50. Neujahrsgespräch der Erpeler CDU
Bernhard Vogel war erneut Gastredner
Der ehemalige Ministerpräsident sprach über „70 Jahre Friede und 25 Jahre deutsche Wiedervereinigung“
Erpel. Hohen Besuch konnte Bürgermeisterin Cilly Adenauer am Dienstagabend im Erpeler Rathaus begrüßen. Ihre Parteifreundin Gisela Stahl hatte als Vorsitzende des CDU-Ortsvereins den früheren Ministerpräsidenten von Rheinland-Pfalz (1976 bis 1988) und Thüringen (1992 bis 2003), Bernhard Vogel, als Gastredner für das 50. Neujahrsgespräch eingeladen. Zu diesem traf dieser dann, nachdem er sich in das Goldene Buch des Ortes eingetragen hatte, mit dem Vorsitzenden des CDU-Gemeindeverband Heinz Schmitz, dem Ersten Kreisbeigeordneten Achim Hallerbach und Staatsminister a.D. Heinz Schwarz im Bürgersaal ein, wo Gisela Stahl neben zahlreichen Parteifreunden wie den Altbürgermeistern Heinrich Schwarz und Edgar Neustein und dem ehemaligen Bundestagsabgeordneten Werner Wittlich auch Verbandsgemeindebürgermeister Karsten Fehr und den Unkeler Stadtbürgermeister Gerhard Hausen begrüßen konnte.
Ein besonderer Gast zu´ einem besonderen Jubiläum
„Im Jahre 1965 das 1. Erpeler Neujahrsgespräch mit Landrat Josef Oster statt. Wir wissen nicht, ob die Initiatoren damals schon davon ausgegangen sind, dass diese Veranstaltung 50 Mal in ununterbrochener Reihenfolge stattfinden wird. Aber wir haben es geschafft“, erklärte Gisela Stahl nicht ohne Stolz . Auch nach dem Umzug des Deutschen Bundestags nach Berlin sei es immer wieder gelungen, nicht nur bekannte, sondern auch kompetente Referenten für diese Veranstaltung zu gewinnen. „Heute knüpfen wir an diese Tradition an und können nach 1977 und 2005 auch beim 50. Jubiläum Bernhard Vogel als Gastredner begrüßen, ein Umstand, der es wert ist, das Neujahrsgespräch im Juni abzuhalten“, erklärte sie unter Beifall der Zuhörer.
Beschäftigung mit Geschichte dient Gegenwart und Zukunft
„70 Jahre Frieden - 25 Jahre deutsche Wiedervereinigung“ lautete Bernhard Vogels Thema einen Tag vor dem 17. Juni, an dem in Westdeutschland früher der „Tag der Deutschen Einheit“ gefeiert wurde. „Aufgabe der Geschichte ist es nicht, nur an die Vergangenheit zu erinnern, sie dient auch dazu, sich mit der Gegenwart und der Zukunft auseinanderzusetzen“, so der 82-Jährige. Die Wiedervereinigung sei über Nacht und friedlich gekommen. „Nicht zuletzt dank Michail Gorbatschow, der, anders als 1953, dafür gesorgt hat, dass im Herbst 1989 die sowjetischen Panzer in den Kasernen blieben“, blickte Vogel zurück. Auf die Euphorie sei Ernüchterung gefolgt. Wesentlicher Grund sei das Problem gewesen, die sozialistische Planwirtschaft, über deren katastrophalen Zustand man sich nicht im Klaren gewesen sei, in eine soziale Marktwirtschaft umzuwandeln. Klar machen müsse man vor allem der jungen Generation, die Mauerfall und Wiedervereinigung nicht bewusst erlebt habe, dass Deutschland erstmals eine stabile Demokratie sei. „Adolf Hitler ist von Reichspräsident Paul von Hindenburg völlig verfassungskonform am 30. Januar 1933 zum Reichskanzler ernannt worden“, so Vogel. Erst danach hätten die Nationalsozialisten mit einer Welle des Terrors gegenüber Andersdenkenden und Juden die Verfassung außer Kraft gesetzt. „Eine gute Verfassung reicht also nicht aus. Die Demokratie braucht vor allem aktive Demokraten“, so die Lehre aus der Geschichte.
Die Rolle des geeinten Deutschlands in Europa
Eine weitere Schlussfolgerung Vogels: Das geeinte Deutschland spiele eine andere internationale Rolle. Dabei solle es sich hüten, von „Führung“ zu sprechen, sondern angesichts seiner geografischen Größe und wirtschaftlichen Stärke Rücksicht auf die kleineren Länder nehmen, die Voraussetzung für ein geeintes Europa souveräner Staaten seien. „Schon heute ist Europa, in dem Krieg undenkbar ist, ein anderes Wort für Frieden. Deshalb ist es unsere Aufgabe, die Einigung weiter zu gestalten und Außenpolitik, Wirtschaft und Verteidigung gemeinsam zu gestalten“, mahnte Vogel. Probleme und Chancen der Globalisierung könnten nur gemeinsam angegangen werden.
Migration in den Herkunftsländern entgegen wirken
„Bei der Fluchtbewegung aus Afrika stehen wir vor einem Dilemma: Natürlich kann man nicht Hunderte von Menschen ertrinken lassen. Herr über die Situation wird man aber auch nicht, indem man sie rettet. Das würde vermehrt Schlepper auf den Plan rufen“, warnte Vogel. Um eine Wanderungsbewegung aufzuhalten, müsse man die Herkunftsländer politisch und wirtschaftlich stabilisieren, forderte er, um sich dann dem Thema „Islam“ zuzuwenden: Der gehöre zu Deutschland, solange seine Anhänger das Grundgesetz achteten. Wer es außer Kraft setzen wolle, habe in Deutschland nichts verloren, sprach er den Anwesenden offensichtlich aus der Seele.
„Wir leben nicht auf einer Insel“, warnte der erfahrene Christdemokrat angesichts des relativ großen Wohlstands im Land. Man dürfe die Probleme anderer Nationen nicht außer Acht lassen, sondern müsse an Lösungsmöglichkeiten mitarbeiten, sonst könne man den eigenen Wohlstand nicht auf Dauer halten. „Machen Sie der Jugend Mut, statt ihr Ratschläge zu erteilen. Auch unsere Generation hat absolut Ungewöhnliches geleistet beim Aufbau der Bundesrepublik und Fähigkeiten an den Tag gelegt, die ihr niemand zugetraut hätte“, schloss Bernhard Vogel seine gut einstündige Rede.
