Altbürgermeister erhielt für seine herausragende Verdienste die Ehrenbürger-Urkunde der Stadt
Adi Buchwald ist erster Träger des Tilman-Joel-Stadtringes
Linz. Einem alten Brauch folgend hatte der Linzer Bürgermeister Hans-Georg Faust vor der Sondersitzung des Stadtrates zu einem Gottesdienst in die Marienkirche eingeladen. Anschließend führte das Fanfarencorps des TV Linz die Mandatsträger und zahlreiche Gäste in den Sitzungssaal des Rathauses, wo der Stadtoberhaupt die Gäste begrüßte. „Heute stehen zwei geschichtliche Themen auf der Tagesordnung, neben der 700-jährigen Selbstverwaltung der Stadt vor allem die Ära Adi Buchwald“, so Hans-Georg Faust, bevor er seinen Vorgänger begrüßte. Namentlich willkommen hieß er zudem den Beigeordneten des Kreistags Werner Wittlich, die Bundestagsabgeordnete Ellen Demuth und VG-Chef Hans-Günter Fischer.
„Bereits in der Sitzung Ende Juli hat der Stadtrat unisono beschlossen, Adi Buchwald, der 25 Jahre die Geschicke der Stadt gelenkt hat, zum Ehrenbürger zu ernennen“, erinnerte der Bürgermeister. Die Ernennung zum Ehrenbürger sei die höchste von einer Stadt oder einer Gemeinde zu vergebene Auszeichnung für eine Persönlichkeit, die sich in herausragender Weise um das Wohl der Bürger und Ansehen des Ortes verdient gemacht hat, so Hans-Georg Faust, bevor er es den Fraktionen überließ, die Leistungen seines langjährigen Vorgängers Revue passieren zu lassen. „Vor gut 30 Jahren bist Du wild entschlossen in die Stadt geweht und hast als Mann us em Vorjebrich direkt für frischen Wind gesorgt“, erinnerte der Christdemokrat Bruno Hoppen. Mit „deftigen Leserbriefen“ habe Adi Buchwald politisch für Stimmung gesorgt, sodass die CDU ihn trotz oder wegen seines burschikosen Auftretens 1989 gegen Bürgermeister Theo Lück ins Rennen geschickt habe. „Für mich damals unerwartet mit Erfolg, aber glücklicherweise, denn von da an hast Du 25 Jahre lang das Bild der Stadt geprägt“.
Im Mittelpunkt von Adi Buchwalds erster Legislaturperiode hätten der Ausbau des Montessori-Kindergartens, des Marktplatzes und des Schwimmbades gestanden, ab 1999 sei es ihm vor allem um die Umgestaltungen des Altgymnasiums und der Kapuzinerkirche sowie um den Erhalt der Polizei-Inspektion und des Amtsgerichts gegangen. Spätestens da sei den Linzern klar gewesen: „Den Adi kriegsde nich jebremst!“. In seiner dritten Amtszeit habe Buchwald neben dem Kunstrasenplatz auf dem Kaiserberg, dem neuen Schwimmbadbecken und dem Tilman-Joel-Park neben Sankt Martin mit dem Verkauf der Stadtsparkasse an die Sparkasse Neuwied den Linzern ein Stiftungsvermögen gesichert, dessen Zinsen vor allem Kultur und Sport zugute kommen. „Ab 2008 galt es dann vor allem, Linz schuldenfrei zu halten und mit dem Meusch-Einkaufszentrum die Versorgungslage der Stadt zu sichern“, erinnerte der Laudator, bevor er auf die letzte, schon von Adi Buchwalds Krankheit geprägte Amtszeit einging, in der sich dieser vorrangig um den Pendler-Parkplatz am Bahnhof sowie die abschließende Erschließung des Baugebiets „Roniger Hof“ gekümmert und die Umgestaltung des Geländes hinter dem Rathaus und des Rheinufers vorbereitet habe. „Darüber hinaus warst Du als Schöffe und in mehreren Aufsichtsräten aktiv, von Deinem Engagement in den Linzer Vereinen ganz zu schweigen“.
