliert auf die Geschichte der regionalen Moselwinzer in den vergangenen 100 Jahren ein. Foto: Thomas Esser
Ein Nachruf der Moselwinzer als deftiger Seitenhieb für die nach massiven Protesten abgeschaffte Weinsteuer. Foto: Thomas Esser
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In Mesenich wurde im Rahmen des diesjährigen Pumpenfestes im Kellergewölbe des Brauweiler Hofs die Ausstellung „Winzer-Freud und Winzer-Leid“ eröffnet. Foto: Thomas Esser