Lokalsport | 13.12.2012

Rückschau auf eine schwierige Zeit

TuS Koblenz kämpft weiter mit den Finanzen - Sportlich läuft es ganz gut

Blick auf die Zuhörer bei der Mitgliederversammlung.

Koblenz. Sportlich gesehen ist die Sache im Lot, den angestrebten einstelligen Tabellenplatz hat die TuS Koblenz in der Regionalliga Südwest erreicht. Keine entwarnende Nachricht gibt es hingegen bei den Finanzen, die Lage bleibt kritisch. Bei der jüngsten Mitgliederversammlung im Best Western Hotel in Lahnstein wurde in mehreren Reden die Leistung jener gewürdigt, die mit hohem persönlichen Einsatz den Verein funktionstüchtig halten. Und das unter schwierigen Bedingungen.

Präsident Werner Hecker konnte aus gesundheitlichen Gründen der Versammlung nicht beiwohnen, in seiner Vertretung wickelte der Vize-Präsident Finanzen die Regularien ab. Dirk Feldhausen trug auch den von Hecker erstellten Rechenschaftsbericht vor, zu Beginn hatte er ein Grußwort von Innenminister Roger Lewentz verlesen, der der TuS eng verbunden ist. Im Bericht des Präsidenten wurden die Mitglieder an die Situation im Juni 2011 erinnert, als die Insolvenz abwendet werden konnte und sich der Verein in die Regionalliga zurückstufen ließ.

Entstehung eines Zusammengehörigkeitsgefühls

Zunächst stand der Verein ohne Trainer, Spieler und Geschäftsführung da. Den Spielbetrieb trotz der fehlenden Rahmenbedingungen sicherzustellen war ein Kraftakt und er ist mit etlichen Persönlichkeiten verbunden, die sich mit vollem Einsatz an die Arbeit machten. Im Bericht wurde an erster Stelle Frank Linnig genannt, die „tragende Säule des Vereins“, aber es folgten noch einige andere Namen. Die TuS habe in den vergangenen zwölf Monaten den Blick nach vorn gerichtet, ein Leitbild und einen Markenkern entwickelt. Es sei ein Zusammengehörigkeitsgefühl vieler entstanden, das die TuS in dieser Form noch nicht hatte. Als wichtige Errungenschaft wurde im Bericht auch das Nachwuchsleistungszentrum genannt, erstmals sei auch eine Jahrespressekonferenz durchgeführt worden. Unter dem finanziellen Druck wurde die Geschäftsstelle am Altlöhrtor aufgegeben und personell stark verkleinert, sie ist jetzt auf dem Stadiongelände untergebracht. Mit Ulrich Schulte-Wissermann wurde ein weiterer Geschäftsführer installiert, der Thomas Theisen entlastet. Ein nach wie vor ungelöstes Problem ist die wirtschaftliche Lage des Vereins, man befinde sich allerdings in aussichtsreichen Gesprächen mit den Großgläubigern.

Trainerwechsel

Auf der sportlichen Seite habe die erste Mannschaft nicht so konstant gespielt, wie die Verantwortlichen sich das erhofft hatten. Dieser Umstand habe zur Trennung von Trainer Michael Dämgen geführt, dessen Verdienste um den Verein, die undankbare Aufgabe, der sich im Sommer 2011 gegenübersah, allerdings gewürdigt wurden. Lobende Worte fand der Präsident für die Arbeit des neuen Trainers Peter Neustädter, der dem Team neues Selbstvertrauen verschafft habe. Der siebte Platz nach der Hinrunde sei aller Ehren wert. Der Dank galt auch dem Trainerstab. Zwei Mal wurden die „Ballkontakte“ durchgeführt, mit dieser Veranstaltungsserie will die TuS stärker in den Fokus der Öffentlichkeit rücken. Ein Highlight sei die Veranstaltung mit Hans-Joachim Watzke, Chef des Deutschen Meisters Borussia Dortmund, gewesen. Ein Lob gab es für die TuS Sportstiftung, die das Umkleidegebäude in einen vorzeigbaren Zustand gebracht hat. Auch für die Unterstützung, welche die Stadt Koblenz leistet, zeigt sich die TuS dankbar.

Optimistisch in die Zukunft

Unter dem Strich sieht der Präsident optimistischer in die Zukunft als in der jüngsten Vergangenheit. Mittel- und langfristig werde die Sanierung des Vereins jedoch keine leichte Aufgabe, auch wenn eine schwierige Zeit bereits überstanden sei.

Keine wesentliche Kritik ergab der Kassenbericht, den Manfred Diehl

erstattete. Vize-Präsident Joachim Benner, zuständig für Jugend und

Sport, sagte in seinem Bericht, die TuS sei bei ihrem Bemühen, Jugend und Profibereich näher zu führen, auf einem guten Weg. Das

Nachwuchszentrum sei darauf ausgelegt, dem Verein langfristig zu helfen. Im Bericht des Verwaltungsrats ließ Norbert Weise unter anderem die Bereitschaft des Verwaltungsrats erkennen, an einem neuen Wirtschaftskonzept mitzuwirken, falls dies gewünscht werde. Das gemeinsame Ziel müsse lauten, die TuS aus dem Mittelmaß herauszubringen.

Ein ereignisreiches Jahr

Von einem ereignisreichen Jahr mit wesentlichen Umstrukturierungen berichtete Ulrich Schulte-Wissermann für die TuS GmbH. Die Geschäftsstelle wurde von 15 auf zwei vollamtliche Mitarbeiter reduziert. Etliche ehrenamtliche Helfer sind eingesprungen, um den weiterhin recht hohen Arbeitsaufwand bewältigen zu können. Vermarktung und Sponsorensuche werden in Eigenregie durchgeführt. Die GmbH sieht Schulte-Wissermann als einen Teil des Vereins, eine Trennung von GmbH und eingetragenem Verein dürfe es gedanklich nicht geben. Diese Gemeinsamkeit bewertete der Redner als wichtige Voraussetzung, um die Zukunftsziele zu erreichen.

Sportlich sei dies die Rückkehr in die dritte Liga, in den beiden nächsten Spielzeiten wolle der Verein oben angreifen: „Wir wollen nicht die Regionalliga verwalten!“ Wichtig sei dabei, perspektivisch zu denken und Geduld aufzubringen. Und auch die eigene Jugendarbeit schätzt Schulte-Wissermann bedeutend ein, da der Verein nicht in der Lage sei, teure Transfers zu stemmen. Ziel für die kommende Spielrunde sei es, den aktuellen Kader zu halten. So unterschrieb Stammkeeper Dieter Paucken unter dem Beifall der Anwesenden einen neuen Vertrag, der bis Juni 2015 gilt. Um den Regionalliga-Spielbetrieb zu ermöglichen, sei man mit einer finanziellen Unterdeckung in die Runde gegangen, die man allerdings möglichst schnell wieder glätten will.

Leicht erhöht wurden die Mitgliedsbeiträge. Erwachsene zahlen 90 Euro im Jahr statt bisher 75, Familien 120 (90) und Jugendliche 30 (bisher 60 Euro). Erhoben wird ferner eine Ausbildungsentschädigung für Jugendliche im Ausbildungszentrum, von der sich der Verein eine geschätzte Einnahme von 15 900 Euro erhofft. In Härtefällen wird es Befreiungsmöglichkeiten geben.

UKO

Blick auf die Zuhörer bei der Mitgliederversammlung.

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