Demonstration gegen Honorar-Kürzungen
Protest in Koblenz gegen Honorar-Kürzungen in Psychotherapie und lange Wartezeiten
aus Koblenz
Koblenz. Monate lange Wartezeiten auf einen Psychotherapieplatz sind für viele Menschen zur täglichen Belastung geworden – mit teils gravierenden Folgen für die Gesundheit. Unter dem Motto „Wir helfen, Ihr kürzt“ fand am Freitag, 27. März 2026, um 16 Uhr am Löhrrondell eine Demonstration gegen die inzwischen vom Bewertungsausschuss beschlossenen Honorar-Kürzungen in der Psychotherapie statt, die seit dem 1. April gelten.
Die Aktion wurde von Anna-Elisabeth Burkard und Dr. Juliane Lessing organisiert. Rund 225 Demonstrierende – darunter Bürgerinnen sowie Psychotherapeutinnen – versammelten sich, um auf die angespannte Versorgungssituation aufmerksam zu machen.
Im Zentrum der Veranstaltung stand eine symbolische Warteschlange, die rund um das Löhrrondell inszeniert wurde. Sie verdeutlichte eindrücklich, womit viele Betroffene täglich konfrontiert sind: lange, zermürbende Wege bis zum Beginn einer dringend benötigten Therapie. Die Organisatorinnen warnten, dass die Honorar-Kürzungen die Situation weiter verschärfen könnten. Sinkende finanzielle Anreize könnten dazu führen, dass weniger Therapeutinnen und Therapeuten Behandlungsplätze anbieten – mit direkten Folgen für Menschen in akuten Krisen.
In Redebeiträgen wurde betont, dass der Bedarf an psychotherapeutischer Unterstützung in den vergangenen Jahren stark gestiegen ist. Gleichzeitig stoße das bestehende System zunehmend an seine Grenzen. Ein Koblenzer Psychotherapeut brachte es auf den Punkt:
„Wer an Psychotherapie spart, spart an Menschen – und das ist nicht nur unsozial, sondern verantwortungslos.“
Auch Anna-Elisabeth Burkard richtete sich mit deutlichen Worten an die Gesundheitspolitik:
„Liebe Gesundheitspolitik, wir haben ein Problem. Es wurde viel zugesagt – jetzt ist es Zeit für eine echte Krisenintervention.“
Im Anschluss an die Reden kamen auch Patientinnen und Patienten zu Wort. Sie schilderten eindrücklich ihre Erfahrungen – von langen Wartezeiten über Unsicherheit bis hin zu existenziellen Belastungen – und hoben zugleich die lebensverändernde Bedeutung psychotherapeutischer Hilfe hervor.
Zudem wurde kritisiert, dass es kein Zufall sei, dass gerade in einem überwiegend weiblich geprägten Berufsfeld wie der Psychotherapie Einsparungen diskutiert werden.
Die Demonstrierenden forderten die Verantwortlichen auf, die Kürzungen zu überdenken und stattdessen in den Ausbau der psychotherapeutischen Versorgung zu investieren. Nur so könne sichergestellt werden, dass Menschen in Krisensituationen rechtzeitig Hilfe erhalten.
Die Demonstration am Löhrrondell setzte ein sichtbares Zeichen für bessere Rahmenbedingungen, mehr Wertschätzung psychischer Gesundheit und eine verlässliche Versorgung. Zahlreiche Passantinnen und Passanten blieben stehen, um die symbolische Warteschlange zu betrachten und mit den Organisatorinnen ins Gespräch zu kommen.
Rund 250 Demonstrierende versammeln sich in Koblenz zum Protest gegen die Kürzungen. Foto: Silvin Müller
