Von Hadamar bis heute
Gedenkveranstaltung in der Citykirche - Lebenswelten von Menschen mit Beeinträchtigung vor
aus Koblenz
Koblenz. Von Hadamar bis heute Gedenkveranstaltung in der Koblenzer Citykirche - Heilerziehungspfleger aus dem Caritas-Haus Eulenhorst stellte die Lebenswelten von Menschen mit Beeinträchtigung vor
Es war ein ganz besonderer Nachmittag in der Koblenzer Citykirche. Ca. 80 Gäste folgten der Einladung von Johannes Szymanski. Der 28-Jährige absolvierte seine Ausbildung zum Heilerziehungspfleger im Haus Eulenhorst. In dem Wohnhaus der Koblenzer Caritas leben 38 Menschen mit geistiger Behinderung. „Politische Bildung und Teilhabe sind mir ein Herzensanliegen, im Sinne des Bundesteilhabegesetzes und der UN-Behindertenrechtskonvention“, sagt der Caritas-Mitarbeiter. Lebenswelten von Menschen mit Beeinträchtigung - von Hadamar bis heute: Zwei Bewohner aus dem Eulenhorst waren Hauptakteure der Gedenkveranstaltung, die Johannes Szymanski als Abschlussprojekt seiner Ausbildung initiierte.
Die bedrückende Geschichte von Hadamar
Zu Beginn der Veranstaltung berichtete Dr. Esther Abel, wissenschaftliche Dokumentarin der Gedenkstätte Hadamar, über die grausame Geschichte des Ortes, der zur Zeit der Nationalsozialisten eine von vielen Tötungsanstalten war. Tausende Menschen wurden aus rassistischen Gründen ermordet – politische Gegner, Homosexuelle, Wohnungslose oder Menschen mit Behinderung. Sie alle galten als „unbrauchbare“ Menschen. „Die Geschehnisse von damals sind uns eine Verpflichtung für heute und die Zukunft“, sagte Dr. Esther Abel. „Menschenwürde ist nicht verhandelbar.“
Menschenwürde oder Kostenfaktor
Wie haben sich die Lebenswelten seit den NS-Verbrechen verändert und was können wir gemeinsam für eine gute Zukunft tun? Um diese zentrale Fragestellung ging es in einer von Johannes Szymanski moderierten Gesprächsrunde, an der neben der Dokumentarin der Gedenkstätte auch Angela Platz und Werner Schmelzer teilnahmen. Beide gaben sehr persönliche Einblicke in ihr Leben: im Haus Eulenhorst, im Arbeitsalltag in der Rhein-Mosel-Werkstatt oder in der Freizeit. Angela Platz und Werner Schmelzer berichteten von Wertschätzung, Teilhabe und Selbstbestimmung – Rahmenbedingungen, die aktuell wieder zur Diskussion werden. „Teilhabe ist Menschenrecht, kein Luxus“, betonte der engagierte Auszubildende der Caritas. „Heute werden Menschen mit Unterstützungsbedarf im politischen Diskurs wieder als Kostenfaktor dargestellt, insbesondere vor dem Hintergrund unserer Geschichte eine untragbare und furchtbare Entwicklung.“
In diesem Kontext richteten Werner Schmelzer und Angela Platz einen eindrucksvollen Appell an alle Gäste, der aus der Citykirche hinaus an alle Menschen getragen werden sollte: „Wir freuen uns, dass so viele Gäste kamen, ein starkes Zeichen für den Zusammenhalt“, so Werner Schmelzer. „Wir müssen aus Hadamar lernen. Sowas darf nicht nochmal passieren.“ Angela Platz ergänzte: „Die Politik sollte bei der Barrierefreiheit an der Seite der Menschen mit Beeinträchtigung stehen, unabhängig davon, ob sie ambulant oder stationär unterstützt werden bzw. in der Familie leben.“ Langanhaltender Applaus war ein beeindruckender Beleg, dass dieser Appell an diesem Nachmittag in der Citykirche ankam.
Angela Platz und Werner Schmelzer gaben sehr persönliche und bewegende Einblicke in ihre Lebenswelten. Foto: Foto: Dr. Esther Abel
Dr. Esther Abel, wissenschaftliche Dokumentarin der Gedenkstätte Hadamar, berichtete über die grausame Geschichte des Ortes, der zur Zeit der Nationalsozialisten eine von vielen Tötungsanstalten war. Foto: Foto. Tobias Möllney
Johannes Szymanski, Heilerziehungspfleger aus dem Caritas-Haus Eulenhorst organisierte die Veranstaltung als Abschlussprojekt seiner Ausbildung. Foto: Foto: Tobias Möllney
Fotostrecke
Weitere Themen
Artikel melden
BLICK aktuell-Bilderrätsel: Folge 7
- Annika wald: Am Kinderspielplatz an der Ahr in Bad Neuenahr mit Blick auf den Fitnesspark.
- Lena: In Bad Neuenahr beim Fitnesspark in der Nähe vom Spielplatz
- Jörg: Gegenüberliegende Seite des Kurparks in Ahrweiler. Zu sehen ist die Fitnessstation. Im Kaiserin-Auguste-Viktoria-Park, Teichstraße 11, 53474 Bad Neuenahr-Ahrweiler
Spielplatz in Andernacher Südstadt soll Bauvorhaben weichen
- Realist86: Das ist doch mal wieder das perfekte beispiel dafür, weshalb man die Klimaapokalypsen-rhetorik nicht ernst nehmen sollte. Die "da oben, die uns das einreden glauben doch selber nicht daran! Sonst würden...
Abrisspläne in Andernach: Schutz der historischen Altstadt und regionaler Architektur
- Christoph Gerdom : Wohnraumvernichtung prägt dieses Vorhaben und nimmt dem Steinweg seinen besonderen Charakter.Erhalt und Umgang mit einer Historischen Altstadt sind dementsprechend dringend mit allen Mitteln Umzusetzen.
Luxuswohnungen am Rhein:
Remagener Stadtratsmitglieder diskutieren mit den Bürgern
Remagen. Wohnraum für alle, keine Luxuswohnungen am Rhein, für diese Forderungen stellten sich die Stadtratsmitglieder Antonio Lopez und Rolf Plewa in Remagen den Bürgern zur Diskussion. Auf reges Interesse stießen die Mitglieder von Grünen und der SPD auf dem Maisons-Laffitte-Platz. „Wir müssen dagegen sein, kommunalen Grund und Boden nahezu zu verschenken“, so Lopez. „Familien mit Kindern und Senioren...
Weiterlesen
Glaselemente an Bushaltestellen im Westerwald beschädigt
01.06.: Vandalismus in Meudt: Unbekannte zerstören Bushaltestellen
Meudt. Im Zeitraum von Sonntag, dem 31. Mai 2026, gegen 22:00 Uhr, bis Montag, dem 1. Juni 2026, um 6:17 Uhr, ereigneten sich mehrere Sachbeschädigungen an Bushaltestellen in der Gemeinde Meudt. Unbekannte Täter zerstörten die Glaselemente an drei verschiedenen Bushaltestellen.
Weiterlesen
Gefährliche Fahrt: Betrunken von Tankstelle davongefahren
31.05.: Zeuge verhindert Schlimmeres: Betrunkener Fahrer mit mehr als 2 Promille gestoppt
Diez. Am Sonntagabend gegen 18:30 Uhr ereignete sich ein Vorfall in Diez, bei dem ein Mann stark alkoholisiert mit seinem Auto das Gelände einer Tankstelle in der Wilhelmstraße verließ.
Weiterlesen
