Der Kommentar im Blick
Ein Mosel-Kritiker mit Scheuklappen auf den Augen....!!!
von Thomas Esser
„Sie haben den FAZ-Bericht vom 23.08.2013 noch nicht gelesen..?“ Dann sollten Sie sich diesen in einer Mußestunde doch einmal zu Gemüte führen. Unter dem Titel: „Abschied von gestern - Der Schönheit wohnt der Schrecken inne“ betätigt sich ein FAZ-Reise-Profi als bitterböser Kritiker, indem er speziell der Stadt Cochem und seinem touristischen Angebot eine massiv reinigende Sintflut an den Hals wünscht.
Cochems Gäste bezeichnet er wenig liebevoll als typisches RTL2-Publikum, die Stadt als Hochburg von Hartz IV-Empfängern und verleiht dem Wein das Prädikat „ungenießbar“. Im Übrigen lässt er, bis auf ein paar Ausnahmen, kein gutes Haar an den heimischen Gastronomie- und sämtlichen Winzer-Betrieben an der Mosel. Ein paar handverlesene Ausnahmen bezeichnet er „en Detail“ als absolute Spitzenklasse.
Er würde das Moseltal am liebsten als „Weltkulturmeile für Feinschmecker“ sehen und bezeichnet deren andersdenkende Anrainer, die nicht in sein angedachtes Schema hochwohlgeborener Gastlichkeit passen, als typische „Mosel-Ochsen“. Dieser äußerst elitäre Blickwinkel verengt aber allzu deutlich die Sicht auf Land und Leute an der Mosel und grenzt schon an Ignoranz. Lieber FAZ-Autor, benebelt vom Kochdunst der Sterne-Köche haben Sie offensichtlich übersehen, dass es neben den betuchten Touristen auch solche gibt, die sich gerne - und dies mit Überzeugung - ein 10-Euro-Gericht und einen Winzer-Schoppen für 3 Euro schmecken lassen.
Stellen Sie sich vor, auch im 21. Jahrhundert bleiben die Geschmäcker noch verschieden und den „Reichtum für alle“ gibt es nur in den Utopien einiger Spinner. Sie drücken aber hier einer Landschaft, den Anwohnern, den Betrieben, den Gästen und dem Wein einseitig einen Stempel auf, den sie nicht verdient haben.
Übrigens, wir „Mosel-Ochsen“ haben ein dickes Fell und sind vital. Von versnobten Wortakrobaten können und wollen wir eh nicht leben. Da sind uns doch nette und fröhliche Gäste sehr viel lieber, die erstaunlicherweise von überall auf der Welt herkommen. Deren „Moseltour“ beginnt dann kurz hinter der Mündung in Winningen und nicht nach 50 Kilometern kurz hinter der Mündung in Cochem. Hier verweilen sie dann höchstens die meiste Zeit von ihrem Aufenthalt in Deutschland, weil es ihnen in Cochem nebst Ferienland am besten gefällt. Sie interessieren sich für Land, Leute und Kultur und lassen sich den Moselwein in seiner ganzen Vielfalt munden. Dazu wollen sie gar kein Rumpsteak vom Kobe-Rind mit Trüffeln aus dem Périgord und grünem Baby-Spargel aus Kapstadt. Nein, sie wollen einfach in einer urigen Winzerwirtschaft, einem Café oder Restaurant, deren Angebot für normale Gäste und vor allem die Aussicht ins Moseltal genießen. Die meisten dieser Leute kommen sogar wieder, eben weil es ihnen im Moseltal, genauso wie es ist, hervorragend gefällt. Natürlich ist nicht alles Gold was glänzt, weder in der Eremitage noch im Fort Knox.
Davon macht auch unsere Mosel keine Ausnahme. Auch haben hier Leute und Landschaft etwas vom Flair der vergangenen 50 Jahre behalten. Wer mag es ihnen verdenken, wenn sie sich darin wohl und zuhause fühlen.
Manche Gäste kommen gerade deshalb hierhin, weil sie sich darin wohlfühlen. Kennen Sie übrigens das Umfrageergebnis bezüglich des Bekanntheitsgrades deutscher Städte vom New Yorker Times Square von 2011: „Nach Berlin, München, Frankfurt, Hambuch und Köln, wurde Cochem an 6. Stelle genannt. Weshalb wohl, wegen 5000 Einwohnern..?“
