Regionalgruppe 56 im Verein Deutsche Sprache
Ist es altmodisch, gutes und verständliches Deutsch zu sprechen?
Mitgliederversammlung der Regionalgruppe 56 im Verein Deutsche Sprache im Koblenzer Kurt-Esser-Haus am 21. Mai
Koblenz. Ob man Preise verteilt, Höhepunkte miterlebt, zum Ausverkauf oder überhaupt nur zum Einkaufsbummel geht oder ob eine Kaffeemaschine doppelt brüht - überall liest man von „Awards“, „Highlights“, „Sale“, „Shopping“ oder „Double-shot“. Englische Wörter sollen deutsche Mitteilungen aufmotzen, Verzeihung: aufpeppen, und zeigen in Wirklichkeit nur ein erschreckend geringes kulturelles Selbstbewusstsein, das seine Wurzeln in der jüngeren deutschen Geschichte hat. Auch früher gab es sprachzerstörendes Imponiergehabe, dessen Vertreter man vor 200 Jahren „Sprachmenger“ nannte, weil sie gutes Deutsch mit überflüssigen fremden Wörtern vermengten. Heute halten sich anscheinend viele Leute für weltläufig, wenn sie fremde Wörter nicht übersetzen, eine Entwicklung, die mit dem Abbau kultureller Inhalte des Schulunterrichts seit 1968 und dem Verlust historischen Bewusstseins im Sinne positiver „Geschichtserzählungen“ einhergeht. Wurde im Kaiserreich noch übersetzt und aus der „assembly line“ das „Fließband“, so wird heute andersherum sogar ersetzt, nämlich deutsche Wörter durch englische, wie etwa „Fälschung“ durch „Fake“ oder „Tagesordnung“ durch „Agenda“. Dabei wird zum Beispiel die an Anglizismen reiche Werbesprache („Denglisch“), wie jüngere Studien zeigen, von über vier Fünfteln aller Kunden gar nicht oder falsch verstanden: Die Werbemittel werden gleichsam aus dem Fenster geworfen, aber es scheint niemanden zu stören. Vor diesem Hintergrund beschäftigt sich die diesjährige Mitgliederversammlung der Regionalgruppe 56 des Vereins Deutsche Sprache erneut mit der Fortführung ihres Wettbewerbs „Werbewerke“. Der Regionalvorsitzende, Prof. Dr. Heinz-Günther Borck spricht über die seit 2008 jährlich mit wachsendem Widerhall durchgeführten sieben Wettbewerbe, in denen gute, mit den Begriffen der deutschen Sprache spielende und von denglischem Sprachmatsch freie Werbung gesucht und prämiert wurde.
Ein besonderer Glanzpunkt der Mitgliederversammlung am 21. Mai um 18 Uhr im Kurt-Esser-Haus Koblenz, Markenbildchenweg 1 sind wieder die künstlerischen Beiträge des europaweit auftretenden Bendorfer Liedermachers und Mundartdichters Manfred Pohlmann. Der Eintritt ist frei, Gäste sind willkommen.
Pressemitteilung
Verein Deutsche Sprache
