Politik | 15.01.2014

Neue Bereitschaftsdienstzentrale im DRK-Krankenhaus

Was tun, wenn die Arztpraxis geschlossen ist?

Die neue Bereitschaftsdienstzentrale ist in einem Anbau am DRK Krankenhaus untergebracht.FF

Neuwied. Was tun, wenn der Hausarzt schon geschlossen hat oder am Wochenende Bedarf besteht? Früher organisierten die Ärzte untereinander ihre Vertretungen. Das ist zunehmend schwierig und auf dem Land zum Teil unmöglich geworden. Daher hat die Kassenärztliche Vereinigung Rheinland-Pfalz eine neue Bereitschaftsdienstzentrale für 170.451 Menschen im Versorgungsgebiet eingerichtet. Am 11. Dezember ist sie von der Hermannstraße in einen neuen Anbau am DRK Krankenhaus in der Marktstraße umgezogen. Ebenfalls neu ist, dass sie Anlaufpunkt für Patienten aus der Stadt Bendorf geworden ist. Bislang wurden die Bendorfer vom Bereitschaftsdienstbereich der Bereitschaftsdienstzentrale Koblenz versorgt. Die Einrichtung ist ein zentraler Anlaufpunkt für Patienten außerhalb der Praxisöffnungszeiten der behandelnden Ärzte. Dort finden die Menschen qualifizierte Ärztinnen und Ärzte zur Behandlung ihrer Erkrankung. Zu ihrem breiten Leistungsspektrum gehört beispielsweise die Behandlung kleinerer Verletzungen wie Schnitt- oder Schürfwunden, Hals-, Bauch oder Ohrenschmerzen, Unwohlsein, Fieber oder Schwindel. Falls eine weiterführende Diagnostik notwendig ist, steht hierfür das DRK-Krankenhaus als Kooperationspartner bereit. Patienten können je nach Aufenthaltsort jede Bereitschaftsdienstzentrale im Land aufsuchen. Falls nötig, werden auch Hausbesuche angeboten. Diese werden von der für den jeweiligen Aufenthaltsort zuständigen Bereitschaftsdienstzentrale organisiert. Bei akuten lebensbedrohlichen Notfällen, wie starken Herzbeschwerden, Bewusstlosigkeit oder schweren Verbrennungen, muss weiterhin direkt der Rettungsdienst unter der Nummer 112 angefordert werden, der innerhalb kürzester Zeit beim Patienten ist.

Vorteile des neuen Standorts

Mit dem neuen Standort DRK-Krankenhaus sind für den Patienten mehrere Vorteile verbunden. Dazu der Pressesprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Dr. Rainer Saurwein: „Je nach Krankheitsbild kann eine ortsnahe weitere Untersuchung erfolgen. Das Krankenhaus verfügt natürlich über mehr technisches Gerät als bei Hausärzten allgemein üblich, zum Beispiel Röntgen“. Darüber hinaus steht den Patienten eine hervorragende Infrastruktur mit ausreichenden Parkplätzen direkt vor der Türe zur Verfügung. Mit der Angliederung der Bereitschaftsdienstzentrale an das DRK-Krankenhaus sei ein Ziel erfüllt worden, dass für alle vierzig Einrichtungen in Rheinland-Pfalz angestrebt wird. Während die Neuwieder aus dem Stadtgebiet mit der Bereitschaftsdienstzentrale noch gut bedient sind, müssen Menschen aus anderen Teilen des Kreises Neuwied über vierzig Kilometer weit fahren. Im Dunkeln, bei Eis und Schnee und in akuten Krankheitsfällen, kein schöner Gedanken. „Anders ist eine Sicherstellung der Versorgung durch die niedergelassenen Ärzte aber nicht mehr möglich“, bedauert Dr. Rainer Saurwein. Der gute, alte Dorfarzt, fast als Mitglied der Familie zu bezeichnen, ist eine aussterbende Spezies. Dr. Rainer Saurwein dazu: „Vor allem junge Ärzte und deren Familien sind immer seltener bereit, Nachts und am Wochenende Dienst zu tun. Um den Beruf weiterhin für junge Akademiker attraktiv zu machen, müssen wir das akzeptieren“. In der Neuwieder Bereitschaftsdienstzentrale leisten Haus- und Fachärzte aus dem gesamten Versorgungsgebiet ihren Dienst. Neben einer gesonderten Entlohnung steht ihnen in der Bereitschaftsdienstzentrale ein Bett bereit. Inwiefern die Ärzte in Anbetracht des großen Versorgungsgebiets überhaupt zum Schlaf kommen, kann Dr. Rainer Saurwein noch nicht sagen. So gebe es Tage mit fast gar keinen Patientenbesuchen. An anderen Tagen gehe es dagegen Schlag auf Schlag. Die Sprechstundenhelferinnen haben den 2. Weihnachtsfeiertag als Rekordtag mit 219 Patienten festgehalten. Vier Ärzte waren zur Bewältigung des Ansturms im Einsatz. Geleitet wird die Bereitschaftsdienstzentrale von Joachim Courtial, einem Allgemeinarzt aus Höhr-Grenzhausen.

Öffnungszeiten und Versorgungsgebiet

Geöffnet ist die neue Bereitschaftsdienstzentrale Montag, Dienstag und Donnerstag von 19.00 Uhr abends bis 7.00 Uhr. morgens. Mittwoch von 14.00 Uhr bis 7.00 Uhr morgens. Freitag von 16.00 Uhr durchgehend bis Montagmorgen um 7.00 Uhr. An Feiertagen ist die Bereitschaftsdienstzentrale vom Vorabend 18.00 Uhr bis zum Folgetag des Feiertags 7.00 Uhr geöffnet. Das Versorgungsgebiet umfasst: Anhausen, Bad Hönningen, Bendorf, Bonefeld, Breitscheid, Dattenberg, Datzeroth, Dierdorf, Ehlscheid, Erpel, Großmaischeid, Hammerstein, Hardert, Hausen, Hümmerich, Kasbach-Ohlenberg, Kleinmaischeid, Kurtscheid, Leubsdorf, Leutesdorf, Linz, Marienhausen, Maroth, Meinborn, Melsbach, Neustadt, Neuwied, Niederbreitbach, Oberhonnefeld-Gierend, Oberraden, Ockenfels, Rengsdorf, Rheinbreitbach, Rheinbrohl, Roßbach, Rüscheid, Sankt Katharinen, Stebach, Straßenhaus, Thalhausen, Unkel, Vettelschoß, Waldbreitbach und Windhagen.

Von den Abendstunden bis in den Morgen ist die Zentrale von einem Team aus Ärzten und Sprechstundenhelferinnen besetzt.

Von den Abendstunden bis in den Morgen ist die Zentrale von einem Team aus Ärzten und Sprechstundenhelferinnen besetzt.

Die neue Bereitschaftsdienstzentrale ist in einem Anbau am DRK Krankenhaus untergebracht.Fotos: FF

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