Stadt Linz und Planer informierten über das Förderprogramms „Historische Stadtbereiche“
Bei umfassenden Sanierungsarbeiten gibt es bis zu 30.000 Euro
Linz. Zu einer Bürger-Informationsveranstaltung über das Förderprogramm „Historische Stadtbereiche“ hatte Bürgermeister Hans Georg Faust Anfang voriger Woche vor allem Bewohner und Immobilienbesitzer aus der Linzer Altstadt in die Stadthalle eingeladen. Der Grund: Die Stadt Linz am Rhein war im Vorjahr in das Städtebauförderungsprogramm von Bund und Land aufgenommen.
Innerhalb der Stadtmauern
Dieses stellt Immobilienbesitzern bei umfassenden Sanierungsmaßnahmen Fördermittel in Höhe von maximal 30.000 Euro in Aussicht. „Mit der Durchführung von Maßnahmen der Stadtsanierung soll in der Altstadt die städtebauliche Eigenart erhalten und das charakteristische Stadt- und Straßenbild geschützt werden. Parallel dazu soll durch die Beseitigung sowie Vorbeugung von Fehlentwicklungen die Attraktivität des gesamten Altstadtbereichs als Wohn-, Geschäfts- und Tourismusdestination langfristig gestärkt und gesichert werden“, erklärte der Stadtchef rund 60 interessierten Bürgern. Das vorläufige Untersuchungsgebiet umfasst alle Grundstücke innerhalb der ehemaligen Stadtmauern von Linz, reicht also von der Burg und dem Rheintor bis zur Schulstraße, weiter zur Kaiserberg- und Petrus-Sinzig-Straße sowie bis zum Neutor an der Asbacher Straße und von dort bis zur Trinitatiskirche sowie in Richtung Westsüdwest bis zur Burg Linz. In dem Lageplan ist es rot gestrichelt markiert. „Sie alle sind mit den Geschicken unserer Stadt verknüpft. Für diese als Mittelzentrum ist der historische Stadtkern von großer Bedeutung. Ich hoffe, dass sich noch mehr Bürger bereit erklären werden, uns auf einem langen Weg zu begleiten, der möglicherweise über ein Jahrzehnt dauern wird“, so Hans Georg Faust zu den Linzern, die der Einladung gefolgt waren. Engagierte Bürger hätten im Vorjahr die Teilnahme an dem Förderprogramm auf den Weg gebracht, das dieses Mal auch einzelnen privaten Sanierungsprojekten Unterstützung verspreche, so der Stadtchef. Er sehe in diesem Projekt allerdings nur eine Initialzündung, die hoffentlich ein Feuer entfachen werde, damit Linz in neuem Glanz erstrahle. „Mit der Durchführung der vorbereitenden Untersuchungen zur Erstellung eines ‚Integrierten Stadtentwicklungskonzeptes’ (ISEK) hat die Stadt das Bopparder Planungsbüro ‚Stadt-Land-plus’ beauftragt. Dessen Mitarbeiter um Stadtplaner Friedrich Hachenberg und den Raum- und Umweltplaner Norman Kratz haben bereits mit ersten Untersuchungen über die sozialen, strukturellen und städtebaulichen Verhältnisse und Zusammenhänge hat sowie hinsichtlich der Notwendigkeit von Sanierungsmaßnahmen an den einzelnen Gebäuden in dem Gebiet begonnen“, erklärte der Stadtchef, bevor er die beiden Planer zu Wort kommen ließ.
Zwölf Jahre Förderprogramm
„Das Förderprogramm unterstützt Kommunen bei der Gestaltung von Straße, Wegen und Plätzen und fördert in einem Zeitraum von zwölf Jahren parallel Privatleute, die in der Altstadt, also innerhalb der ehemaligen Stadtmauer, erhaltenswerte Gebäude umfassend modernisieren und instandsetzen“, erklärte Friedrich Hachenberg. Die geplanten Arbeiten müssten sich aber aus dem Gesamt-Entwicklungskonzept ableiten lassen. Über die jeweilige Höhe der Förderung von maximal 30 Prozent der Gesamtkosten oder bis 30.000 Euro entscheide dann der Stadtrat, so der Planer, nachdem er auf einige Kristallisationspunkte wie den Marktplatz, das Rhein-Portal mit der Burg oder, als Negativbeispiel, die Neustraße vom Neutor aus eingegangen war. „Es gibt bereits viele Papiere wie die touristischen Bestandanalyse der Hochschule Bad Honnef-Bonn oder das Einzelhandelskonzept“, erinnerte Friedrich Hachenberg. Jetzt sei aber endlich Zeit, Maßnahme zu Steigerung der Lebensqualität in der Altstadt zu ergreifen mahnte er. Dazu würden etwa von kommunaler Seite aus Barrierefreiheit und Straßensanierungen gehören.
