20 Jahre Theaterverein Kaifenheim
Die „Spanische Fliege“ schwirrt durch Kaifenheim
Brillante Darsteller erfreuen ein restlos begeistertes Publikum
Kaifenheim. Das treffliche Outfit der Bühnenakteure des „Kademer“ Theatervereins, sowie die dazu passende Kulisse erfreuen sogleich das Auge eines jeden Betrachters und versetzen ihn unweigerlich zurück in die ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts.
Zum Inhalt
Mostrichfabrikant Ludwig Klinke (Lothar Rink) holt augenscheinlich ein leichter Fehltritt aus der Vergangenheit ein, bei dem er vor etwa 25 Jahren auf dem Mayener Lukasmarkt den Reizen der feurigen Senorita Rosita, genannt die „Spanische Fliege“, erlegen war. Scheinbar war jene kurze Liaison mit dem unbeabsichtigten Segen eines Knaben belohnt worden, für den Fabrikant Klinke mittlerweile schon zwei Jahrzehnte blecht. Dabei hatte sich die angeblich so feurige Iberia-Tänzerin als „Rösje Zippel“, raffinierte Herzensbrecherin aus Kowelenz entpuppt. Gleichwohl, um sein kleines Geheimnis weiterhin zu bewahren, flossen regelmäßig Unterhaltsgelder an die Altstadtadresse jener „Spanischen Fliege“.
Ein amüsantes Verwirrspiel
Das Ludwig Klinke nicht der einzige „Melk-Esel“ für die ehemalige „Senorita Rosita“ ist und war, zeigt sich, als Emma Klinke`s (Bettina Marx-Schwall) Schwager Alois Wimmer (Jakob Kaiser) auf den Plan tritt und der Fabrikant die für ihn so brisante „Kindes-Akte“ seinem Spezi Anton Tiedemeyer (Hermann-Josef Schneider) zur sicheren Aufbewahrung überlässt. Der wiederum übergibt jene heißen Unterlagen an den aufstrebenden Rechtsanwalt Dr. Fritz Gerlach (Kai Umminger), der seinerseits das Herz der Tochter des Hauses, Paula Klinke (Marina Johann), erobert hat und diese auch ehelichen will. Deren beste Freundin Wally Burwig (Anne Kaiser), Tochter des Abgeordneten Eduard Burwig (Peter Schmitt), weiß von der Liebesbeziehung und signalisiert neben Unterstützung auch Geheimhaltung, bis sie plötzlich selbst von Amors Pfeil getroffen wird. Völlig aus dem Ruder läuft das beschauliche Leben derer von „Klinke“ als Heinrich Meisel (Jonas Junglas) im Anwesen des Fabrikanten mit der Absicht aufläuft, ebenfalls um die Hand der Klinke-Tochter anzuhalten. Natürlich kommt er aus Koblenz und wird von Ludwig Klinke, in Verkennung der Tatsachen, fälschlicherweise für die Frucht seiner Lenden gehalten.
Ein amüsantes Verwirrspiel allererster Güte treiben den Theaterbesuchern in der Folge derart Freudentränen in die Augen, dass es unter diesen verstärkt zum Einsatz von Papiertaschentüchern kommt. Mit dem Auftritt von Stadtrat Gottlieb Meisel (Thomas Meiner) und seiner Gattin Mathilde Meisel (Andrea Rink) treiben es die Darsteller mit einem furiosen Finale der Geschichte dann auf die Spitze, und hinterlassen ein restlos begeistertes Publikum.
Darsteller garantieren fernsehtaugliche Bühnenpräsenz
Die absolut hervorragenden Darsteller des Kaifenheimer Theatervereins garantieren auch in ihrem 20. Jubiläumsjahr einmal mehr fernsehtaugliche Bühnenpräsenz, die auch den Vergleich mit bekannten Spielhäusern nicht zu scheuen braucht. Allen voran Lothar Rink als Hauptdarsteller, dem die Rolle des „Mostrichfabrikanten“ förmlich auf den Leib geschrieben ist. Mit flötender Stimme und traumhaft sicherer Mimik begeistert Bettina Marx-Schwall als seine Gattin Emma Klinke - und Tochter Paula Klinke, alias Marina Johann, besticht mit jugendlicher Frische und feschem Auftritt. Als scheues Reh und zum Knuddeln liebevoll, präsentiert sich Anne Kaiser als ihre Freundin und Jakob Kaiser überzeugt in der Schwager-Rolle von Emma Klinke als lebenslustiger Zeitgenosse mit Köpfchen. Als raffinierter Frauentyp offenbart sich Strahlemann Kai Umminger (Dr. Fritz Gerlach), einer den jede Mutter gerne als Schwiegersohn hätte. Thomas Meiner, alias Stadtrat Gottlieb Meisel und Peter Schmitt in der Rolle des Abgeordneten Burwig, wissen ihren Part als beamtete Anzug- und Zylinderträger jener Jahrhundertwende in stocksteifer Präzision auszufüllen, während Andrea Rink als Meisel-Gattin mit herrlich vornehmem Etepetete das Publikum erfreut. Den eher einfältigen und hilflosen Anton Tiedemeyer gibt Hermann-Josef Schneider in toller Manier während Birgit Hammes als Haushälterin Marie herrlich brav aber auch verschlagen agiert. Als herausragend muss man abschließend den Auftritt von Jonas Junglas bezeichnen, der als junger und weltfremder „Studiosus“ Heinrich Meisel die wohl schwierigste Rolle im flotten Dreiakter von Franz Arnold und Ernst Bach mit Bravour meistert.
Resümierend ein Theater-Spektakel der Spitzenklasse, das seit seiner Berliner Premiere vor 100 Jahren, jetzt Kaifenheimer Luft schnuppert. TE
