Politik | 27.01.2015

Veranstaltungen am Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus in Koblenz

70. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz

Ausstellung "Es war eine Fahrt durch die Hölle" des Förderverein Mahnmal

Die Koblenzer Sinti-Familie Reinhardt mit dem Vater Karl Reinhardt (2.v.l.) und seinem Kind Daweli Reinhard (3.v.l.) um 1940. Förderverein Mahnmal Koblenz

Koblenz. Am 27. Januar jährt sich zum 70. Mal die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz. Dieser Tag wurde im Jahr 1996 - 50 Jahre danach - auf Initiative des damaligen Bundespräsidenten Roman Herzog zum Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus erklärt. Zehn Jahre später hat die Generalversammlung der Vereinten Nationen diesen Tag zum Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust proklamiert. Seitdem ist der 27. Januar eines jeden Jahres zwar kein offizieller „Feiertag“, aber ein Gedenktag, an dem die öffentlichen Gebäude beflaggt sein und an dem Gedenkveranstaltungen stattfinden sollen. Vorbildlich sind die Parlamente. Der Deutsche Bundestag gedenkt jedes Jahr in einer Sondersitzung dieses Ereignisses. Und auch der Landtag von Rheinland-Pfalz kommt allein aus diesem Anlass zu einer Sondersitzung zusammen. In deren Mittelpunkt stand und steht auch 2015 ein ehemaliges Opfer des Nationalsozialismus als Zeitzeuge. Auschwitz ist das Synonym für den Massenmord der Nazis an den europäischen Juden. Dieser Name und Begriff ist Ausdruck des Rassenwahns und das Kainsmal der deutschen Geschichte. An diesem Tag wird in besonderer Weise der Opfer des nationalsozialistischen Rassenwahns und Völkermordes und der Millionen Menschen, die durch das nationalsozialistische Regime entrechtet, verfolgt, gequält und ermordet wurden, gedacht. Das geschieht, weil die Erinnerung nicht enden darf, sie auch künftige Generationen zur Wachsamkeit und Toleranz mahnen soll. Den Opfern dieser Menschheitsverbrechen wird auch in Koblenz gedacht. Federführend ist der Förderverein Mahnmal Koblenz, zusammen mit der Christlich-Jüdischen Gesellschaft für Brüderlichkeit und der Stadt Koblenz. Die Veranstaltungen 2015 erinnern aus Anlass der 70. Wiederkehr der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz an Opfer aus Koblenz und Umgebung, die Verfolgung in den Konzentrationslagern von Auschwitz oder in anderen Konzentrations- und Vernichtungslagern.

Ausstellungseröffnung am 26. Januar

Diesen Opfern ist die vom Förderverein Mahnmal Koblenz selbst erarbeitete Ausstellung „’Es war eine Fahrt durch die Hölle.‘ Vor 70 Jahren: Befreiung des KZ Auschwitz“ gewidmet. Das Motto der Ausstellung ist den Erinnerungen der Koblenzer Jüdin Eva Salier entnommen. Sie überlebte die „Hölle von Auschwitz“, während ihre Mutter und Großmutter umgebracht wurden. Auf 20 Personentafeln gibt der Verein den Opfern ihren Namen zurück und stellt ihr Schicksal dar. Porträtiert werden jüdische Opfer, Sinti, Zeugen Jehovas, Zwangsarbeiter und eine evangelische Pfarrerstochter. Die Ausstellung wird am Montag, 26. Januar, um 18.30 Uhr in der CityKirche am Jesuitenplatz in der Altstadt eröffnet. Dort ist sie dann bis Mittwoch, 11. Februar, von 7.30 bis 19 Uhr (außerhalb der Gottesdienste) zu sehen.

Gedenkstunde am 27. Januar

Am 27. Januar selbst findet die Gedenkstunde der Stadt Koblenz statt. Sie beginnt um 17.30 Uhr mit einer Station am Mahnmal für die Opfer des Nationalsozialismus in Koblenz auf dem Reichensperger Platz unter Mitwirkung von Oberbürgermeister Prof. Dr. Hofmann-Göttig und Schülerinnen und Schülern der Diesterweg- und Hans-Zulliger-Schule. Sie wird gegen 18 Uhr fortgesetzt in der CityKirche mit Ansprachen des Oberbürgermeisters und des Vorsitzenden des Fördervereins Mahnmal Koblenz, einem Beitrag von Schülerinnen und dem Christlich-Jüdischen Gebet. Anschließend ist Gelegenheit, die Ausstellung zu besichtigen.

Filmvorführung am 9. Februar

Im Beiprogramm zur Ausstellung zeigt der Förderverein Mahnmal Koblenz am Montag, dem 9. Februar, um 19 Uhr in der CityKirche einen Film mit dem im letzten Jahr verstorbenen langjährigen Vorsitzenden der Jüdischen Kultusgemeinde Koblenz Dr. Heinz Kahn. Heinz Kahn war der einzige seiner Familie, der das Vernichtungslager Auschwitz überlebt hat. Seine Lebensgeschichte ist ein wichtiges Dokument des Lebens und Überlebens von Juden aus unserer Region. Zu allen Veranstaltungen, deren Besuch kostenlos ist, sind alle Interessierten herzlich eingeladen. Nähere Informationen gibt es im Internet unter: www.mahnmalkoblenz.de

Pressemitteilung

Förderverein Mahnmal für die

Opfer des Nationalsozialismus

in Koblenz e.V.

Eva Salier, jüdisches Mädchen aus Koblenz-Horchheim (2.v.l.) im Mai 1945.

Eva Salier, jüdisches Mädchen aus Koblenz-Horchheim (2.v.l.) im Mai 1945.

Die jüdische Familie Kahn aus Trier: Vater und Mutter Kahn, Heinz Kahn (lebte Jahrzehnte lang in Polch) und Schwester Gertrud, stehend die Assistenten des Tierarztes Dr. Kahn, Mitte der 1930er-Jahre.

Die jüdische Familie Kahn aus Trier: Vater und Mutter Kahn, Heinz Kahn (lebte Jahrzehnte lang in Polch) und Schwester Gertrud, stehend die Assistenten des Tierarztes Dr. Kahn, Mitte der 1930er-Jahre.

Die Koblenzer Sinti-Familie Reinhardt mit dem Vater Karl Reinhardt (2.v.l.) und seinem Kind Daweli Reinhard (3.v.l.) um 1940. Fotos: Förderverein Mahnmal Koblenz

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