Wohnen, Kultur und Tourismus
„Das ISEK betrachtet als Voraussetzung für eine Förderung die Gesamtstadt sowie überörtliche Bezüge und fasst alle Themenbereiche der Innenstadtentwicklung zusammen, also auch soziale und wirtschaftliche Komponenten. Chancen auf eine Förderung hat man, wenn der Erneuerungsprozess zielgerichtet ist und möglichst viele Bürger in den Prozess eingebunden sind“, führte Norman Kratz aus. Ziel sei es die Altstadt als Standort für Wohnen, Kultur und Tourismus aufzuwerten und sie nicht zur reinen Kulissen verkommen zu lassen. Entsprechend müsse sie auch die Funktion eines zentralen Versorgungsbereichs erfüllen. „Mit eine der Kernfragen neben der ansprechenden Gestaltung vom Plätzen und Straßen dürfte sein, wie in der Linzer Hanglage etwa eine stadtverträgliche Mobilität sichergestellt werden kann“, so der Planer zu den Aufgaben der Kommune, bevor er sich Stärken und Schwächen der Stadt widmete, von den vor allem Privatleute betroffen sind. „Ab der 11. Kalenderwoche werden wir alle Gebäude des Untersuchungsgebietes genau hinsichtlich Nutzung und Zustand sowie vorhandener Stellplätze dokumentieren und dabei Missstände sowie Aufwertungspotenziale und Highlights aufzeigen“, berichtete Norman Kratz.
Ein weiterer Schritt sei eine Eigentümerbefragung hinsichtlich bereits vorhandener Pläne. Diese diene dann als Grundlage für die Modernisierungsrichtlinie, welche wiederum die Grundlage für die Förderung sei. „Eine wesentliche Schwierigkeit, Leerstände zu beseitigen, bereitet natürlich die meist kleinteilige, oft verwinkelte Struktur der denkmalgeschützten Altstadt-Bebauung. Oft werden die Obergeschosse nur über die Ladenlokale im Erdgeschoss erschlossen, wobei grundsätzlich ein hoher Sanierungs- und Modernisierungsbedarf vor allem hinsichtlich der Bäder und der Heizungen besteht“, räumte der Planer ein. Als aussichtslos bewertete er die Lage allerdings jedoch keineswegs. „Auch wenn die Linzer Altstadt als eine der schönsten in ganz Rheinland-Pfalz bekannt ist, sollten sie auf ihre Schätze noch deutlicher hinweisen. Die Baukultur ist ein Standortfaktor, der längst noch nicht ausreichend genutzt wird. Außerdem verfügt Linz über eine äußerst lebendige Vereinsstruktur sowie über überaus engagierte Bürger“, konstatierte Norman Kratz, um sich dann dem weiteren Vorgehen zu widmen.
Vier Expertengespräche
So werden als Voraussetzung vier Expertengespräche zu „Handel, Gastronomie und Tourismus“, über „Baukultur/Stadtbild“, über „Soziales, Bildung und Ehrenamt“ sowie über „Mobilität, Infrastruktur und Klimaschutz“ angeboten. Voraussichtlich am bundesweiten Tag des Städtebaus, Samstag, 9. Mai, gibt es ab 10 Uhr einen Stadtspaziergang, an dem Interessierte teilnehmen können, nach dem eine Präsentation der ISEK-Zwischenergebnisse erfolgt. Auf der 2. Bürgerversammlung am Montag, 27. Juli, wird „Stadt-Land-plus“ ab 19 Uhr in der Stadthalle, „Handlungsschwerpunkte und erste städtebauliche Entwürfe“ vorstellen.
„Wir erhoffen uns aus dieser Veranstaltung weitere kreative Anregungen für die Entwicklung der Linzer Innenstadt und freuen uns auf Vorschläge, denn die intensive und aktive Einbindung der Bevölkerung, insbesondere der Eigentümer, Mieter, Bewohner und sonstiger Akteure im Programmgebiet in den weiteren Prozess ist ja ein zentraler Ansatz des Förderprogramms“, so Hans Georg Faust. Weitere Informationen zum ISEK gibt es bei der Stadt unter www.linz.de und bei der Verbandsgemeinde unter www.vg-linz.de, wo auch die Bürger auch ihre Ideen und Vorstellungen einreichen können.