Geordnete finanzielle Verhältnisse standen im Vordergrund
Die Laudatio ergänzte der SPD-Fraktionsvorsitzende Dieter Lehmann noch um die erfolgreiche Umgestaltung des Konvikts zur Antonius-Seniorenresidenz. „Vor allem aber ging es Adi Buchwald um geordnet finanzielle Verhältnisse. Prestigeträchtigen Projekten hat er stets widerstanden“, lobte der Sozialdemokrat den Ehrenbürger, den er seinem Sternzeichen „Stier“ entsprechend als sinnesfreudig und aufbrausend, direkt und hemdsärmelig-zupackend charakterisierte. „Vor allem aber trägst Du Linz im Herzen“. Die Amtszeit von Adi Buchwald werde in die Analen der Stadt eingehen, war sich Heiko Martin von der FWG sicher. „Du hast Dich um alles gekümmert und warst für jeden jederzeit erreichbar“, betonte er, eine Erfahrung, die auch Anja Birrenbach von der Fraktion „Grüne/Die Linke“ bescheinigen konnte. „Adi Buchwald und Linz haben sich gefunden, er war und ist ein Glücksfall für die Stadt, die zu seiner Passion wurde“, konstatierte Hans-Günter Fischer. Ohne seine Monika hätte es ihn aber in Linz gar nicht gegeben, erinnerte der VG-Chef.
Buchwald erhielt einen eigenen Stadtring
„Mit jeder Phase Deines Herzens bist Du Bürgermeister gewesen, für Dich ein Fulltime-Job“, hob er hervor, um Adi Buchwald abschließend als eigene, unverkennbare Marke zu charakterisieren, bevor Werner Wittlich dem ihm im Namen des Kreistages den Wappenteller des Kreises überreichte. „Wir wollten es nicht bei der Urkunde zum Ehrenbürger belassen, sondern haben bei dem Bad Honnefer Goldschmied Georg Zumsande einen Stadtring gestalten lassen“, so Hans-Georg Faust. Anders als andere entsprechende Ringe ziere diesen aber nicht das Stadtwappen. In dem Ehrenring von Goslar sei ein Bildnis von Heinrich IV eingraviert, in dem von Bad Honnef Konrad Adenauer. „Auch Linz hat einen großen Sohn, der sich um die Stadt in besonderem Maße verdient gemacht hat: der aus einer Ratsfamilie stammende Probst von Sankt Florin in Koblenz, Tilman Joel“, erinnerte der Bürgermeister. Zunächst als Sekretär, dann als Kanzler des Trierer Erzbischofs Otto von Ziegenhain trat der Doktor der Rechte nach dem Tod des Trierers in den Dienst des Kölner Erzbischofs und Kurfürsten Dietrich von Moers. Für diesen vertrat er Kurköln ab 1432 auf dem Reformkonzil zu Basel und zeigte 1442 Herzog Friedrich von Habsburg seine Wahl zum deutschen König an. Außerdem vertrat der gelehrte Linzer Kurköln auf zahlreichen Reichstagen. Der äußerst vermögende Linzer ließ in seiner Heimatstadt die 1462 der Gottesmutter geweihte Ratskapelle im Norden des Marktplatzes errichten. Für diese stiftete er den „Gnadenstuhl“, der dem Kölner Meister der Lyversberg-Passion zugeschrieben wird.
„In Köln würde man sagen: Isch könnt vor lutter Freud jetz kriesche. Den Ring mit dem Wappen eines so großen Sohnes der Stadt zu versehen, finde ich ganz toll. Und ich bin mit dieser außerordentlichen Ehre bewusst“, erklärte Adi Buchwald sichtlich gerührt unter dem anhaltenden Beifall der zahlreichen Festgäste. Dabei ist der Altbürgermeister Auszeichnungen und Ehrungen durchaus gewohnt. Im Oktober 2013 wurde er für sein kommunalpolitisches Engagement mit der Freiherr-vom-Stein-Plakette ausgezeichnet und im April dieses Jahres hat ihm die stellvertretende Ministerpräsidentin Eveline Lemk, die Verdienstmedaille des Landes Rheinland-Pfalz überreicht.
Bürgermeister Hans-Georg Faust überreichte Adi Buchwald die Ehrenbürger-Urkunde.
