Keine Klimaanlagen in Schulen und Kitas:
Keine Klimaanlagen: Hitze sorgt in Schulen und Kitas für Stress
Region. Steigen die Temperaturen wie zuletzt im Juni 2026 auf sommerliche Höchstwerte, gibt es an vielen Schulen ein bewährtes Mittel: Hitzefrei. Doch was hilft, wenn es bereits am frühen Morgen in den Klassenräumen drückend warm ist und der Unterricht dennoch stattfinden muss?
Vor allem ältere Schul- und Kitagebäude geraten bei anhaltender Hitze schnell an ihre Grenzen. Viele Räume heizen sich innerhalb weniger Stunden stark auf, eine technische Kühlung fehlt häufig. Ventilatoren sorgen allenfalls für etwas Luftbewegung, während sich Schülerinnen und Schüler mit selbst gebastelten Papierfächern behelfen. Was früher eine Ausnahme war, gehört mittlerweile in manchen Klassen fast so selbstverständlich zum Unterricht wie Geodreieck oder Vokabelheft.
Auch in Kindertagesstätten stellt die zunehmende Sommerhitze Kinder und Beschäftigte vor immer größere Herausforderungen. Mit den häufiger auftretenden Hitzewellen wächst der Handlungsdruck, denn angenehme Lern- und Betreuungsbedingungen lassen sich längst nicht mehr allein durch Lüften oder Verdunkeln gewährleisten.
Dabei existieren bereits Fördermöglichkeiten. In Nordrhein-Westfalen können Kommunen beispielsweise das Förderprogramm des Bundes zur Klimaanpassung nutzen. Gefördert werden unter anderem Klimaanpassungskonzepte sowie Maßnahmen wie Dach- und Fassadenbegrünungen, Regenwasserspeicher, schattenspendende Pavillons, Sonnensegel oder Wasserspielplätze. Solche Investitionen können Schulhöfe und Kitagelände langfristig klimaresilienter gestalten und die Aufenthaltsqualität verbessern.
Doch vielen Eltern sowie Schülerinnen und Schülern gehen diese Maßnahmen nicht weit genug. Mit jeder neuen Hitzewelle wird der Ruf nach Klimaanlagen in Klassenräumen lauter. Was spricht also für – und was gegen – den Einsatz moderner Klimatechnik in Schulen und Kitas? BLICK aktuell hat bei Verantwortlichen aus der Region nachgefragt.
Klimaanlagen wären wünschenswert
Für Dr. Klaus Müller, Leiter der Berufsbildenden Schule Bad Neuenahr-Ahrweiler, sind die Erfahrungen eindeutig. Nach der Ahrtalflut werden rund zwei Drittel der Klassen in provisorischen Leichtmetallhallen unterrichtet. Nachdem es zunächst Probleme bei der Beheizung gegeben hatte, wurden die Räume im vergangenen Jahr mit dezentralen Split-Klimageräten ausgestattet, die im Winter heizen und im Sommer kühlen können.
„In Folge gab es an unserer Schule in diesem Jahr kein Hitzefrei“, berichtet Müller. Besonders in den Nachmittagsstunden hätten ausreichend angenehm temperierte Klassenräume zur Verfügung gestanden. Die provisorischen Gebäude, sonst eher unbeliebt, seien während der heißen Tage besonders gefragt gewesen. Aus seiner Sicht ist die Klimatisierung von Schulgebäuden deshalb „sehr wünschenswert“. Nur so könne auch während längerer Hitzeperioden ein uneingeschränkter Unterricht gewährleistet werden. Für die Zukunft wünscht er sich, dass auch die neu aufgebauten Schulgebäude über klimatisierte Räume verfügen – idealerweise betrieben mit Strom aus eigenen Photovoltaikanlagen.
Hitze belastet alle
Auch Eva Schlaf, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit der Katholischen KiTa gGmbH Koblenz, sieht dringenden Handlungsbedarf. Die aktuelle Hitzewelle belaste Kinder, Eltern und Mitarbeitende gleichermaßen. Angesichts des Klimawandels werde man solchen Wetterlagen künftig immer häufiger begegnen.
Zwar setzten die Einrichtungen bereits auf zahlreiche Maßnahmen wie Verschattung oder andere Möglichkeiten zur Senkung der Raumtemperatur. Langfristig würden diese jedoch voraussichtlich nicht immer ausreichen, um ein angenehmes Raumklima sicherzustellen. Aus ihrer Sicht müsse die Politik die Schaffung guter Lern- und Betreuungsbedingungen während Hitzeperioden stärker in den Blick nehmen – auch unter dem Aspekt des Kinderschutzes. Gleichzeitig dürfe die Verantwortung nicht allein auf die Gebäudeträger abgewälzt werden. Viele Kommunen verfügten schlicht nicht über die finanziellen Mittel für fest installierte Klimaanlagen, während mobile Geräte häufig keine praktikable Lösung darstellten. Letztlich, so Schlaf, stelle sich die gesellschaftliche Frage, welchen Stellenwert gute Bedingungen für Kinder und Jugendliche in den Räumen haben, in denen sie täglich viele Stunden verbringen.
Umdenken erforderlich
Einen ähnlichen Ansatz verfolgt Carl Josef Reitz, Schulleiter des Bischöflichen Cusanus-Gymnasiums Koblenz. Für ihn macht die steigende Zahl an Hitzetagen ein Umdenken erforderlich. Neben einer weiteren Begrünung des Schulgeländes, möglichst auch der Fassaden, und konsequenten Verdunkelungsmöglichkeiten sieht er insbesondere für Räume an der Südseite sowie in den oberen Stockwerken den Einsatz von Klimageräten als sinnvoll an.
Ein entscheidender Vorteil seiner Schule sei die vorhandene Photovoltaikanlage. Diese produziere in den Sommermonaten so viel überschüssigen Strom, dass Klimageräte mit selbst erzeugter Sonnenenergie nahezu kostenfrei und zugleich CO2-frei betrieben werden könnten. Nun hoffe man, dieses Vorhaben in den kommenden Jahren technisch umsetzen zu können. ROB
Vor allem ältere Schul- und Kitagebäude geraten bei anhaltender Hitze schnell an ihre Grenzen. Foto: pixabay.com