Linzer Bürgermeister lud Linzer Mitglieder des Migrations-Beirats ins Rathaus ein
„Alle politischen Instrumentarien nutzen“
Linz. Aus Anlass ihrer Wahl zur Vorsitzenden des Beirats für Migration und Integration des Landkreise Neuwied vor einer Woche im Löwenherzsaal der Kreisverwaltung hatten der Linzer Stadtbürgermeister Hans Georg Faust und seine Beisitzer, Thomas Balasus sowie Karl-Heinz Wölbert, die in Linz wohnende Kosovo-Albanerin Violeta Jasiqir zu einer ersten Besprechung in das Amtszimmer des Stadtchefs eingeladen. Die Nachfolgerin von Dilorom Jacka hatte sich sehr deutlich gegen zwei Mitbewerber durchgesetzt. Gleiches war in mehreren Wahlgängen auch ihren Stellvertreterinnen gelungen, Georgina Nussbaumer aus Hausen und der Rheinbreitbacherin Aynur Ergin. Nicht nur dass damit drei Frauen an der Spitze des Beirats für Migration und Integration stehen, auch der Frauenanteil von 50 Prozent bei den zehn gewählten Mitgliedern ist landesweit herausragend. Zu diesen Mitgliedern zählt auch die türkischstämmige Pembke Akar, neben Herbert Woidtke Interessenvertreterin junger Migranten, die Violeta Jasiqir bei dem Ratshausbesuch begleitete.
„Ich bin in Fürth geboren und vor neun Jahren aus Franken an den Rhein nach Linz gekommen“, stellte sich die 33-jährige Mutter von zwei Kindern vor. Wie ihre Stellvertreterin Aynur Ergin war auch die als Bürokommunikations-Fachfrau in der Kreisverwaltung arbeitende Violeta Jasiqi von der in Kasbach beheimateten Frauenbegegnungsstätte „Utamara“ für die Beiratswahlen vorgeschlagen worden. In Deutschland geboren ist auch die 36-jährige Bürokommunikations-Fachfrau Pembke Akar, im Gegensatz zu ihrer Beiratskollegin lebt die Mutter von drei Jungen, die auch Mitglied in der Landes-Arbeitsgemeinschaft „Migration und Vielfalt“ ist, aber schon seit 1991 in der bunten Stadt am Rhein.
„Nach unserer Wahl ist die Arbeit wie ein Tsunami über uns rüber geschwappt, eine Situation, mit der wir uns erst allmählich zurechtfinden müssen“, gestanden die beiden ein. Von daher seien sie noch nicht in der Lage, dem Linzer Bürgermeister genau zu erklären, wo konkret sie die Aufgaben der Kommunen bei der Integrationsarbeit sehen würden. „Grundlage für diese sind Sprachkenntnisse, wobei es erstaunlich ist, wie schnell Kinder sich in einer fremden Sprache zurechtfinden“, so Violeta Jasiqi, die im Gegensatz zu ihren Eltern in Deutschland geblieben ist. Es reiche aber bei Weitem nicht aus, dass nur die jüngsten Migranten Deutschkenntnisse erwerben würden. Wenn im Elternhaus nur mittels „Muttersprache“ kommuniziert würde, falle es den Kindern ungleich schwerer, in der Schule Leistungen zu erbringen, die ihren Möglichkeiten entsprechen würden. „Um eine frühestmögliche, optimale Förderung zu erreichen, müssen wir den Deutschunterricht in die Familien bringen“, forderte die Beiratsvorsitzende.
Die entsprechende Überzeugungsarbeit bei den Erwachsenen scheitere nicht nur, weil diese die Bedeutung der Sprache hinsichtlich der Schulbildung für ihre Kinder sowie für ihre eigene Integration nicht erkennen würden. „Die meisten Sprachkurse sind für viele Teilnehmer einfach zu schwer. Meistens wird dort großer Wert auf Grammatik gelegt, statt die Migranten in Rollenspielen mit ganz konkretem Vokabular bestimmte Themen durchzuspielen wie etwa einen Arztbesuch, einen Fahrkartenkauf oder eben den Besuch auf einem Amt.
„Auf Sie beide wartet enorm viel Arbeit, nicht zuletzt angesichts der Flüchtlingssituation, die auf den Kreis und nicht zuletzt auch auf Linz zukommt“, so Hans Georg Faust. Die sich daraus ergebenden Probleme könne man nur erfolgreich beheben, indem man alle politischen Instrumentarien nutze. „Kommen Sie zu uns, wir helfen Ihnen weiter so gut wir können“, versprach er den beiden Beiratsmitgliedern. Diese seien so hervorragend integriert in die Gesellschaft, dass sie eine Brücke bilden könnten für die Migranten, die Schwierigkeiten hätten, sich in den für sie fremden Verhältnissen zurechtzufinden. „Die Themen Integration, kulturelle Vielfalt und Toleranz sind viel zu wichtig, als dass sie zwischen Parteien zerredet werden dürfen“, so Hans Georg Faust.
