In Kenia betreibt der Koblenzer Verein Friedenskinder eine Vorschule und eine „Primary-School“
Mit vollem Bauch lernt sich’s besser
Koblenz/Nakuru (Kenia). Die Herbstferien verbrachte Petra Schmidt-Sauer nicht etwa „chillend“ auf dem Sofa. Nein, wie schon in den Jahren zuvor flog die Förderschullehrerin mit weiteren Mitarbeitern der Hilfsorganisation „Friedenskinder Koblenz“ für zwei Wochen nach Kenia, um das Schulprojekt des Vereins in der Stadt Nakuru weiter voranzubringen. Anfang November war es wieder so weit.
„Unser Verein unterhält in Nakuru eine Vorschule, die „Mirisa-Academy“ und seit knapp zwei Jahren auch eine Primary-School“, berichtet die Projektleiterin. Eine Primary-School - das ist im kenianischen Schulsystem eine Art Gesamtschule für Schüler der Klassenstufen eins bis acht. „Unser Ziel ist es, den Mädchen und Jungen in unseren beiden Einrichtungen eine unbeschwerte Schulzeit zu ermöglichen“, betont sie. „Vor allem in Kenia gilt: Wer eine gute Schulbildung vorweisen kann, hat auf dem hart umkämpften Arbeitsmarkt viel bessere Chancen.“
Da die Friedenskinder nicht nur für die Gewährleistung des Unterrichts, sondern auch für den Bau und die Instandsetzung der Schulgebäude verantwortlich zeichnen, sind unter den Kenia-Reisenden immer auch einige handwerklich und technisch versierte Helfer. Petra Schmidt-Sauers Mann Paul Sauer etwa, ein Straßenbauer-Meister mit eigenem Betrieb in Koblenz, setzt seine baulichen Fähigkeiten schon seit über zehn Jahren zum Wohl von Menschen in Kenia ein.
Anfangs, indem er mit Schülern der Berufsbildenden Schule Betzdorf-Kirchen und deren Lehrer Paul Rink einen riesigen Wasserbehälter für die Grundwasserversorgung baute sowie zwei Jahre später die Mirisa-Academy. Beim diesjährigen Einsatz indessen stand ein ausgeklügeltes Be- und Entwässerungssystem für die Primary-School auf dem Programm. „Es ging darum, Regenwasser nutzbar zu machen, das bis dahin einfach im Boden versickerte“, erzählt Friedenskinder-Vorstandsmitglied Karl-Heinz Schuster, der der fünfköpfigen Projektgruppe angehörte.
Reiche Ernte im Schulgarten
Die mühsame ehrenamtliche Arbeit der Helfer zahlte sich aus: Das kostbare Nass versickert nun nicht mehr im kargen Boden, sondern wird in mehreren 10.000-Liter-Tanks gesammelt und für die Bewässerung des schuleigenen Gemüsegartens genutzt. „Der Schulgarten ist sehr ertragreich“, freut sich Petra Schmidt-Sauer. „Geerntet werden dicke Kohlköpfe, Karotten, Zwiebeln, Zucchini und Kürbisse. Papaya-Bäume liefern zusätzlich vitaminreiches Obst für die Kinder.“
Überhaupt ist das Thema „Essen“ von zentraler Bedeutung für das Projekt. „Unsere Schulen befinden sich in einem ländlich geprägten Gebiet am Stadtrand von Nakuru. Die Menschen dort leben in einfachsten Verhältnissen, manche am Existenzminimum. Die meisten Familien sind kinderreich. Da ist es für viele Eltern ein Segen, dass ihre Kinder in unseren Schulen nicht nur guten Unterricht, sondern auch täglich ein Frühstück und ein warmes Mittagessen erhalten.“
Eine weitere Leistung, für die die Friedenskinder gerade stehen, ist die medizinische Grundversorgung der Kinder. Auch für sämtliche Personalkosten - es arbeiten ausschließlich Kenianer an den beiden Schulen - kommen die Friedenskinder und ihre Förderer auf.
Die Mirisa-Academy wird derzeit von etwa 90 Kinder im Alter von drei bis sechs Jahren besucht. Weitere 60 Kinder lernen in der Primary-School. Tendenz klar steigend: „Als wir und unsere kenianischen Partner die Schule vor knapp zwei Jahren eröffneten, haben wir mit einer ersten Klasse angefangen“, sagt Paul Sauer. Die Jungs und Mädchen dieser Klassenstufe hatten zuvor die Mirisa-Academy besucht. „Inzwischen sind aus den Kindern unsere Zweitklässler geworden, während 30 weitere Kinder seit Anfang dieses Jahres die neuen Erstklässler sind.“ Im kommenden Januar geht abermals eine neue erste Klasse an den Start. Voraussichtlich 2021 sind alle acht Klassen vollzählig.
„Unser Verein hat in Kenia eine verantwortungsvolle Aufgabe übernommen“, sind sich Paul und Petra Sauer bewusst. Die Schule wächst, so auch die Kosten, die mit Hilfe von Schulpatenschaften und Spenden abgedeckt werden müssen. Bei den Friedenskindern nutzen sie deshalb jede Gelegenheit, um andere für ihr Projekt zu begeistern oder sogar als Förderer zu gewinnen.
„Wer fröhliche Kinder, motivierte Lehrer, Köchinnen, Gärtner und viele dankbare Eltern erleben möchte, der sollte einmal mit nach Nakuru kommen“, empfiehlt Karl-Heinz Schuster. Oder: Man schreibt den Mädchen und Jungen der Mirisa-Schulen einen schönen Brief, wie das bereits einige Koblenzer Grundschulklassen tun. „Post aus Deutschland kommt in Kenia immer gut an und bleibt auch nie lange unbeantwortet“, weiß Petra Schmidt-Sauer. Die jüngsten Antwortschreiben aus Nakuru hatte sie gleich nach ihrer Rückkehr aus Afrika an die entsprechenden Klassen weitergeleitet.
Kontakt:
Friedenskinder Koblenz e.V.
Bernd Wangelin (Vorsitzender)
Telefon: 0261-72844
E-Mail: bernd.wangelin@friedenskinder.de
Internet: www.friedenskinder.de
Bankverbindung:
Sparkasse Koblenz
IBAN: DE 1957 0501 2000 0021 1011
BIC: MALADE51KOB
In beiden kenianischen Friedenskinder-Schulen erhält jedes Kind ein warmes Mittagessen.
Diese Kinder besuchen die erste Klasse der Primary-School.
Kenia-Projektleiter Paul Sauer (links) und Friedenskinder-Mitarbeiter Heinz Tenbrink mit einem kenianischen Handwerker beim Bau der Primary-School.
