Rückbau der ehemaligen Fritsch Kaserne
Stadtquartier Ellinger Höhe: ein „Blick hinter den Zaun“
Koblenz. Auf der Niederberger Höhe, dem Gelände der ehemaligen Fritsch Kaserne, entsteht für die Zukunft neuer Wohnraum.
Das Kasernengelände, welches 1937 bebaut und wo im Jahr 1998 die letzten Soldaten abgezogen wurden wird nun das Stadtquartier „Ellinger Höhe“ gebaut.
Die BPD Immobilienentwicklung GmbH gewährte uns jetzt auf Anfrage einen Blick hinter den Zaun um die aufwändigen Rückbauarbeiten zu besichtigen. Adrian Jukic, Projektverantwortlicher der BPD, erklärte ausführlich den Ablauf des Rückbaus und Bauleiter Thilo Grünebaum von der Wilhelm Knepper GmbH & Co. KG führte eine Besichtigung durch um unseren Lesern das Ausmaß und den jetzigen Baustellenzustand zu zeigen.
Oberste Priorität auf dem Gelände ist, so wenig wie möglich Material aus dem riesigen Areal hinaus zu bringen. Beim Betreten des über 12,5 Hektar (125000 qm) großen, ehemaligen Kasernengeländes fällt sofort die genau geordnete Menge an verschiedensten Baustoffen auf. Sortiert liegen hier riesige Steinbrocken, welche später zerkleinert für die verschiedensten Zwecke wiederverwendet werden. Es geht hier nicht nur um Abriss und Abtransport, sondern um die genaue Trennung zum Beispiel von ehemaligen steinernen und schon zerkleinerten Bodenplatten, Bimssteinen, Eisenträger, verschiedenste Schrottarten, großen Metalltanks und Kunststoffen. Zeitweise werden Materialien auch per Hand sortiert um eine größtmögliche und genaue Sortierung zu gewährleisten. Schrott und Kunststoffe werden aus dem Gelände entfernt und der Wiederverwertung zugeführt.
Um den steinernen Bauschutt wie zum Beispiel Betonbruch, Mauerwerk, Naturstein und Mörtel nach Wunsch zu verarbeiten ist der sogenannte „Brecher“ Kleemann EVO 3 verantwortlich. Diese kompakte Maschine wird ständig per Bagger mit grobem Material gefüttert und zerkleinert so wie gewünscht wird. Zusätzlich sortiert die Anlage noch kleinere Metall- und Kunststoffteile per Magnet und Gebläse aus, bevor das zerkleinerte Material über Siebanlagen und sogenannte Haldenbänder auf kleine Hügel verteilt werden. Hier lagern nun kleinere Steinsegmente und grober bis feiner Sand. Separiert wird bis zum letzten Krümel und so viel wie möglich Baustoffe bleiben hier. Bimssteine gehen nach draußen um der Wiederverwertung in der Natursteinproduktion zugeführt zu werden.
Seit Juni 2025 wird in verschiedensten Arbeitsschritten dafür gesorgt, dass der Rückbau wieder Material zum Auffüllen und Bauen liefert. Von großen Halden kann später wahlweise wieder passendes Material für den Neubau abgerufen werden. Dieser Aufwand hat auch den Vorteil, dass täglich nur wenige Lkw den Platz an und abfahren müssen. Begleitet wird die Baustelle durch die Kampfmittelbeseitigung, falls Überraschungen auftreten sollten. Schon vor Beginn der Arbeiten wurden Bodenflächen saniert, um Kontaminierung zu vermeiden. Ständig werden die Rückbauarbeiten durch Gutachter beobachtet und begleitet.
Ein wichtiges Thema ist auch die Beachtung des Artenschutzes und die Sicherung von größeren Bäumen, welche später im neu errichteten Stadtquartier wieder die grünen Flächen ergänzen sollen. Ein interessantes Detail, welches vor einiger Zeit aus der Kaserne zum Vorschein kam, sind unterirdische Betonröhren die als Kriechkeller jedes der ehemaligen Gebäude miteinander verbunden haben. Diese Röhren dienten der Sicherheit für die Soldaten im Ernstfall. Elektrischen Strom beziehen die Maschinen während des Rückbaus noch aus einer alten Traffostation, die so lange wie möglich bis zum Abriss verwendet wird.
Das einzige Gebäude, welches stehen bleiben und renoviert werden könnte, ist die ehemalige „Wache“, Haus Nr. 21A, dass zentral im Quartier steht und später temporär oder langfristig einer zentralen Verwendung zugeführt werden könnte.
Nach den hiermit erfahrenen Erkenntnissen, dem Blick über den Zaun, ist es umso spannender die weitere Entwicklung bis zum fertigen Stadtquartier „Ellinger Höhe“ mitzuerleben. SCH
Vom Kasernengelände zum modernen Wohnraum. Foto: SCH
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