Radweg Koblenz Natur
Koblenz: Kritik an Baumfällungen für Radwegerweiterung am Moselufer
aus Koblenz
Koblenz. Am Koblenzer Moselufer sollen Bäume für eine Verbreiterung des Radwegs gefällt werden.
„Hier wird wirkliche Natur zerstört“
Es gibt zertifizierte Sachverständige oder Beschäftigte einer Stadtverwaltung, die Bäume bewerten. Damit ist wohl klar, woher der Wind weht. Wenn dann die Einstufung einer Linde schon mehrere Jahre alt ist, stellen sich Fragen wie: Wurde das Baumkataster schlampig geführt? Wurde die Baumpflege vernachlässigt? Es erscheint auch unwahrscheinlich, dass die Vitalität einer Linde innerhalb mehrerer Jahre von Stufe 1 in Stufe 2-3 abfällt.
Mehr in den Vordergrund stellen muss man das erklärte Ziel des Landes, dass bis zur Buga 2029 ein durchgängiges Fahrrad-Wegenetz vorhanden sein soll. Die Landesregierung wird darum kämpfen, das sicherzustellen. Nachzulesen im Protokoll des Landtages, Ausschuss Verkehr, vom 4. September 2026, TOP 7. Eine weitere große Rolle spielt die Förderung für den verbreiterten Radweg. Die Kosten von circa 4,1 Millionen Euro werden mit mindestens 65 Prozent bis höchstens 90 Prozent bezuschusst.
Wenn eine Stadt für Geld ihre Seele verkauft, steht meist der erwartete finanzielle Gewinn im krassen Widerspruch zu den langfristigen Werten, der Identität und der Lebensqualität der Gemeinschaft. Dieser Zustand beschreibt die schmerzhafte Erfahrung, wie die Gier nach Einnahmen die sozialen und kulturellen Grundlagen von Moselweils zerstören werden. Die Fahrrad-Touristen werden die Einheimischen vom Moselufer verdrängen. Der stetig steigende Fahrradverkehr wird eine gemeinsame Nutzung von Fuß und Rad erschweren, sodass letztendlich die Fußgänger den Weg nur auf eigene Gefahr betreten können.
Letztlich ist der Auslöser die Buga 2029. Hier wird die wirkliche Natur zerstört, um eine Kunstnatur zu schaffen. Dafür werden alte Bäume gefällt, Biotope zerstört und Flächen versiegelt. Es wird Geld in touristische Großprojekte investiert, anstatt die grundlegende Infrastruktur der Bürger zu sichern. Den Verantwortlichen in ihrer unendlichen Weisheit sei gedankt.
Text von Ulf Hartmann