21.Rheinschwimmen des Kanuclubs Unkel
672 Rheinschwimmer trotzten dem Wetter
Unkel. Die Entscheidung, ob das traditionelle Rheinschwimmen stattfinden sollte, hatte sich der Kanu Club Unkel nicht leicht gemacht. „Wir haben lange überlegt, ob wir die 21. Veranstaltung aus Sicherheitsgründen nicht doch absagen sollten. Aber nachdem der Wasserstand stetig gesunken ist, haben wir uns entschieden, beide Staffeln starten zu lassen“, berichtete die 2. Vorsitzende des Vereins, Jasmin Schlubowski, eine knappe Stunde vor dem Start. Da waren bereits die ersten Rheinschwimmer an der NATO-Rampe angekommen. In Ringel-Badeanzug des 19. Jahrhunderts oder Thermopenanzug, mit Kapitänsmütze oder Frosch-Badekappe, Flossen oder Luftmatratze, der Fantasie waren keine Grenzen gesetzt, waren Schwimmhilfen jeglicher Art doch ausdrücklich erlaubt.
„Aus Sicherheitsgründen haben wir das Mindestalter von sechs auf zwölf Jahre angehoben, weil die Strömung bei einem Pegelstand von 3,53 Metern sehr stark ist. Außerdem wurde die Teilnehmerzahl bei den Staffeln auf je 350 Schwimmer begrenzt“, so Jasmin Schlubowski, während sich etliche ihrer Vereinskameraden bereits in ihren Kanuten auf den Rhein zu den Booten der Erpeler und Unkeler Feuerwehr begeben hatten, die auf dem Wasser zudem vom THW unterstützt wurde, während an Land das DRK Gewehr bei Fuß stand.
„Wir freuen uns sehr, dass sich trotz des Wetters so Viele das Naturerlebnis in den Wellen des Rheins nicht entgehen lassen wollen. Aber wir haben doch einige Bitten. Halten Sie sich so nah wie möglich am Ufer und befolgen Sie unbedingt die Anweisung aus den Booten. Diese dienen ausschließlich Ihrer Sicherheit angesichts der Strömung, die bei einem Pegelstand in Unkel von 3,53 Metern doch sehr stark ist“, bat die 2. Vorsitzende die Schwimmer. Außerdem mussten sich die Schwimmer, welche die drei Kilometer lange Strecke möglichst schnell hinter sich bringen wollten, beim Start am Ende der Teilnehmer-Schlange einreihen. Der Grund: „Wenn Sie vorneweg schwimmen, würde das Teilnehmerfeld so weit auseinandergezogen, dass die dann verstreuten Begleitboote kaum alle Rheinschwimmer genau im Auge behalten könnten“, erklärte Jasmin Schlubowski, während die Unkeler Barhocker in ihrem Boot auf dem Rhein gerade das Gospel „Oh when the saints go marching in“ beendeten. Das war quasi das Signal für inzwischen genau 342 Schwimmer, die ungewohnt kurze Strecke der NATO-Rampe hinabzumarschieren, um sich jubelnd in die über 20 Grad warmen Fluten des Flusses gleiten zu lassen.
Da war ihnen noch auf den Weg gegeben worden, dass Wanderwart Jörg Euskirchen sie 100 Meter vor dem Clubheim in die extrem schmale Zielzone einweisen werde. Vom Strand des ehemaligen Unkeler Rheinschwimmbads war wirklich nicht mehr viel zu sehen, hatte sich an dem doch der Fluss in ausufernder Breite bequem gemacht. „Nehmen Sie es nicht persönlich, wenn Sie in forschem Ton aufgefordert werden, über den ausgelegten Teppich schnell die Böschung zu den Duschen und Schluckimpfung hinaufzugehe n. Nur so haben wir genügend Platz für die nachkommenden Schwimmer“, hatte Jasmin Schlubowski die Teilnehmer um Verständnis gebeten.
Die Ersten konnten KC-Vorsitzender Bernd Richarz und Moderator Markus Winkelbach schon knapp 20 Minuten nach dem Start in Erpel am Clubheim begrüßen, wo sie den „Rheinischen Nachmittag“ eröffneten, den die inzwischen gelandeten „Barhocker“ musikalisch gestalteten.
„Alles ist gut verlaufen. Insgesamt 672 Teilnehmer haben unser 21. Rheinschwimmen im Rekordtempo bewältigt. Die Veranstaltung wurde von vielen Teilnehmern, Schwimmern wie Besuchern auf der Clubhauswiese außerordentlich gelobt. Viele wollen im nächsten Jahr wieder dabei sein“, resümierte Jasmin Schlubowski sichtlich erleichtert, nachdem auch die zweite Staffel ohne Ausfälle am Clubheim angekommen war. Lediglich ein Teilnehmer war wegen Kreislaufproblemen notärztlich versorgt worden, bevor er vorsichtshalber in ein Bonner Krankenhaus verbracht worden war.
Eine solche Untersuchung hatten weder die Rheinbreitbacherin Hildegard Busch und der Unkeler Günter Küpper nötig, die zum 20. Mal am Rheinschwimmen teilgenommen hatten, noch die betagteste Schwimmerin, die 80-jährige Bad Honneferin Sigrid Raffauf, ebenso wenig wie Klaus Uhlig, der mit 81 Jahren als ältester Teilnehmer geehrt wurde.
Als teilnehmerstärkste Gruppe wurde wie im Vorjahr der Oberkasseler Wassersportverein ausgezeichnet. Schwimmer aus Freiburg, München und Berlin hatten nicht die Spur einer Chance, für die weiteste Anreise geehrt zu werden. Lange sah es so aus, als sollte diese Ehre einem Sizilianer zuteil werden, bis dieser entthront wurde, war von Elisabeth Escobao doch über den großen Teich aus Mexiko nach Unkel angereist, wenn auch nicht nur für das Rheinschwimmen, so groß das Vergnügen bei dem Naturerlebnis in den Fluten auch sein mag.
KC-Vorsitzender Bernd Richarz und Moderator Markus Winkelbach eröffneten den „Rheinischen Nachmittag“ auf dem Clubgelände.Fotos: DL
